Die KURIER-Wanderer
Ich muss auf die Spitze, fast um jeden Preis
Mein Ziel ist immer der Gipfel. Das Erfolgserlebnis, es ganz hinauf geschafft zu haben und hoffentlich ein weiter Ausblick, wenn das Wetter passt. Das sind die Bestandteile eines gelungenen Wandertages für mich.
Heinrich Harrer hat zwar einmal gesagt: "Um die Berge herumgehen ist genauso wichtig, wie auf deren Gipfel zu steigen". Ich sage aber: Okay, wer das mag, soll es so halten. Ich muss auf die Spitze. Herumwandern in der Gegend muss ich sowieso, vor allem bei längeren Touren, ob im Toten Gebirge oder im Himalaja. Wenn sich dann vor mir ein Gipfel stolz in den Himmel erhebt, muss dieser erledigt werden. Ohne Kompromisse.
Sollte allerdings das Wetter zu schlecht sein, kann auch die rettende Berghütte mein lohnendes Ziel sein. Weil, Sicherheit geht schon vor.
Martin Grabner
Ich tue so, als würde ich Terra incognita betreten
Ich kann halt nicht aus meiner Haut, schon gar nicht, wenn ich am Berg bin, also oben. Jeden Hahnenfuß, jede Katzenpfote und jeden Bocksbart muss ich untersuchen und bestimmen – das sind übrigens Namen von Pflanzen. Einfach alles angreifen, was mir in die Quere kommt. Das kostet meine Umgebung Nerven und Zeit.
Ich habe es nicht eilig, auf den Gipfel zu kommen. In mir entsteht beim Gehen die Vorstellung einen völlig unbekannten Landstrich zu erforschen, terra incognita alpina sozusagen. Und da gilt es natürlich auch nach neuen Arten Ausschau zu halten. Ein Erstfund "neu für ... (Bundesland)" wäre mein größter Traum. An wie vielen Berghängen ist dieser Traum schon zerschellt, zwischen Göller und
Großglockner. Also? Ich mache weiter, in diesem Sommer klappt’s bestimmt.
Martin Burger
Wenn die kan Almdudler ham, geh i wieda ham
Um Menschen wie mich machen die Älpler für gewöhnlich einen weiten Bogen. Vor mir rümpfen sie ihre vom Wetter gegerbten Nasen. Erstens, weil ich wandere wie ein Paradepiefke, aber auch die Wörter in die Länge ziehen kann wie die Wiener Mundln. Zweitens und vor allem, weil ich zugebe, dass ich gerne auf den Bisamberg wandern, pardon, spazieren gehe.
Weil schau, Bergfex, der Bisamberg ist zwar nur 358 Meter hoch, aber dafür benötige ich keinen Liter Kraftstoff, um an seine Basislager in Stammersdorf, in Strebersdorf oder von mir aus auch in Langenzersdorf zu gelangen. Der 31er, der 26er, die S-Bahn, der Bus, alle bringen sie mich hin.
Außerdem hat mich oben am Bisamberg noch nie ein Wetter erwischt; und noch eines: Wenn die kan Almdudler ham, geh, ja (!), geh i wieda ham.
Uwe Mauch
Einmalige Geschichten auf einmaligen Wegen
Ich kam zur Überzeugung, dass es um das Vergangene geht. Im Blick über die eigenen Schultern liegen alle Emotionen der Berge: geschaffte Wege und Gipfel, auf denen man stand. Vor allem Menschen, deren Geschichten man lauschte. Den Start und alles, das war, hinter sich, das Ziel stets vor sich – die wahre Faszination des Gehens.
Diese Faszination erlebt man nur auf Weitwanderungen. Nie den gleichen Weg zurück, sondern dort starten und hier ankommen, am besten auf dem Weg nach Hause. Als ich vor drei Jahren von Bregenz nach Wien gewandert bin, begegnete ich den interessantesten Menschen, ihren erschütternden und aufbauenden Geschichten. Aber immer nur einmal. So schön die Berge sind, vor allem sind sie Kulisse für das Leben. Vergänglich kommt übrigens von Vergangen.
Axel N. Halbhuber
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