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Kärnten
02/14/2014

Ausritt in den Pulverschnee

Die Region Heiligenblut /Ankogel bietet sicheres Freeride mit Blick auf den Großglockner.

von Konrad Kramar

Maximal 20 Stundenkilometer, mehr ist an einem sonnigen Wintertag auf der Großglockner Hochalpenstraße nicht drin. Liegt der Asphalt doch unter gut einem halben Meter Schnee und man ist nicht auf vier Rädern, sondern auf zwei Ski unterwegs.

Nur eine von vielen nicht ganz alltäglichen Möglichkeiten, ins Tal von Heiligenblut zu gelangen. Wer die glatt gebügelten Autobahnen großer Skigebiete gewohnt ist, darf sich in dem kleinen Kärntner Skiort auf Überraschungen gefasst machen. Im Schatten des Großglockners gelangt man hier bis auf 3000 Meter Seehöhe. Hier oben scheint nicht nur der Blick über die Gipfel der Hohen Tauern nicht enden zu wollen, sondern auch das freie Gelände, in dem man seine Spuren ziehen kann – manchmal sogar als erster.

Vor allem für jene, die sich lieber an eine Piste halten, hört sich das ein bisschen waghalsig an, ist es aber nicht. Die örtlichen Skirouten sind zwar nicht präparierter, aber perfekt markierter und auch auf mögliche Lawinengefahr kontrollierter Skiraum. Und wer sich trotzdem noch weiter hinaus wagen will, in die freie Natur des Nationalparks Hohe Tauern, der organisiert sich am besten einen der örtlichen Berg- und Skiführer. Mit ihnen an der Seite kann man sich beruhigt Schritt für Schritt dorthin vorwagen, wo der Schnee noch so daliegt, wie ihn Wind und Wetter abgeladen haben. Das geht – ganz nach persönlichen Vorlieben – wahlweise gleich neben der Piste los, oder ist mit kleinen und größeren Aufstiegen verbunden. „Freeriding“ also, wie das Abseits-der-Piste-Fahren neudeutsch heißt, oder eben Skitouren gehen. Hier oben bringt einen schon eine knappe Stunde Aufstieg in die fast unberührte Weite des Hochgebirges, samt endloser Abfahrt bis ins Tal.

Gemütliche Hütten

Wenn man schließlich auf die Piste zurückgekehrt ist, kann man den Bergführer-Bonus gleich für einen Besuch in einer Hütte nützen. In einem familiären Skigebiet wie Heiligenblut kennt man einander – und einen Bergführer erst recht. Zusammenrücken ist ohnehin das Motto in den bulligen alten Holzhütten, am besten rund um den Ofen und mit den besten Geschichten, die es an einem Winternachmittag hier oben zu erzählen gibt: Von Hängen, die man unbedingt fahren muss und von Hängen, die man besser den Einheimischen überlässt.

Wer es mit all diesen Tipps im Gepäck ins Tal schafft, wird im Dorf eigentlich nur eines vermissen: Lärmende Après-Ski-Gaudi. Heiligenbluter Abende sind leise und gemütlich.

Wen es aber abends trotzdem hinaustreibt, der kann diese Stille – zumindest jeden Donnerstag – auf neue Weise entdecken. Die Gondelbahn macht sich abends noch einmal zum Gipfel des Schareck auf, zur „Nacht der Sterne“, samt Wanderung zum Gipfelkreuz, den Blick himmelwärts gerichtet.

Einer der „magischen Momente“, mit denen man in der Nationalpark-Region ein Erlebnis zusätzlich zum Skifahren bieten will: Eisklettern, Wildbeobachtung oder Schneeschuhwanderungen – Erfahrungen, für die auch ein Laie nicht mehr braucht als Neugierde und ein bisschen Abenteuerlust.

Doch auch wenn einem der Blick auf die Natur von der Piste aus genügt, merkt man, dass in dieser Region die Gipfel zwar besonders hoch, alles andere aber ein bisschen kleiner und manchmal liebenswert altmodisch ist: Dörfer, Skihütten und Pisten. Da geht’s zwischen weiten Hängen, Buckeln und langen ruhigen Waldabfahrten hin und her: Abwechslungsreich und immer ein Stück näher an der Natur und am Berg als in irgendeiner Mega-Skiarena. Oder, wie es eben nur ein Bergführer sagen kann: „Bei uns wird die Piste noch nach dem Berghang gebaut – und nicht umgekehrt.“

Anreise

Mit dem Pkw entweder über A10-Tauernautobahn bis Knoten Spittal, dann über Möllbrücke bis Heiligenblut, oder über das Gasteinertal mit der Autoschleuse Gastein–Mallnitz. Mit dem Zug über Salzburg bis Bhf. Mallnitz-Obervellach.

Skigebiete

Heiligenblut, 12 Liftanlagen, 55 Pistenkilometer, zahlreiche Skirouten, 6-Tage-Skipass ab 180 €, Kinder 90 €.

Ankogel/Mallnitz, 6 Liftanlagen, 6-Tage-Skipass ab 198 €, Kinder 99 €

Tipp

Freeride-Tour mit Bergführer vom Skigebiet Ankogel auf die Alpennordseite. Preis: 89 €. ☎ 04824/ 2700.

Unterkunft

– Landgut Moserhof (Bild), Chalets im Stil alter Bauernhäuser neben einem 800 Jahre alten Gutshof, Saunahaus, luxuriöse Halbpension mit hauseigenen Spezialitäten. Für 6 Personen ab 220 €/ Tag.www.moserhof.net

– Glocknerhof, 4*-Hotel in Heiligenblut, großzügige Wellnessanlage. Familienangebot zu Ostern:

8 Tage HP für Erwachsene inkl. Skipass ab 930 €, Kinder bis 10 Jahre gratis. www.glocknerhof.at

Auskünfte

www.nationalpark-hohetauern.at

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