Reise
22.10.2017

Wo Haubenköchin Johanna Maier Kraft schöpft

Die Filzmooser Köchin entspannt sich am liebsten in Bad Kleinkirchheim bei ihrer Tochter Simone Ronacher.

Das Schönste ist für mich am Ende einer Wanderung die Einkehr in eine Hütte." Johanna Maier lehnt sich gemütlich auf dem Bankerl vor dem St. Kathrein Kircherl in Bad Kleinkirchheim zurück und lacht. "Ich will belohnt werden, das is amal so."

An Ruhetagen fährt die Haubenköchin gerne vom Pongau nach Kärnten zu ihrer Tochter Simone, die dort das Thermenhotel Ronacher führt, und zu den Enkelkindern Sophie (15) und Marie (6). "Ich liebe die Nockberge. Hier ist meine Oase der Ruhe", schwärmt die sechsfache Großmutter.

Die Salzburgerin ist unter Spitzenköchen und Gourmets weltbekannt. Zehn bis 12 Stunden steht sie an fünf Tagen in der Woche in der Küche ihres kleinen Haubenlokals. Angela Merkel ist zur Festspielzeit Stammgast in ihrem Filzmooser Restaurant "Hubertus", für den Dalai Lama und die thailändische Königsfamilie hat die Tochter eines Maurers auch schon gekocht. Viel ist sie in der Welt herumgekommen. Begonnen hatte sie als Au-pair-Mädchen in Paris. Später reiste sie zu Spitzenköchen nach New York, Paris oder nach Hongkong.

Stolze Mutter

Ihre Karriere hat sie erst zwischen den Geburten ihrer zwei älteren Kinder, Simone (45) und Tobias (43) und den jüngeren, Dietmar (33) und Johannes (30), gestartet. Freiwillig haben die vier Kinder die Hotelfachschule gemacht und bei der Mama kochen gelernt. "Gedrängt dazu hab’ ich sie nie. Man muss tun, was man gerne macht, nur dann bringt es dir etwas fürs ganze Leben." Wie ihrem Sohn Johannes, der heuer von Gault&Millau zum Patissier des Jahres gekürt wurde. "Kochen ist Knochenarbeit", sagt sie. Trotzdem ist die 66-jährige Salzburgerin glücklich mit ihrem Beruf. Im Alter sei sie gelassener, freier und toleranter geworden. "Ich sehe Kochen heute als etwas Anderes. Die Gesundheitsaspekte interessieren mich. Mir ist wichtig, dass der Mensch durch die Nahrung in Balance ist." Sie fermentiert Gemüse, legt Früchte ein, macht Topfen, Joghurt und Brot selbst. "Zurück zur Natur" wirkt bei der zierlichen Köchin nicht wie ein Werbespruch. In all ihren Gerichten kommen die fünf Elemente vor, auch in der Nachspeise – süß, sauer, scharf, herb, bitter.

Familienmensch

Das Allerwichtigste in ihrem Leben ist die Familie. Ein Mal im Monat gibt es den Oma-Tag. Da unternimmt sie mit allen sechs Enkelkindern – ohne deren Eltern – immer etwas anderes: Wellnessen, Besichtigungen, Klettern im Freizeitpark oder einen Ausflug ins Kinderspielparadies Hoppolino in Salzburg. "Ich bin überrascht, dass die 18-Jährigen mit den Kleinen so eine Freude haben und umgekehrt."
Kraft und Energie schöpft sie aus der Natur. "Ich gehe so gerne in den Wald. Ich habe eine besondere Beziehung zu Bäumen." Vor ihrer Kochschule wurden für alle Kinder Bäume gepflanzt. "Nach dem keltischen Kalender ist mein Baum die Linde. Die Linde ist der Baum der Engel. Sie beschützt uns und unser Haus, vor dem sie steht."
Ein Mal im Jahr lädt Tochter Simone ihre Mutter zu einer Verwöhnwoche von Kopf bis Fuß ins Thermenhotel Ronacher in Bad Kleinkirchheim ein. Und jedes Jahr fährt die ganze Großfamilie zwei Tage nach Grado. Wie in alten Zeiten, als sie und ihr Mann Dietmar 20 Jahre lang jedes Jahr im Mai mit den Kindern dort Urlaub machten.
Nach drei Jahrzehnten möchte sie heuer wieder mit dem Skifahren beginnen. Yoga und Fitness stehen wieder auf dem Programm. "Jetzt tu ich plötzlich wieder so viel für mich." Und das tut ihr sichtlich gut.

Info

Johannas Top-4-Tipps

1. Ein toller Rundumblick gibt es vom Kaiserburg Gipfel auf 2059 Meter. Bei klarem Wetter kann man sogar den Großglockner erkennen.

2. Meine Lieblingshütte ist die St. Oswalder Bockhütte, sie ist wirklich einzigartig. In den Fels sind kleine Séparées hinein geschlagen, mit romantischen Tischen. Ich genieße die Aussicht und die tolle Kärntner Jause.

3. Die schönste Wanderung ist der Wasserweg nach St. Oswald. Neben dem Hotel Ronacher führt ein Weg vorbei am St. Kathrein Kircherl, am Bach entlang und neben saftigen Wiesen nach St. Oswald. Mein absoluter Kraftweg!

4. Kulinarisches nehme ich auch aus Bad Kleinkirchheim mit. Am liebsten Almrauschgelee und Schafmozzarella.

Anreise aus Wien über die A2 von Wien und S6 über Semmering, Bruck an der Mur, Scheifling, Murau und Turracherhöhe.

Hotel Das Thermenhotel Ronacher 5*S wird liebevoll von Simone Ronacher, der Tochter von Johanna Maier, geführt. Stammgäste schätzen die Gourmetküche und die Mitarbeiter, die seit Jahren im Traditionshaus arbeiten. Von der Sunday Times unter die „50 best SPAs in the World“, vom Wellness Magazin mit dem Wellness Oscar ausgezeichnet.
Preis ab 176 € pro Person im DZ, ab Aufenthalt von 2 Nächten Frühstück bis 12 Uhr am Anreisetag und am Abreisetag die Thermenwelt bis 21 Uhr inkludiert. www.ronacher.com

Bockhütte St. Oswald Leicht erreichbar von der Bergstation der Nationalparkbahn Brunnach ist die romantische Almhütte auf 1900 m Seehöhe, inmitten der Nockberge. Schmankerltipp: Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren. Tel. 0664/4023231

Ausflug Der Kaiserburg Gipfel ist mit der Kaiserburgbahn oder über verschiedene Wanderwege erreichbar. www.biosphaerenparknockberge.at/

Auskunft www.badkleinkirchheim.com