© Claudius Rajchl

freizeit Reise
05/14/2012

Club Calimera: Der günstigste Club der Türkei

Der neu eröffnete günstige Calimera Serra Palace an der Türkischen Riviera ist eine familienfreundliche Anlage mit gravierenden Schönheitsfehlern. Das Preis-/Leistungs-Verhältnis stimmt trotzdem.

von Claudius Rajchl

Als "günstigsten" Club bezeichnet sich die deutsche Kette Calimera, die derzeit verstärkt in Österreich vermarktet wird: In den 4*-Anlagen kann man eine Woche AI mit Flug schon ab 435 € verbringen.

Der KURIER hat den neuen Club Calimera Serra Palace (vormals Iberotel) in der türkischen Ferienregion Kizilot besucht (Transferzeit vom Flughafen Antalya ca. 1 Stunden) und die All-inclusive-Anlage auf Herz und Nieren getestet. Ergebnis: Das Fun-Resort kann zwar nicht ganz mit den Leistungen der teureren Konkurrenz mithalten, bietet aber um relativ wenig Geld durchaus zufriedenstellenden Urlaub – von ein paar schweren Mängeln abgesehen. Die Testergebnisse im Detail:

Anlage: Sehr gut

 Mein erster Eindruck vom Calimera Serra Palace ist sehr gut: Die 400 Zimmer verteilen sich auf ein nettes Haupthaus, Nebengebäude und rustikale Holzbungalows in einem wunderschönen, gepflegten Garten. Viele Palmen säumen die gepflasterten Wege. Ein Streichelzoo mit Ziegen und eine Voliere mit Wellensittichen und Hühnern geben ein idyllisches Bild. Lobby, Poollandschaft, Relax-Pool – all das kann mit teureren Resorts locker mithalten.

Zimmer: Gut bis Befriedigend

 In den meisten Zimmern jedoch spürt man den Sparstift. Bei jenen Wohneinheiten, die nicht frisch renoviert wurden, sieht man einfach, dass sie schon acht Jahre auf dem Buckel haben. Bei den Materialien wurde sichtlich gespart – die Fußböden sind verfliest oder aus Melan, Naturmaterialien gibt’s kaum, die TV-Geräte sind dicke Röhren-Dinger aus dem prähistorischen Elektronik-Zeitalter. Noch ein Manko: Viele Zimmer haben statt eines Doppelbetts zwei Einzelbetten – nichts für Kuschelfans. Wesentlich ansprechender sind die Zimmer im neuen Trakt, da findet man auch Flat­screens vor (kann man als unverbindlichen Kundenwunsch reservieren). Immerhin: Auch Calimera hat Familienzimmer mit zwei getrennten Schlafzimmern zu bieten.

Strand: (Gerade noch) Befriedigend

Das Beste am Strand ist, dass er schön weitläufig ist – ideal für Strandläufer und Spaziergänger. Nachteil: Feiner Kies dominiert. Burgen können die Kids aber im sandigen Bereich bei den Liegen bauen. Allerdings lauert eine Gefahr: Das hässliche Überbleibsel eines Badestegs rostet ohne Boden (!) vor sich hin – völlig ungesichert. Kinder, die gerne kraxeln, sollte man ergo tunlichst nicht unbeaufsichtigt lassen. Vom KURIER mit dem schweren Manko konfrontiert, beteuert der Hotelmanager, dass der Steg auch dem Nachbarhotel gehört, dass der Betrieb eines Steges wegen der brütenden Riesenschildkröten neuerdings staatlich verboten ist und man sich "um eine Lösung bemühe". Eigentlich unbefriedigend, mildes Testurteil: gerade noch ein Dreier.

Basis-Verpflegung: Gut

Frühstück, Mittag- und Abendbüfetts im Hauptrestaurant entsprechen gutem Vier-Sterne-Angebot. Es gibt eine erkleckliche Auswahl an Brotsorten, Cooking-Stations mit etlichen frisch zubereiteten Speisen, schön angerichtete Salate, verführerische Desserts und einen fröhlichen Kinder-Bereich. Plus: Gewürz-Büfett zum Nachwürzen und Diät-Büfett. Extras wie frisch gepressten Orangensaft muss man ebenso extra zahlen (2 €) wie internationale alkoholische Getränke, Zuckerwatte und Popcorn. Für den günstigen All-inclusive-Preis nimmt man das aber in Kauf.

A-la-Carte-Restaurants: Befriedigend

Enttäuschend sind aber die beiden A-la-Carte-Restaurants, die der Gast mindestens ein Mal pro Woche ohne Aufpreis besuchen kann. Zur Wahl stehen türkische sowie abwechselnd mediterrane Küche und Fisch. Das Essen ist nicht schlecht, aber das Ambiente erinnert an Bahnhofs-Restaurants. Keine Kerzen, schief hängende Bilder, grelles Licht, ungemütliche Akustik, im türkischen Restaurant kaputte Jalousien – das muss nicht sein!

Kinderclub: Befriedigend

Wasserrutschen, Kinderpools, Miniclub, Animationsteam – all das hat sich eigentlich mindestens die Note "Gut" verdient, wäre da nicht ein absolutes No-Go: ein schreckliches Computer-Spiel im Game Room, bei dem man mit einer Pistole (außerirdische) Lebewesen abknallen soll. Kommentar des Hotelmanagers: "Ich wusste gar nicht, dass es dieses Spiel gibt, die Games werden von einer Fremdfirma angeboten." Trotzdem: So etwas hat in einem Familienresort nichts verloren! Alle Spiele im Game Room sind gegen Gebühr, daher hoher Nervensägen-Faktor für die Eltern.

Spa: Sehr gut

 Mehr Geschmack hat man bei der Planung des neuen Spas bewiesen: Gediegene Behandlungsräume, türkischer Hamam (Dampfbad), Hydromassage, Sauna, geräumiger Indoor-Pool, Solarium – für ein Resort dieser Preisklasse absolut top.

Service: Sehr gut

Das Personal ist freundlich, einige Kellner waren während meines Tests noch in der Einarbeitungsphase, aber das wird schon.

Animation: Befriedigend

Großartige Shows darf man sich im Calimera-Club offenbar nicht erwarten. Das Animationsteam lockt mit Sketches auf Skikursniveau, externe Künstler bringen türkische Folklore. Ich hatte einen Fakir zu beobachten, der sich auf ein Nagelbrett legt und von russischen Urlauberinnen im knappen Mini auf den Bauch steigen lässt. Manko für Tanzwütige: Disco gibt’s nur drei Mal pro Woche, improvisiert im Amphitheater oder Beach-Restaurant.

Sport: Gut

Tennis, Tischtennis, Minigolf, Fitness und Fußball – das muss Sparfüchsen reichen. Gegen Aufpreis: Wasser-Funsport wie Surfen und Jetski. In teureren Clubs angebotene Inklusivleistungen wie Mountainbikes, Tauchausrüstung und -kurse oder Trendsportarten gibt es nicht.

Preis/Leistung: Sehr gut

Abgesehen von den (behebbaren) Mängeln ist der Calimera Serra Palace durchaus eine preisgünstige Alternative zu anderen Fun-Resorts. Mit abgespeckten All-inclusive-Leistungen muss man sich jedoch zufrieden geben.

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