Reise
17.12.2017

Die vielen Gesichter Perus

Das Naturschauspiel, verschiedene Kulturen, Völker und Traditionen und die atemberaubende Fahrt über das Hochland der Anden machen Peru zu einem beliebten Reiseziel.

Es ist nicht nur die Höhe, bei der einem auf 4900 Meter die Luft weg bleibt. Es ist nicht allein der Blick über die Inka-Stadt Machu Picchu auf "nur" 2400 Meter, die einem den Atem raubt. Peru, dieses Juwel Südamerikas, hat noch viel mehr Atemberaubendes zu bieten. Es ist ein Land der Kultur, Natur, und Gastronomie. Und die Einwohner – egal ob Aymara, Quechua oder Uro – sind so fröhlich wie die Farben ihrer Gewänder. Peru hat viele Gesichter.

Feinschmeckerland

In der Hauptstadt Lima ist das historische Zentrum mit der Kathedrale, dem Palast des Erzbischofs und dem Larco Herrera Museum schnell erkundet. Hier ist die kulinarische Reise der Leckerbissen. Wir beginnen zu verstehen, warum Peru mit dem World Travel Award 2017 als "Beste kulinarische Destination" ausgezeichnet wurde. Im "Central" vom Starkoch Virgilio Martinez, sind wir chancenlos, einen Tisch zu bekommen.

Die Gourmets unter uns kommen trotzdem auf ihre Kosten – in Barranco, dem wunderbaren Vorort Limas. Kleine Gassen, schön renovierte Villen im Kolonialstil, kunterbunte Galerien und viele Lokale. Franz, unser peruanischer Führer mit germanischen Wurzeln, zeigt uns seine Lieblingsplätze. Die Straßenmusiker spielen die Lieder der berühmten peruanischen Sängerin Chabuca Granda und Vals Criollo, kreolischen Walzer.

Im Restaurant "Cala" gibt es das beste Ceviche. Herrlichen Kaffee in der urigen Kaffeerösterei "Tostaduria". Zwischendurch "Butifarras", Blutwurstsnacks im legendären "Juanitos" oder ein Lúcuma-Eis im Eissalon " Blu".

Die Leibspeise der Limeños – wie die Einwohner Limas genannt werden – finden wir in den traditionellen Picanterias: Rinderherzspieße (Anticuchos), Lunge und Magen als Eintopf oder Meerschweinchen (Cuy). Während das Herz der einen höher schlägt, dreht es den anderen den Magen um. Die werden trotzdem satt. Fangfrischer Fisch, herrliche Gemüsevariationen, Quinoasuppen und vor allem die Erdäpfelspeisen sind vom Feinsten: über 4000 Sorten – in allen Formen und Farben – gedeihen in Peru.

Kultur und Zeitreise

Die Hauptattraktion in Arequipa, südlich von Lima, ist die Kolonialarchitektur. Die dicken, niedrigen Mauern aus hellem, vulkanischem Tuffstein haben trotz etlicher Erdbeben Jahrhunderte überstanden. Durch die "weiße Stadt" bummeln, auf dem Markt San Camila einen Vitaminkick "Hugo" (Smoothie) holen. Der Weberin Conception staunend zuschauen, wie sie aus fein gesponnenen Baby-Alpaka-Fäden ein buntes Muster – ohne Vorlage – webt. An einer Decke arbeitet sie einen Monat lang.

Gar nicht bedrohlich, mächtig oder düster, wie so manche Klöster in Europa, ist das Monasterio de Santa Catalina. Verwinkelt, wie eine kleine Stadt, sind die Wohneinheiten der 20 Nonnen (im 16. Jh. waren es 200) angeordnet. Bunte Fassaden in Blitzblau, Ocker, Gelb. Ein kleines Café im Innenhof, Nonnen servieren Kekse und Coca-Tee.

Den werden wir auch brauchen, bevor es in die Anden geht. Reiseleiterin Paulina zeigt uns, wie wir ein Stück Kalk in drei, vier Kokablätter rollen, in die Backen schieben und langsam kauen sollen. Wir fahren von Arequipa (2350 m) fast unmerkbar immer leicht bergauf. Entlang des Chachani Vulkans bis zur Hochlandebene auf 4000 Meter. Im Nationalpark sehen wir Herden von Vicuñas – die nicht domestizierbare, seltenste Kamelart Südamerikas. Ihre Wolle ist Goldes wert (1 Kilo kostet 349 Euro). Sie werden alle zwei Jahre zusammengetrieben, nur am Rücken geschoren (sonst würden sie im Hochland erfrieren) und wieder freigelassen.

Der Kopf brummt, die Luft wird dünn, der Atem schwer. Wir machen einen Stopp auf der Andenhochebene in Patapampa (4900 m). Sagenhaft der Ausblick . Vor uns die schneebedeckten Gipfel, die Gletscher und Vulkane – alle 5000er bis 6000er.

Wir kommen ins Colca Tal, die Kornkammer Perus. Auf 3660 Meter lässt der Druck im Kopf nach. Die nächste märchenhafte Landschaft wartet auf uns. Der Colca Fluss schlängelt sich tief unten durch das Tal. Auf der einen Seite des Flusses tragen die Frauen weiße, flache Hüte, am anderen Ufer sind sie gestickt und bunt. Am Straßenrand verkaufen sie ihre Handarbeit. Die Kondore, die lautlos über unseren Köpfen kreisen, bevor sie vom Canyon Richtung Ozean entschwinden, sind ein Naturschauspiel.

Landleben

In dem kleinen Ort Sibayo, mit den gelben Häuschen, besuchen wir Eusebio und seine Familie. Der Bauer zeigt uns seine Region, vorbei an einem Felsengrab, eine Mumie aus der Inka-Zeit lehnt an einem Stein. Während uns der 63-Jährige zum Fliegenfischen zum Fluss führt, erzählt er über den großen Respekt der Peruaner gegenüber Toten. Fische beißen keine an. Die Forelle gibt es dafür mit roten Rüben und Quinoa bei Eusebios Frau Nieves.

Gespannt sind wir auch auf unsere Gastfamilie am Titicacasee (3800 Meter). Einen Tag und eine Nacht verbringen wir mit Ricardo, Blanca und ihren vier Kindern auf der Halbinsel Luquina, essen mit ihnen, führen die Schafe auf die Weide und bauen auf dem Feld einen Erdofen, in dem wir Erdäpfel braten. Am Abend kleiden sie uns in ihre Tracht: Vier bis fünf Röcke überreinander, ein Jäckchen, ein Gürtel und der Bowler-Hut. Auf zum Sportplatz. Dort tanzen wir den Chacallada mit den anderen 35 Bauern des Dorfes und ihren Gästen. Nein, nicht peinlich. Ja, es macht Spaß.Die herzlichen Einheimischen stecken uns mit ihrer Fröhlichkeit an.

In der Nacht hat es draußen minus fünf Grad, drinnen plus fünf. Keine Heizung in den schmucken, blitzsauberen, ach so schön bunten Zimmern. Macht nichts. Vier Decken, Skiunterwäsche, Wärmeflasche und eine Haube. Neun Stunden herrlicher Tiefschlaf – ok, nach zwei Kopfwehpulverln, die uns der Hausarzt empfohlen hat.

Maya, unsere Reiseleiterin spaziert mit uns auf Taquile – die 3000-Einwohner-"Insel der strickenden Männer" – bevor wir eine der mehr als 50 schwimmenden, aus Schilf gebauten, Inseln der Uros besuchen. Prachtvoll diese Schilfgebilde.

Wir haben Glück mit Maya, Tochter eines deutschen Pastors, der vor 17 Jahren als Missionar nach Peru ausgewandert ist. Sie schreibt ihre Masterarbeit über die Jahrtausende alte Kultur der Uros. "Es gibt kein fundiertes Buch über dieses Volk", erzählt sie. Als der Tourismus zu den Schilfinseln begann, waren die Fischer, Jäger und Sammler noch schüchtern und unzugänglich. Heute zeigen sie gerne ihre Schilfhütten, -boote und Handarbeiten. Maya: "Der Tourismus ist inzwischen die Lebensgrundlage der Uros, ohne ihn würden sie ihre Inseln verlassen und in die Städte ziehen."

Sehenswert

Für Cusco (= Nabel der Welt), die älteste Stadt Perus, sollte man sich Zeit nehmen: Spanische Prachtbauten, die auf Resten der unverwüstlichen Fundamente der Inka gebaut sind, kunstvoll verzierte Holzbalkone und blitzblaue Fensterläden. Herrlich die große Kathedrale mit all dem Kitsch, den wir als liebenswert empfinden, sobald Guide Cesar über die lebendige Vermischung des Inka- mit dem katholischen Glauben erzählt. Heiligenfiguren tragen die Farben des Fußballvereins, Kokablätter werden geopfert, Jesus am Kreuz hat O-Beine und dunkle Haut und vor dem Jesuskind wird Spielzeug platziert.

Und dann sind da noch ein paar Highlights, die uns in Peru den Atem rauben: Ein Picknick inmitten der Natur nach einer Mountainbiketour. Der ergreifende Augenblick, wenn man – trotz Touristenstroms – endlich den mystischen Ort Machu Picchu erblickt. Und die unvergessliche Fahrt mit dem Luxuszug Belmond Anden Explorer von Puno nach Cusco. Aber das ist eine andere Geschichte. Demnächst in der KURIER-Reise.

Info

Anreise Mit KLM über Amsterdam oder mit Britisch Airways über London nach Lima. klm.com, britishairways.com

Währung/Preisniveau 1 € = 3,8 PEN, Peruanischer Nuevo Sol, Limo 1,40 €, Kuchen 3,30 €

Beste Reisezeit In den Anden sind die trockenen Monate zwischen April und Oktober am besten geeignet. Große Temperaturunterschiede. Am besten einige Schichten anziehen.

Essen Auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt stehen drei Peruanische:
– Im Central (Rang 5) in Lima sorgt Virgilio Martinez für Menüs der Extraklasse. War Monate vor unserer Anreise ausgebucht. centralrestaurante.com.pe/en
– Maido (Rang 8) in Limas Nobelviertel Miraflores schafften wir es von der Warteliste an einen Tisch. Sensationelle japanische Küche mit peruanischen Einflüssen. maido.pe/
– Astrid & Gaston (Rang 33) in Lima, am besten das Suprise Menü. Viele frische Kräuter, bester Fisch und tolles Fleisch. Online-Reservierung ist die beste Möglichkeit und das so früh wie möglich.
– Günstiger, sehr gut und sehr peruanisch wird in den „Chicha“-Restaurants in Arequipa und in Cusco gekocht. Hier können sich Neugierige auch an ein gebratenes Meerschwein wagen. www.chicha.com.pe
– Sehenswert ist die eiserne Wendeltreppe des Restaurants Zig Zag in Arequipa, entworfen von Gustave Eiffel. Fleischfilet-Trilogie, Fische aus dem Amazonas, Alpaka-Filet oder Rinderherzen (Anticuchos = das Nationalgericht in Peru) auf Vulkanstein gebraten. www.zigzagrestaurant.com
– Das beste Eis in Barranco, einem hippen Vorort von Lima, ist Blu Gelateria, 28 De Julio 202.

Einkaufen Alpaka-Ware, bei Straßenhändlern nicht immer echt. Die Geschäfte von Kuna in allen großen Städten haben 100 Prozent reine Alpaka-Qualität und auch die unbezahlbaren Vicuña-Produkte (Schal um 1000 €) – weicher als Cashmere. kuna.com.pe

Pauschalreise 11-tägige Rundreise von Raiffeisen Reisen ab 2999 €
p. P. im DZ. Inkludiert sind Linienflüge, Inlandsflüge, 9 Nächte in 3*-Hotels, 9 x Frühstück, 3 x Mittag-, 1 x Abendessen, alle Fahrten und Transfers, Zugtickets, Bootsfahrt Titicacasee, Reiseleitung. Termine: 8. 3. bis 18. 3.; 11. 4. bis 21. 4.; 16.10. bis 26. 10. 2018, Belmond-Zugfahrt auf Anfrage
Info und Buchung: In allen Raiffeisen Reisebüros in Wien und NÖ,
Tel. 01/31375-82, buze@raiffeisen-reisen.at, www.raiffeisen-reisen.at

Auskunft www.peru.travel/de/