Reise
18.12.2017

Spannende Geschichte, edle Tropfen und scharfer Senf

Vor gut 900 Jahren wurde in der Region Weltgeschichte geschrieben. Heute gibt man sich bescheidener. Man setzt auf Tourismus, Kulinarik und Wein. Mit Erfolg. Denn die Winzer und ihre Produkte haben Weltruf.

In der Früh Abflug aus Wien, zu Mittag schon auf dem Sonnendeck des Restaurant-Bootes "La Péniche" vor der mittelalterlichen Skyline der Stadt Auxerre. Dazu ein hervorragendes Menü, auf Wunsch mit Schnecken-Gang (Escargots à la Bourguignonne), der freilich nicht jedermanns Sache ist. Der Wein kommt selbstverständlich aus der Region und zum Abschluss gibt es fünferlei Käse. Ebenfalls aus der Gegend, versteht sich. Womit man spätestens beim Digestiv eines ganz sicher weiß: Jetzt ist man im Burgund endgültig angekommen.

Dann noch ein bisschen träumen, ehe man zum Stadtrundgang aufbricht: Von einer Fahrt mit einem Hausboot den Canal de Bourgogne oder Canal de Nevernais entlang oder vom Radeln durch idyllische Dörfer und Weinberge der Umgebung.

Doch zurück nach Auxerre (ausgesprochen Ausserr). Auch die nähere Betrachtung der imposanten Monumente hält, was die Silhouette vom Fluss Yonne aus versprochen hat. Die 34.000-Einwohnerstadt bietet eine Abtei (Saint Germain) aus dem 5. Jahrhundert, eine gotische Kathedrale (Saint Etienne) und zwei mächtige Kirchen – Saint Eusèbe und Saint Pierre im ehemaligen Viertel der Winzer.

Winzer in 21. Generation

Womit wir schon beim wohl wichtigsten Thema in der Region sind: Dem Wein. Besser gesagt den Burgunderweinen. Angebaut werden hauptsächlich Pinot noir für die Roten, und Chardonnay und Aligoté für die Weißweine. Fast alle tragen als Herkunftssiegel AOC-Labels und da unterscheidet man wiederum von einfachen Apellationen communales über Premier-Cru bis hin zu den Grand-Cru-Lagen – der Hocharistokratie im Weinbau.

Wem dies alles zu kompliziert ist, kann sich mit einem Ausspruch von Jean-Christophe Bersan, Winzer in Saint-Bris-le- Vineux bei Auxerre trösten. Denn der behauptet schlicht: "Alle unsere Weine sind hervorragend". Bersan von der gleichnamigen Domaine gehört zu einer Generation junger, moderner Winzer, die auf eine lange Tradition zurückblicken können. Seit 1453, also in der mittlerweile 21. Generation, machen die Bersans Wein in Saint Bris.

Und das Geschäft brummt. Was freilich auch Investoren und kapitalstarke Interessenten aus allen Weltgegenden auf den Plan ruft. So gehört beispielsweise Château de la Crée in Santenay dem Ehepaar Grace und Ken Evenstad aus dem US-Bundesstaat Oregon. Die haben ihr Geld mit Immobilien gemacht, später ein Weingut in Oregon aufgebaut und schließlich Crée gekauft.

Doch während bei den Bersans noch der Winzer selbst im Keller steht und Touristen führt, macht dies für die Amerikaner der Marketing-Manager des Châteaus, Maxime Provencel. Auch er spricht gerne über die lange Geschichte des Anwesens: "Das Weingut gibt es seit 1452 und ursprünglich war es im Besitz von Nicolas Rolin, seines Zeichens Kanzler des Burgunderherzogs Philip des Guten".

Ab 1925 wurde geheizt

Ein Mann, dessen Namen eng mit der Stadt Beaune verbunden ist. Errichtete Rolin doch dort 1443 das Hôtel-Dieu, ein Kranken- und Armenspital. Vom gepflasterten Hof aus blickt man auf eine von Steinsäulen getragene Fachwerkgalerie und auf das mit bunt-glasierten Terrakotta-Ziegeln gedeckte Dach. Besonders interessant: Der Salle de Pauvres, der Armensaal mit 30 Betten in zwei Reihen, in denen jeweils zwei Kranke lagen. Um sich gegenseitig zu wärmen, denn eine Heizung des bis 1971 als Krankenhaus genutzten Gebäudekomplex wurde erst 1925 eingebaut. Die Kapelle am Ende des Saales ermöglichte es den Kranken, vom Bett aus die Messe zu verfolgen und gleichzeitig mit ihren Gebeten den Wohltätern der Einrichtung zu danken.

Finanziert wurde und wird das Hôtel-Dieu – und hier sind wir wieder beim Thema Nummer eins des Burgunds – mit den Erträgen aus den Weinbergen, die im Lauf der Jahrhunderte durch Schenkungen und Erbschaften in den Stiftungsbesitz übergingen. Und auch heute noch ist die einmal im Jahr stattfindende Weinversteigerung des Hospizes eine Art Konjunkturbarometer für die Qualität des Burgunder-Jahrgangs. Werden hohe Auktionserlöse erzielt, wird auch der Wein entsprechend teuer.

Vergleichsweise billig ist hingegen ein zweites, aus der Region kommendes und weltweit bekanntes Produkt: Der Dijon-Senf. Aber auch hier sind fast alle Hersteller in den Händen großer, internationaler Nahrungsmittelkonzerne. Ausnahme: Die Moutarderie Edmond Fallot in Beaune. Die Senffabrik ist seit 1840 in Familienbesitz und erzeugt Senf in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen (von Cassis bis Steinpilz, von Trüffel bis Piment d’Espelette). Scharf sind alle. Und manche davon sind "nur mit gewisser Vorsicht zu genießen", wie es Tourguide Caroline mit einem Augenzwinkern formuliert.

Glück bringende Eule

Problemlos genießbar ist hingegen Dijon, die Namensgeberin des Senfs. Die Hauptstadt des Burgunds punktet mit einer makellos erhaltenen Altstadt, mit der Residenz der Burgunderherzöge, mit der Kathedrale Notre Dame samt einer angeblich Glück bringenden Eule an der Außenfassade und einer Reihe prunkvoller Bürgerpalais. Bekannt sind auch die Namen zweier Kinder der Stadt, mit recht unterschiedlichen Talenten: Gustave Eiffel, Konstrukteur des nach ihm benannten Turms in Paris, und Félix Kir, Pfarrer, Widerstandskämpfer gegen die Nazis und langjähriger Bürgermeister der Stadt. War doch sein bevorzugter Apéritif Weißwein mit einem Schuss Crème de Cassis (Schwarzer Ribisel-Likör), der heute zu seinen Ehren als Kir bezeichnet wird.

Massenziel im Mittelalter

Neben dieser Fußnote der Historie wurde im Burgund auch Weltgeschichte geschrieben. Das ist zwar knapp 900 Jahre her, aber immerhin. Um ein entsprechendes Feeling dafür zu bekommen, sollte man sich Vézelay ansehen. Der Wallfahrtsort mit Abtei und der Basilika Sainte-Marie-Madeleine war das Massenreiseziel des Mittelalters. Bis zu 100.000 Pilger übernachteten in dem heute 400 Einwohner zählenden Dorf.

Doch nicht nur Pilger kamen. Hier rief Bernhard von Clairvaux 1146 zum zweiten Kreuzzug auf und hier trafen einander 1190 zu Beginn des dritten Kreuzzuges der französische König Philipp II. und Richard Löwenherz zum Aufbruch ins Heilige Land. 24 Jahre davor sprach Thomas Becket, als Erzbischof von Canterbury ins Exil nach Vezeley vertrieben, den Bannfluch über seinen König Heinrich II. aus.

Doch weder Brände noch Zerstörungen in der wechselhaften Geschichte des Burgunds konnten der Atmosphäre im Inneren der Basilika etwas anhaben. Der je nach Sonnenstand wechselnde Einfall des Lichts und die Kapitelle der Säulen , die in damals unerreichter Kunstfertigkeit biblische Geschichten veranschaulichen, gibt der Kirche etwas Einzigartiges. Was die Touristenführerin, Schwester Columbe vom Orden der Fraternités monastiques de Jérusalem, so ausdrückt: "Sie dürfen alles fotografieren, denn Sie werden kaum etwas Schöneres finden".

Anreise Austrian, Air France, Transavia und Vueling fliegen mehrmals täglich WienParis. Wien–Lyon wird täglich von Austrian und Easy Jet bedient

Beste Reisezeit Frühling , Herbst (nicht überlaufen), das Burgund hat auch im Sommer seine Reize

Restauranttipps Auxerre La Péniche, Essen auf einem Hausboot am Fluss Yonne www.lapenichedauxerre.fr

Le Jardin gourmand, elegantes Restaurant in einem ehemaligen Winzerhaus im Zentrum der Stadt www.lejardingourmand.com

Dijon Le Pré aux Clercs by Georges, direkt am Hauptplatz www.lepreauxclercs.fr

Beaune Le Clos Prieur im Château de Gilly, www.chateau-gilly.com

Auberge du Cheval noir, www.restaurant-lechevalnoir.fr

Unterkunft Die Hotelkette Mercure hat 4*-Häuser in Auxerre, Dijon und Beaune www.mercure.com

Angebot 5 Tage (4 Nächte in 3* und 4*Hotels) Flug-Busreise ins Burgund ab 899 € p. P./DZ Flüge: WienParis, Lyon–Wien. Reiseroute: Paris, Fontenay, Auxerre, Vézelay, Dijon, Côte de Nuits, Beaune, Côte de Beaune, Cluny, Beaujolais, Lyon. Termine: 16.3. bis 20.3. 2018, 13.4. bis 17.4. 2018, 6.7. bis 10.7. 2018, Hotline für Info und Buchungen:Raiffeisen Reisen ☎ 01/ 313 75 - 82Mail: buze@raiffeisen-reisen.at, www.raiffeisen-reisen.at

Info www.ot-auxerre.fr, www.beaune-tourimus.com, www.destinationdijon.com, www.france.fr