Hafengeburts­tag in Hamburg

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Foto: IMAGEKONTOR

Traditionelle Mai-Sause mit Feuerwerk, Auslaufparade und Schlepperballett.

Mutti" steht auf ihrem T-Shirt. Auch auf dem, einer zweiten und dritten. Drüber haben sie Lederjacken an, knallenge Jeans, High Heels, Cowboyboots. Die Frauen tanzen ausgelassen zu Rockmusik und sind sichtlich in Feierstimmung. Es ist Sonntag, 11 Uhr Vormittag, und der Frühschoppen in der Hamburger Fischhalle ist voll im Gange. Die Live-Band, ältere Herren in Rocker-Kluft, schwingen ihre Gitarren und Schlagzeugstöcke durch die Luft. Es riecht nach Bier, Bratwurst und Heringsfrühstück. Herrlich – so fühlt es sich an, wenn der Hamburger Hafen Geburtstag hat.

Hafenmetropole

… Foto: www.mediaserver.hamburg.de Hardrock ist überhaupt ein Thema in der norddeutschen Kreuzfahrthochburg. Die Full-Metall-Cruise von TUI Cruises, mit 20 Heavy-Metal-Bands, 1000 schwarz gekleideten Fans und Musikern an Bord, ausgestattet mit Lautsprechern, die sämtliche Weltmeere beschallen könnten, lief im Vorjahr auch am 824. Hafengeburtstag unter dem Gejohle der Zuschauer bei den Landungsbrücken ein.

Die Terrasse, der Logenplatz im Hafen, ist übervoll – nicht nur die "Muttis" in ihren schwarzen Shirts kennen den besten Standort, um das Spektakel mitzuverfolgen – das Hard-Rock-Café bei den St. Pauli Landungsbrücken. Auch zwölf Kreuzfahrtschiffe laufen langsam ein, in Zukunft sollen es noch mehr werden. Auch US- Reedereien drängen darauf, in den Hafen der Hansestadt zu schippern – ihre Schiffe sind aber zu groß um an der Geburtstagsparade teilzunehmen. Deshalb ankern viele Riesenschiffe draußen auf der Elbe und im Containerhafen. Ein Heer von Transport- und Beibooten muss Schaulustige Richtung Landungsbrücken bringen.

HAFENGEBURTSTAG HAMBURG… Foto: HMC / NICO /HAFENGEBURTSTAG HAMBURG 75 € geben Transitgäste durchschnittlich im Hafen pro Tag aus, das ergab 2012 einen Profit aus dem Kreuzfahrttourismus von rund 205 Mio. Euro. Dabei fehlt dem Hafen jetzt schon ein dritter Terminal, um den riesigen Besucherstrom aufnehmen zu können – im Vorjahr kamen allein zum Hafengeburtstag 1,5 Millionen Gäste. Der Turnaround wird vor allem mit Kreuzfahrtschiffen von Aida Cruises gemacht.

… Foto: Christian Spahrbier Hamburg ist der zweitgrößte Containerhafen Europas, vielleicht ist deshalb das Auftakt-Spektakel zum Hafengeburtstag so gewaltig: 300 Schiffe, 200 Segelschiffe, allen voran auch das ehrwürdige alte Segelschulschiff Gorch Fock, stehen von der HafenCity bis zum Museumshafen Oevelgönne mit vielen maritimen Attraktionen fast rund um die Uhr für die Besucher bereit. Nur die Königin der Meere, die Queen Mary 2 , kommt bis zum Cruise Terminal nur mit der Flut herein. Neben ihrer kleinen Schwester QM2, der Queen Elizabeth, werden noch elf weitere Luxusliner erwartet.

Da sind sie wieder, ein paar "Muttis". Diesmal tragen sie die Shirts zu Jeans und Turnschuhen und schlendern rund um Windjammer und Museumsschiff, bewundern die Marine- und Einsatzfahrzeuge, plaudern mit den Seemännern über Schiffbruch und Seemannsgarn. Mit dabei: eine Bierdose und ein Lebkuchenherz um den Hals – typisch hamburgerisch.

"Noch fünf Minuten, Mutti", tönt es aus den Lautsprechern, der Deichkind-Song über den Alltag am Kiez ist zwar keine Referenz an hanseatische Kneipenmusiker wie Hans Albers oder Udo Lindenberg – sorgt aber trotzdem für Stimmung zwischen den Hunderten Zelten, die im Hafen aufgebaut sind.

HAFENGEBURTSTAG HAMBURG… Foto: HAFENGEBURTSTAG HAMBURG Auch am Samstag und Sonntag sind Hering und Bratwurst gefragt. Für das fulminante Feuerwerk am Samstagabend muss schließlich ordentlich vorgeglüht werden. Und wenn das berühmte Schlepperballett durch den Hafen tanzt, haben nicht nur "Muttis" Lust auf einen Herings-Brunch. Bei der Auslaufparade am Sonntag haben sie dann noch einmal Gelegenheit "Leinen los" zu rufen oder selbst mitauszulaufen.

Info

Anreise

www.skyscanner.at

825. Hafengeburtstag in Hamburg

Termin: 9. bis 11. Mai 2014. Drei Tage spannende und unterhaltsame Attraktionen zu Wasser, zu Land und in der Luft. www.hafengeburtstag.de www.hamburg.de/infografik-kreuzfahrtjahr

To-do

Besuch des Hamburger Fischmarktes, Bootsmannsbrunch in der Fischauktionshalle, Spaziergang zum Anleger Fischmarkt, Hafenrundfahrt mit Guide Tomas Kaiser.

Mitfahren beim Hafengeburtstag: Barkassenfahrt zur Einlaufparade (Anleger: Baumwall/Vorsetzen)

Segeltörn auf dem Großsegler "Star Flyer" (Anleger Überseebrücke), www.star-clippers.de

www.abicht.de

Restaurant-Tipps

Restaurant Dips ’n Stix, Spielbudenplatz 24–25☎ +49 40 31778884

Hard Rock Café , St. Pauli- Landungsbrücken 5, ☎ + 49 40 30068480

Hotel-Tipp

Motel One Hamburg: Perfekt zwischen Hafen und Reeperbahn gelegen, junge Leute und gute Stimmung. ☎ +49 40 35718900,

Allgemeine Auskünfte

DZT – Deutsche Zentrale für Tourismus in Wien, ☎ 01/ 513 27 92, www.germany.travel, www.hamburg-tourismus.de

Von der coolsten Seite

Das junge Hamburg

Viele Hamburger, aber auch auswärtige Fans der Hansestadt jubeln: Die "Rote Flora" darf bleiben. Das seit mehr als 20 Jahren belagerte Haus, ist das am längsten besetzte Gebäude Deutschlands und wird es auch bleiben. Schwere Krawalle und heftige Demonstrationen gab es um den Jahreswechsel für den Erhalt des linken Kulturzentrums - der Eigentümer wollte das ehemalige Theater abreißen - dabei wurde das Szeneviertel Sternschanze sogar zur Gefahrenzone ausgerufen. Per Gesetz darf das Gebäude, das zur Hamburger Szene gehört, wie die Arena zu Wien, nun nicht mehr abgerissen oder umgebaut werden und das is gut so, steht sie doch in Mitten eines pulsierenden Viertels, das mit vielen kleinen Boutiquen, Restaurants, Cafés und einer Partymeile einen ganz eigenen Charme versprüht und die Jugend nach Hamburg lockt: Am Schulterblatt im Schanzenviertel. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich das Schulterblatt durch die Eröffnung zahlreicher Gaststätten zu einer Kneipenstraße entwickelt, in der sich vor allem die junge und alternative Szene aufhält. Gleich gegenüber der Roten Flora befindet sich etwa die "Katze" - eine hippe Bar die von vielen Einheimischen und Touristen besucht wird. Hier werden zur Happy Hour Caipis geschlürft was das Zeug hält.  (Schulterblatt 88) Ein Stück weiter, die Straße hinunter gibt's wunderbare mexikanische Küche - auch vegan - zu lauter Musik. (Jim Burrito's, Schulterblatt 12) Krasse Torten zum Gruseln serviert "Herr Max" gleich nebenan, weniger gruselig ist der Gastraum mit alten Kacheln, die noch aus der Zeit stammen, als das Lokal ein Milchgeschäft war. (Schulterblatt 12) Abkürzungen, zum Beispiel zur nahe gelegenen Schanzenstraße, finden Kenner immer wieder in  "charmanten" Hinterhöfen, durch die  man zwar durchgehen darf, aber sich doch an ein paar Regeln halten sollte. Recht gemütlich ist es in der Sofabar Zoë 2. (Neuer Pferdemarkt 17) Der historische Schlachthof trennt das Schanzenviertel vom alternativen aber weniger punkigen Karoviertel. Dort befindet sich die Bullerei, ein Restaurant mit Deli von Promi-Koch Tim Mälzer und Patrick Rüthe - für Freunde der kreativen Küche. (Lagerstraße 34b) Ebenfalls am Gelände: Cafe Elbgold mit Sitzmöbel aus Kaffeesäcken und einer Espressomaschine namens Slayer. Hier gibt es den angeblich besten Kaffee Hamburgs. (Lagerstr 34c) Um die Schlachthofpassage findet jeden Samstag ein Flohmarkt Flohschanze statt. Hier findet man neben gängigem Klimbim auch Dinge wie Steuerräder oder ausgestopfte Tiere.  Nur noch über eine kleine Eisenbahnbrücke und man befindet sich auf der mulitkulturellen Marktstraße im Karoviertel - mit feinen Designer-, Second-Hand- und Szene-Läden sowie hippen Cafés und Lokalen. Einer der Designerläden ist zum Beispiel "Herr von Eden". Hier kauften schon Lady Gaga, Depeche Mode und Jan Delay ein. Die Prominenz setzte sich dann auch prompt für den Laden ein, als Designer Bent Angelo Jensen Insolvenz anmelden musste und sammelte Spenden. Um die U-Bahn-Station Feldgasse findet man auch eine starke Musik-Szene: Das "Uebel & Gefährlich", ein Musikclub im Flakturm, den Traditionsclub "Knust" sowie die "Hanseplatte", ein Plattenladen, der sich auf Musik spezialisiert hat, die in irgendeiner Weise mit Hamburg verbunden ist. Die Clubs sind auch Teil des jährlich stattfindenen Reeperbahn Festivals, Deutschlands größtem Clubfestival, das Ende September zahlreiche Musikliebhaber abseits des Mainstreams nach Hamburg lockt. Die Reeperbahn ist aber das ganze Jahr Ziel vieler Partygäste. Zu den bekanntesten Clubs gehören etwa Große Freiheit 36, Molotow oder Docks. Gediegener geht's im Frühling zu: Jazz-Konzerte an ungewöhnlichen Orten finden im Mai im Rahmen des Elbjazz-Festivals statt. A pros pos Elbe. Wenn die Temperaturen etwas wärmer werden zieht es die Hamburger gerne an den Elbstrand. Doch für die Bewohner des rauhen Nordens sind Temperaturen relativ: Schon zu Ostern werden dort Feuer angezündet, um den Sommer willkommen zu heißen. Und wo schläft die Jugend? 
In Jugendherbergen zu schlafen muss, nicht heißen in großen Schlafsäälen zu liegen. Die meisten Hostels bieten auch private Doppelzimmer an. So auch die A&O Hostels, von denen es in Hamburg drei gibt (Hauptbahnhof, City, Reeperbahn). Günstig Übernachten kann man auch im Meininger. (Goetheallee 11) Wer es lieber ein bisschen persönlicher hat, kann sich auch auf Airbnb nach einem privaten Zimmer umsehen. Mehr als 1000 Betten werden dort für Hamburg feilgeboten. Frühstück mit Kult-Charakter gibt's übrigens im Cafe Absurd in St. Pauli. Man füllt einen Zettel aus und stellt sich sein Frühstück ganz einfach selbst zusammen. (Clemens-Schultz-Str. 84) Mehr Tipps gibt es auf der Youth HotSpot Seite der deutschen Tourismuszentrale - noch besser: Selbst Hotspots eintragen.
Reeperbahn

Beatles Tour

Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg erwachsen geworden‘, sagte John Lennon einmal über seine Zeit am Kiez“, erzählt die Hamburger Sängerin Stefanie Hempel, Erfinderin der musikalischen Beatles-Tour, beim Treffpunkt auf der Reeperbahn. Wer mit ihr durch St. Pauli streift, wandelt auf den Spuren der Fab-Four. Zwar begreifen die Hamburger selbst nicht ganz, dass die Beatles als Kulturgut der Hansestadt gelten, die weltweite Fangemeinde, die hierher pilgert, dafür umso mehr. Nicht nur, weil sogar noch Originalplakate vor den Clubs hängen. Oder man einen Lookalike Paul McCartneys am Kiez treffen kann, der dort gerade sein Bestes gibt. Etwa auf der großen Freiheit 64, im Indra, dem Club, in dem alles begann. „Heute ist strippen, morgen ist Rock ’n’ Roll“, sagte der Clubbesitzer den Beatles gleich bei ihrer Ankunft. Pete Best, George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Stuart Sutcliffe kamen 1960 als Amateure hierher. Auf der Fähre hießen sie noch „Long John and the Silver Beetles“. Für die Siebzehnjährigen begann ein unerwarteter Konzertmarathon durch die Clubs: Indra, Kaiserkeller, Top 10 und Starclub. Hier gaben sie 300 Konzerte, in drei Monaten. 93 davon in Folge ohne Pause Nacht für Nacht im Top 10. Das damalige Motto der Clubbesitzer: spielen, bis der letzte Gast das Lokal verlassen hat. „Erst hier wurden wir zu einer professionellen Liveband“, sagten die Beatles einmal über diese Feuerprobe, als sie noch Chuck Berry, Elvis oder Fats Domino coverten. Mit Hempels Schilderungen geht die Tour ein paar Ecken weiter zum Bambi-Kino, genannt „The black hole in Calcutta“. Hier hausten die Pilzköpfe für drei Monate in Abstellkammern ohne Bad, mit Kinolärm. Es gehörte dem Indra-Besitzer Bruno Koschmider. John Lennon sagte einmal, dass sie ohne Bier, Cola und „Prellos“ (Preludin, ein damals beliebtes Aufputschmittel) niemals überlebt hätten. Gage pro Nacht: 30 Mark pro Mann. Ein paar Schritte weiter, auf der Großen Freiheit 64, liegt der Kaiserkeller.  Hier spielte die Band 1960 mit Rory Storm & the Hurricans, dessen Schlagzeuger Ringo Starr war. In den Pausen gingen die 17-Jährigen ein paar Häuser weiter, in die Jungmühle, zum Schlammcatchen mit halb nackten Frauen. Begeistert berichteten sie ihren Londoner Freunden davon. Frau Hempel holt aus ihrem kleinen goldenen Koffer ihre Ukulele, Lieblingsinstrument von George Harrison, und spielt „When I Saw Her Standing There“. Das „Whooh“ grölen nicht nur die Tour-Teilnehmer mit. Bei der David-Wache wird's spannend: Paul, Pete, George und Stuart verbrachten hier hin und wieder eine Nacht in der Zelle. Weil sie im Kino ein bisschen Licht brauchten und verbotener Weise dafür Kondome anzündeten. Oder aus Rache, weil Clubchef Koschmider den 17-jährigen George an die Polizei verriet und er daraufhin das Land verlassen musste? Wir gehen weiter zum ersten Live-Club, dem Top 10, auf der Reeperbahn 136, dem heutigen Moondo. 1961 spielten sie die legendären 93 Nächte durch. Die Beatles, damals mit Sänger Toni Sheridan „the teacher“, galten als wildeste Band, warfen mit Mikros und sprangen von der Bühne. Ihre erste Single „My Bonnie Lies Over The Ocean“ war auch unter den Seeleuten sehr beliebt. Nur der ehemalige Starclub auf der großen Freiheit 39 brannte ab – heute erinnert ein Gedenkstein an die Großen der 1950er-Jahre, von Ray Charles bis Elvis. Die Beatles eröffneten mit der legendären Aufnahme „Twist And Shout“. Heute existiert noch eine Originalversion, Beatles live at the Starclub. Ihr letztes Konzert spielten sie 1966 in der Ernst-Merck-Halle. Die letzte Station, der neue Beatles-Platz Ecke Reeperbahn/ Große Freiheit in Form einer Schallplatte, ist ein Memorial. Für Paul McCartney war die Zeit in Hamburg nach eigenen Angaben ein „Sex-Schock“ – mit Reeperbahn-Girls, Schulmädchen und Polizeikontrollen.
(kurier) Erstellt am
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