Reise
13.02.2017

Galapagos: Reise in Darwins-Paradies

Auf den unbewohnten Galapagosinseln verhalten sich Tiere, als ob kein Mensch da wäre. Pechschwarze Echsen und Blut trinkende Finken dulden ihn als Gast, mehr ist er nicht.

Wäre Naturforscher Charles Darwin nicht gekommen, würde es heute noch niemand tun. Keine Palmen, schroffe Felsen, sicher kein Karibikstrand. Dennoch gelten die Galapagos Inseln als Sehnsuchtsziel, gar als letztes Paradies. Für das man kein Kameraobjektiv braucht. Denn nirgendwo sonst kommt der Mensch Tieren so nahe.

Dies beginnt bereits am Hafen der Flughafeninsel Baltra, 1000 Kilometer vom ecuadorianischen Festland entfernt, wo die Seelöwen auf den Holzbänken ein Nickerchen halten. Touristen zücken aufgeregt die Handys. Die meisten von ihnen boarden eines der Schiffe, die jeden Tag eine andere Insel ansteuern. Wie etwa die Santa Cruz II, keine schwimmende Hotelburg, sondern ein feines Expeditionsschiff. Anders als bei einer Afrika-Safari begibt man sich hier nicht auf die Suche nach den "großen Fünf", sondern den "großen Fünfzehn".

Dazu gehören etwa die pechschwarzen Meerechsen, die scheinbar entspannt auf den sonnengewärmten Lava-Felsen am Strand von Las Bachas liegen. Gut getarnt fallen sie kaum auf, als wären sie dort angewachsen. Ab und zu blinzeln sie mit den Augen und spucken Salzwasser aus. Die Mini-Drachen gelten als endemisch, kommen nur auf Galapagos vor. Das interessiert die Besucher, beeindruckt aber nicht so sehr wie die Pelikane. Im Sturzflug tauchen sie ins Wasser und erbeuten Fische. Manch Erstaunter vergisst sogar, das Handy auszupacken. Aber nur für einen Moment.
Bereits auf der nächsten Insel, Santiago, gibt es wieder Fotomotive, die Daheimgebliebene beeindrucken. Pelzrobben fläzen sich am Strand, Muttertiere säugen ihre Jungen. Kein Knurren, kein Murren, wenn die Besucher mit ihren Selfie-Sticks anrücken. Den Tieren scheint das Brimborium egal zu sein. Sie fürchten ohnehin nichts, erklärt Naturparkführerin Maricarmen. Sie kennt die Inseln seit fast zwanzig Jahren. "Die meisten Säuger haben keine natürlichen Feinde." Nur der Galapagos-Bussard bringt öfters Aufregung ins Paradies. Wenn er etwa auf die Nester kleiner Vögel spitzt.

Arglose Tiere

Die Arglosigkeit der Tiere erstaunte auch Darwin. Als Student tuckerte er 1835 auf der "Beagle" durchs Archipel. Und fand heraus, dass sich jede Art stark auf ihren jeweiligen Lebensraum spezialisiert hat. Wie der Vampirfinke, der sich aus Wasser- und Futtermangel vom Blut anderer ernährt. Um ihn und seine Artgenossen zu beobachten, muss man auf die Inseln Darwin und Wolf.

Das ist nicht das Ziel der Santa Cruz II. Sie ankert vor Rábida, per Schlauchboot landen die Besucher auf der Insel. Sie ist karg, aber nicht langweilig. Roter Sandstrand, Mangroven, Kakteen und dahinter silbergraue trockene Balsambäume. Nur wo der Nebel hängt, blitzen sie grün hervor. Wenn es regnet, verströmen sie einen Weihrauch-Duft. Den bekommt man auch, wenn man die Äste zwischen den Fingern zerreibt. Maricarmen zeigt es vor. Ohne sie und die anderen Guides ist das Betreten der Inseln nicht erlaubt. Bei seinen Besuchen soll der Mensch keine Spuren hinterlassen. Der 1,90 Meter große Tollpatsch, der mit seinen Schlapfen durchs Schildkrötennest im Sand latscht, wird von den Guides sofort ermahnt.
Es ist noch nicht lange her, als der Mensch fast die ganze Insel zerstörte. Mehrmals. Noch bevor sie Forscher, Naturschützer und Touristen entdeckten, galt sie als Piraten-Versteck und Rastplatz für Robben- und Walfänger. Sie jagten die Riesen-Schildkröten, die sie als lebenden Proviant auf ihre Schiffe brachten. Fünf der 15 bekannten Unterarten sind heute ausgerottet. Zuletzt war es der boomende Tourismus, der Tier- und Pflanzenwelt gefährdete. Mit den Besuchern kamen auch mehr Siedler auf die Inseln. Sie schleppten Tierarten ein. Hunde, Katzen und Ratten kamen und wurden Finken und Schildkröten gefährlich.

Seit einigen Jahren lässt die Nationalparkbehörde nur eine begrenzte Zahl an Schiffen zu. Wer in der Nebensaison, wie im September, reist, hat den Vorteil, wenig Mitreisende anzutreffen. So bleibt ein Gefühl, mit den Tieren alleine zu sein. Fast.

Dass der Mensch keinen Einfluss auf sie nimmt, zeigt sich am besten auf der Vogelinsel Genovesa. Knochenreste liegen verteilt auf dem Boden, ein Vogel-Kadaver im Gestrüpp. Es gibt keinen Putztrupp, der alles wegräumt. Die Natur ist sich selbst überlassen. Und die Tiere entscheiden, wann sie sich den Besuchern zeigen wollen. Die Galapagos-Ohreule tut dies selten. Und lehrt einen, was es heißt, zu warten. Am Boden hocken und auf den Himmel, die Brandung oder Felsen starren. Dann endlich zeigt sich die Eule mit ihrem rötlich-braunen Gesichtsschleier, setzt ab und fliegt wieder weiter.

Maricarmen macht aber auf etwas anderes aufmerksam: Im Gestrüpp baut ein Vogelpaar sein Nest. Ast für Ast. Dabei werden auch die lautesten Menschen leise und sehen andächtig zu. Manchmal ist das Unspektakuläre das Schönste.

Info:

Anreise: Ab Wien nach Guayaquil mit Zwischenstopps in Amsterdam und Quito z. B. mit KLM. Vom Festland geht es weiter zu den Flughäfen San Cristóbal oder Baltra.

Beste Reisezeit: Die Galapagosinseln sind ganzjährig bereisbar. Von Dezember bis Juni subtropisch mit bis zu 30 Grad und einzelnen Schauern. Gut zum Tauchen, da die See ruhiger ist. Von Juni–Dez. trockener, es kühlt um 3 bis 5 Grad ab.

Schiff: Die Santa Cruz II ist seit Oktober ’15 im Einsatz. Mit Platz für 90 Gäste, 50 Kabinen im skandinavischen Stil. Bibliothek, Restaurant, Bar, Fitnessraum und Jacuzzi auf fünf Decks. Familiäre Atmosphäre, Service freundlich und aufmerksam. Tägliches Programm von Wandern, Schnorcheln bis Kajak fahren. Ab 6 P. gibt es einen deutschsprachigen Guide.

Preisbeispiel: Jumbo-Touristik: 5 Tage/4 Nächte Routing Northern Islands oder Eastern Islands inkl. Flüge ab/bis Guayaquil ab 3699 € (Horizon Deck Explorer Family Cabin) Preis p. P. in der Doppelkabine. Preis gültig: 4. 1.–19. 12. 2017, www.jumbo.at