Reise
17.08.2017

Flugverspätung: So holen Sie sich Ihr Geld zurück

Welche Rechte Passagiere bei Verspätung, Überbuchung oder Ausfall haben und wann ihnen eine Entschädigung zusteht.

Flug verspätet, überbucht oder gleich ganz ausgefallen? Leider verläuft nicht jeder Urlaubsstart nach Plan. Die Vergleichsplattform momondo.at verrät, welche Rechte Passagiere im Fall der Fälle haben und wann ihnen eine Entschädigung zusteht.

Flugverspätung

Ab einer Verspätung von 3 Stunden kann eine Entschädigung eingefordert werden. Wie hoch diese ausfällt, liegt an der Länge der Reiseroute. "Ist das Flugzeug mehr als 5 Stunden verspätet, kann der Gast von der Flugreise zurücktreten", informiert Sarah Kolind, momondo Sprecherin für Österreich. "In so einem Fall muss die Fluggesellschaft den vollen Ticketpreis erstatten." Die Stunden beziehen sich dabei immer auf die Verspätung am endgültigen Reiseziel. Das Recht auf Entschädigung gilt bis zu 3 Jahre rückwirkend. (Gültig auf Flügen ausgehend von und innerhalb der EU. Bei EU-Fluggesellschaften auch aus einem Nicht-EU-Land in die EU. ) Versäumt man aufgrund der Flugverspätung den Anschlussflug und erreicht das Endziel der Reise mit mehr als 3 Stunden Verspätung, stehen einem je nach Flugstrecke die angegebenen Tarife zu:

ab 3 Std

ab 5 Std.

bis 1500 km

250 Euro

Entschädigung Volle Rückerstattung Rückflug zum Abflugsort

über 1500 km

400 Euro

ab 3500 km

600 Euro

Überbuchter oder verschobener Flug

Wird man unfreiwillig von der Passagierliste gestrichen oder auf den nächsten Tag vertröstet, gelten in der Regel die gleichen Tarife wie bei der Verspätung. Bei langen Wartezeiten auf den nächsten Flug muss die Fluglinie für Übernachtungen, Mahlzeiten und Erfrischungen sorgen. Auch Telefonate und E-Mails müssen ermöglicht werden.

Flugausfall

"Im Falle einer Annullierung steht dem Reisenden immer eine vollständige Erstattung des Ticketpreises zu", erklärt Kolind. Wichtig ist hier: Zusätzlich dazu hat der Betroffene je nach Anzahl der Flugkilometer Anspruch auf eine Entschädigungszahlung von bis zu 600 Euro. Das gilt für alle, die weniger als 14 Tage vor Abflug vom Ausfall erfahren haben. Die Fluglinie kann auch ein Alternativangebot vorlegen, das aber nicht angenommen werden muss. "In manchen Fällen lohnt es sich, die Erstattung zu verlangen und den Flug dann selbst neu zu buchen. Vorher sollte aber immer Rücksprache mit der Fluglinie gehalten werden", betont Sarah Kolind. Von der Entschädigungszahlung befreit ist die Fluggesellschaft im Fall von außergewöhnlichen Umständen. Dazu zählen zum Beispiel Unwetter, Blitzschlag, Streik, Sperre eines Flughafens, Vogelschlag oder versteckte Herstellerfehler.

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Am schlechtesten ist die Situation für Reisende, die direkt einen Flug bei

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oder gebucht haben. Sie gehören dann zur großen Zahl der Gläubiger. Der Kunde sei dann nur einer von vielen, Vorrang hätten die großen Gläubiger wie der Großaktionär Etihad, sagt Reiseexperte Felix Methmann von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Einzelne Kunden bekommen dann wahrscheinlich gar nichts oder nur eine ganz geringe Quote".

Besser sieht es bei Pauschalreisen aus, weil dann der Reiseveranstalter Ansprechpartner ist. Auch wer in einem Reisebüro gebucht hat, ist laut Methmann in der Regel abgesichert. Die Verbraucherschützer fordern deshalb schon seit langem einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden.