Reise
05.12.2011

"Duz"-Offensive in bayrischem Urlaubsort

In Oberstaufen hat die distanzierte Anrede mit "Sie" ausgedient. Gäste werden "geduzt", wenn sie das wollen.

Wollen Urlauber im Ferienort gesiezt werden - oder freuen sie sich, wenn ihnen das "Du" angeboten wird? Im Allgäu können Touristen selbst entscheiden, wie man sie ansprechen soll: Der bayerischen Ferienort Oberstaufen hat dazu einen Pilotversuch gestartet, wie das Handelsblatt berichtet. Im sogenannten Haus des Gastes, wo Touristen nach Unterkünften fragen oder Tipps für Ausflüge erhalten können, muss man sich gleich entscheiden: Geht man zum "Du"- oder doch lieber zum "Sie"-Schalter? "Hier werden Sie geduzt", verrät ein Schild über einem der vier Schalter, eine freundlich lächelnde Dame im Dirndl empfängt den Besucher. An allen anderen Schaltern bleiben die Angestellten beim "Sie".

Manche Touristen sind skeptisch, so das Handelsblatt : "Ich weiß nicht, für welchen Schalter ich mich entscheiden würde", sagt die 28-jährige Melanie Trotier aus Flensburg. "Die Aktion ist schon nett. Aber ich glaube, ich hätte Schwierigkeiten, eine Fremde einfach so zu duzen."
Erwin Kohl aus Hessen hingegen findet die Idee gut. Der 75-Jährige, der seit einigen Jahren in Oberstaufen lebt, hält die persönliche Anrede nur für konsequent: "Die Einheimischen duzen einen doch sowieso. Wenn es allgemein so üblich ist, finde ich das vollkommen in Ordnung." Seine Frau Maria teilt diese Meinung nicht: "Ich mag nicht gleich von jedem geduzt werden. Ich gehöre zu einer Generation, die das nicht kennt."

"Der erste Eindruck ist positiv"

Der Pilotversuch soll den ganzen Sommer über in Oberstaufen laufen, um ein Bild davon zu bekommen, was die Mehrheit der Gäste will. Tourismus-Chefin Bianca Keybach sagt: "Der erste Eindruck ist positiv. Vor allem die Gäste aus den südlichen Bundesländern und der Schweiz reagieren begeistert, manche richtig überschwänglich." Auffallend ist laut Keybach, dass sich die Urlauber am "Du"-Schalter länger aufhalten: "Der Gast öffnet sich, das ist sehr schön."
Nicole Blechinger, die den Gäste-Service leitet, hat den "Du"-Schalter zum Start der Aktion übernommen. "Die positiven Reaktionen überwiegen", sagt sie. Doch auch für sie sei die Situation ungewohnt - manchmal rutsche auch ihr während des Gespräches ein "Sie" heraus.