Reise
24.07.2017

Asturien: Hohe Berge und viel Meer

Wer in die Region im Norden der iberischen Halbinsel reist, kann die herkömmlichen Landesklischees getrost vergessen.

Wo gibt’s denn so was? Rinder, die mit Meeresblick auf saftigen Wiesen grasen! Nachdem wir ein Stück auf dem Jakobsweg geradelt sind und mit faszinierenden Aussichten auf steile Klippen sowie mächtige Bergrücken belohnt wurden, stehen wir jetzt an diesem vor einer Weide liegenden Sandstrand. Er lädt zu einem erfrischenden Bad im Atlantik ein; das Läuten der Kuhglocken mischt sich mit dem Rauschen der Wellen zur passenden Hintergrundmusik.

Wer das Fürstentum Asturien im Norden der iberischen Halbinsel entdecken will, muss sich von allen Klischees über Spanien befreien. Schon beim Landeanflug blickt man auf grüne Almwiesen, Bergseen und Flüsse, die Luft ist kühl und frisch. Eine verheißungsvolle Brise lockt zu einem Ausflug mit einem Katamaran – eine wunderbare Möglichkeit die Landschaft entlang der Costa Verde, der "grünen Küste" Asturiens, kennenzulernen.

Wir starten im Hafen von Gijon, der größten Stadt der Provinz, lassen Häuser und Stadtstrand rasch hinter uns, gleiten vorbei an steilen Felsklippen, die immer wieder von goldenen Sandstränden unterbrochen werden, staunen über die sich im Hintergrund auftürmenden grünen Berge Asturiens. Ein Spanien, wie wir es noch nicht kannten.

Viel Regen & viel Sonne

Der Fischerort Lastres, der sich um einen steilen Felsrücken schmiegt, ist ausgesprochen pittoresk, allerdings geht bei unserem Besuch gerade ein heftiges Gewitter nieder. Doch schon kurze Zeit später herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Diesem Wetter verdankt die Region ihre grüne Pracht.

Die einst so weitläufigen Eichenwälder waren für die Schiffsbauer von großem Wert und wurden daher in großem Stil gefällt, heute sind viele Landstriche mit Eukalyptus bewaldet. Der Fluss Sella teilt bei seiner Mündung das Städtchen Ribadesella, alljährlich Ziel einer großen Kajak-Regatta, in zwei Hälften. Am östlichen Stadtrand führt ein Spazierweg auf die Klippe. Oben angelangt kann man bei der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Wallfahrtskapelle Nuestra Señora de Guía den grandiosen Ausblick auf Atlantik-Küste sowie einen prachtvollen Sonnenuntergang genießen.

Auch ein Jakobsweg führt entlang der Küste, der Camino del Norte. Als besonderes Highlight gilt der Abschnitt vom romantischen Fischerhafen Llanes nach Niembro. Gleich hinter dem Ortskern mit seiner Palastruine taucht man in eine grüne, hügelige Landschaft. Der Weg verläuft mal etwas steiler, mal flach, vorbei an weidendem Vieh auf saftigen Wiesen. Unten sind immer wieder Flussmündungen zu sehen, die tief ins Land einschneiden und bei Ebbe breite Sandbänke freigeben.
Die Strände direkt am Atlantik gelten unter Insidern als die schönsten Spaniens. Am Ende unserer Tour, bei Niembro, gelangen wir zur Kirche Nuestra Señora de los Dolores. Das Meer hat sich zurückgezogen, rund um Kirche und Friedhof liegen Fischerboote trocken, das mit Algen bewachsene Gerippe eines alten Walfängerbootes ragt aus dem feuchten Sand.

In einem kleinen Restaurant im Hafen von Llanes essen wir in Knoblauch und Öl frittierte Garnelen und gegrillten Seeteufel, beobachten die Fischer beim Einlaufen und Löschen ihres Fanges und gewinnen so einen authentischen Einblick in ihr Leben. Die gesamte Beute der letzten Nacht wird im Rahmen einer Auktion an Händler und Restaurants versteigert.

Bergseen und Viehherden

Ein völlig anderes Asturien lernen wir bei der Fahrt in die Berge kennen. Picos de Europa nannten die Seeleute die Bergspitzen, weil sie das erste waren, das sie bei ihrer Heimkehr vom Meer erkannten. In Cangas de Onis treffen wir wieder auf den Fluss Sella, der hier von einer mächtigen, romanischen Steinbrücke überspannt wird. Einige Kilometer weiter passieren wir die Wallfahrtsstätte Santuario de Nuestra Señora de Covadonga. In der Nische einer Felswand kauert eine kleine Kapelle, dahinter reckt sich stolz die Basilika aus dem 16. Jahrhundert.

Hier hat 722 die "Reconquista" ihren Ausgang genommen, die Zurückdrängung des muslimischen Machtbereiches auf der Iberischen Halbinsel.

Die Straße führt weiter hinauf, wird kurviger und enger. Immer wieder muss unser Fahrer den Kleinbus anhalten, weil Viehherden von einer Weide zur anderen wechseln. Auf 1100 Meter Seehöhe (aber dennoch weit über der Baumgrenze) überraschen uns zwei herrliche Bergseen, die sich vor schroffen Hängen ausbreiten. Eine atemberaubende Kulisse – man könnte sogar glauben, in den Alpen zu sein.

Kult um den Apfelwein

Ein weiterer Bergrücken führt uns zur Hauptstadt Asturiens, Oviedo. Dort liegt die einstige Residenz des asturischen Königs Ramiro I., das frühromanische Bauwerk Santa Maria del Naranco, datiert auf das Jahr 848. Ein Bau mit reicher Ausschmückung; über den steinernen Altar blickt man ins Freie und hinunter ins heutige Oviedo. Wir spazieren durch die engen Gassen mit ihren alten Hausfassaden und schmucken Balkonen, besuchen die gotische Kathedrale und lauschen dem Konzert des lokalen Dudelsackorchesters vor dem Rathaus, bis unsere Kehlen trocken werden. Was wäre Asturien ohne Apfelwein? Wir wollen ihn in einem Restaurant in Oviedos Calle Cascona verkosten, dort, wo das Einschenken des Sidras von wahren Künstlern zelebriert wird. Sie heben die Flasche mit gestrecktem Arm weit nach oben, kippen den Hals ganz langsam und fangen mit dem Glas in der anderen Hand die köstliche Flüssigkeit auf. Dass der Boden bei diesem Prozedere ein wenig feucht wird, gehört dazu. Dafür sprudelt der Apfelwein, der sofort getrunken werden sollte, so schön wie nirgendwo sonst.

Fazit: Asturien empfiehlt sich als wunderschöne Urlaubsdestination, nicht nur für Individualisten.

Info

Anreise Iberia bietet täglich Flüge ab Wien über Madrid nach Asturien, Volotea fliegt bis 26. September dienstags und freitags direkt ab München nach Asturien. www.iberia.com, www.volotea.com

Die Region Asturien liegt an der Nordküste Spaniens. Rund eine Million Menschen leben auf rund 10.000 Quadratkilometern. Fast ein Drittel der Fläche steht unter Naturschutz. Hauptstadt ist Oviedo mit sehenswerter Altstadt, gotischer Kathedrale und frühromanischen Bauten rund um die Stadt. Die Hafenstadt Gijón ist mit 280.000 Einwohnern die größte Stadt Asturiens.
Das Fischerdorf Llanes liegt in der Nähe des Parkes von Picos de Europa. Interessant sind die Casas de Indianos, Villen, die vor 100 Jahren von rückgekehrten Auswanderern erbaut wurden.

Beste Reisezeit In Asturien wird es selbst im Sommer selten wärmer als 25°, Regenfälle können immer wieder vorkommen, sind aber meist nur von kurzer Dauer. Mai bis Mitte Oktober gilt als ideale Reisezeit, besonders schön sind September und Oktober wegen der Herbststimmung.

Kulinarisches Gastronomie in Asturien ist Essenskult, eine Mahlzeit dauert etwa drei Stunden, egal ob zu Mittag oder am späten Abend (nie vor 21.00 Uhr). Die Gerichte sprechen alle Sinne an, kunstvoll arrangiert, aromatisch duftend und köstlich im Geschmack. Sterneköche gibt es einige:
Restaurant Gloria in Gijón Hier serviert man unter anderem „Croquetas“ (Kroketten mit luftgetrocknetem Schinken vom iberischen Schwein), „Papada-Nem“ (eine Rolle aus Salat-Blättern gefüllt mit „Papada“ = Schweinebacken und Garnelen), „Cabracho“ (roter Drachenkopf). Dazu werden Rot- oder Weißweine oder der Sidra genannte Apfelwein serviert. www.estasengloria.com

Jakobsweg „Buen Camino“, wünschen sich die Pilger untereinander auf dem Jakobsweg. Der Nordweg, auch Küstenweg genannt, führt entlang der Küste Asturiens. Dabei hat man Gelegenheit, Höhlenmalereien aus dem Paläolithikum zu sehen (UNESCO-Weltkulturerbe).

Auskunft www.spain.info, www.asturientourismus.de