Die zehn schönsten Routen durchs wanderbare Österreich

Bergsport: Hightech-Ausrüstung und Regale voller Wanderführer locken immer mehr Wanderer auf die Gipfel. Die Generation 70 plus entdeckt die Berge neu.
Ein Wanderer steht mit Bergschuhen in den Bergen.

Der Alpineur hat’s schwör. Adi Mokrejs kann sich seine geliebten Rax-Überschreitung vom Preiner Gscheid über das Rax-Plateau bis nach Hinternasswald in Zukunft aufzeichnen. Beim öffentlichen Nahverkehr wird gespart, Leidtragende sind die Tourengeher, die verzweifelten Liebhaber der Wiener Hausberge. Der Erholungswert so einer Tagestour ist beträchtlich geschmälert: Wer jetzt mit zwei Autos anreist bzw. anreisen muss, wird für den oben angesprochenen Wiener Wander-Klassiker zwei zusätzliche Stunden einkalkulieren müssen, bis die Fahrzeuge verschoben sind.

Bergfex

Ein älterer Mann klettert mit einem Seil gesichert einen felsigen Bergpfad hinauf.

Seit 50 Jahren geht Mokrejs in die Berge, seit den 1990ern veröffentlicht er Berg-Monografien und Wanderführer (zuletzt "Der Grimming" und "Bergwander-Atlas Niederösterreich", Schall Verlag). Außerdem ist Mokrejs Mitglied im elitären Österreichischen Alpenklub. Der Wiener ist vom alten Schlag. Oder doch nicht?

Die Werbung suggeriert, dass vornehmlich athletische Mittzwanziger auf den heimischen Bergen touren. Ein Lokalaugenschein auf dem Peilstein mit Mokrejs und seinem Verleger, dem Kletterer Kurt Schall, hält dieser Version nicht stand.

Braun gebrannte Oldies

"Sind Sie nicht der Adi Mokrejs?", fragt eine Dame, der man ihr Alter nicht ansieht. Mokrejs ist in den Wiener Hausbergen, vom Höllental bis zum Hochschwab und vom Hoch­eck bis zur Heukuppe bekannt wie ein bunter Hund, aber auch er hat die Erfahrung gemacht, dass sich in der österreichischen Wandergemeinde Entscheidendes verändert hat. "Ich frag’ mich manchmal, wer in Österreich noch arbeitet, weil ich treff nur braun gebrannte Oldies in den Bergen, und mit meinen 70 fühl’ ich mich eigentlich auch nicht alt."

Die Zunahme an agilen Senioren in der Bergwelt sorgt für unerwartete Probleme. Die Parkplätze am Ausgangspunkt beliebter Touren werden knapp. 30 Autos und mehr hat Adi Mokrejs schon auf dem einst einsamen Parkplatz gezählt, von dem aus er so gern auf seine Touren zu einer Pyrghas-Überschreitung aufbricht.

Statistik

Ein Mann klettert einen Klettersteig in den Bergen hinauf.

Aber eigentlich ist es ja nur logisch, dass auch die Generation 70 plus in die Alpen drängt, denn zwei von drei Österreichern gehen laut Sportmonitor in die Berge und das können eben nicht nur Jugendliche sein. Mokrejs: "70 ist das neue 60, nicht zu übersehen."

Im Land der Berge ist vieles anders als noch zu Mokrejs’ Anfangszeiten. Der Wanderführer seiner Generation war gleichzeitig der einzig verfügbare, jener von Hubert Peterka und Willi End (Hausberge, 1964, 124 S., Schroll), für Mokrejs wegen seiner Kompaktheit und Genauigkeit nach wie vor das Maß aller Dinge in der Wanderführer-Literatur.

Heute stehen dem Freizeitsportler Regalwände voller Bergbücher zur Verfügung. "Vieles davon ist unnötig", sagt der Experte. "Man kann ja nichts Neues erfinden, es gibt nur eine Rax und nur einen Fadensteig (am Schneeberg, Anm.). Punkt. Aus." Und wozu soll man Menschen auf 1400 Meter schleifen, wenn der Gipfel im Wald liegt und genauso ausschaut wie der Nachbar-Berg. Kurz und zur Erklärung für Westösterreicher: 1400 Meter ist in den Wiener Hausbergen schon eine respektable Größe. Das Hocheck oberhalb des Triestingtales wird hier auch ehrfurchtsvoll, der "erste Tausender von Wien aus gesehen" genannt. Nicht lachen.

Ausgelutscht ist das Thema Wiener Hausberge noch lange nicht. Oder hätten Sie gewusst, dass es in den nordöstlichen Kalkalpen Steige gibt, die noch kaum beschrieben sind. Allerdings, sagt Mokrejs, aus gutem Grund: "Zum Beispiel der Rudolfsteig im Höllental, das ist so ein furchtbarer Wurzelsteig, den kann man niemandem empfehlen." Wer ein guter Wanderführer sein will, der muss sich allerdings alles anschauen, selbst wenn die Füße geschwollen und voller Blasen sind. Die goldene Mokrejs-Regel: "99 Prozent der Berge, über die man schreibt, muss man selbst gemacht haben."

Richtiger Einstieg

Der Berg-Veteran fast geschäftsschädigend: "In Wirklichkeit genügt für einen guten Führer eine Karte und eine kurze Beschreibung des Weges, damit man den richtigen Einstieg findet. Es gibt nichts Ärgeres, als nach einem Führer zu gehen, der alles detailliert beschreibt. Nach dem vierten Weidezaun weiß ich schon nicht mehr, wo ich bin."

Früher waren oft Kirchen oder Bahnhöfe die Startpunkte, heute geht man von Parkplätzen los. Die ersten und laut Mokrejs entscheidenden Hürden für eine gelungene Tagestour, die Einstiegspunkte, seien oft versteckt, es liege an der Gabe des Autors, das gut zu beschreiben."

Typisch Amateur

Von gestylten Berg-Models in Hightech-Montur hält Mokrejs wenig, auch wenn er meint: "Der typische Amateur ist im Aussterben begriffen." Da sitzt die Bergsteiger-Ikone aber einem Irrtum auf. Wie man auf dem Bild links sieht, gibt es immer noch begeisterungsfähige Menschen mittleren Alters, die ohne technischen Schnickschnack in die Berge aufbrechen. Sie und er KURIER führen eine Woche lang auf schönen Wandertouren durch Österreich und präsentiert Menschen, die in ihrer Region noch verwurzelt sind.

Die Routen im Überblick1. Montag, 30. Juli: Die Ui-Wanderung mit der Südburgenländerin Liane Pfeiffer auf dem Alpannonia-Weitwanderweg.2. Dienstag, 31. Juli: Die Stadt-Wanderung: Den mehr als 100 Jahre alten WienerGrüngürtel mit einem Förster auf dem Rundumadum-Weg erkunden.3. Mittwoch, 1. August: Die Welterbe-Wanderung: Der Biologe Wolfgang Schweighoferkennt abgelegene Winkel und Naturschauplätze der Wachau.4. Donnerstag, 2. August: Die Extrem-Wanderung: Bei Schneefall im Hochsommerauf den Hohen Priel. Ein Fall für Bergprofi Martin Grabner.5. Freitag, 3. August: Die Grat-Wanderung: Mit einem Bergretter auf den Hohen Freschen. Sicher ist sicher.HIER GEHT`S ZUM GEWINNSPIEL

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