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Reise
10/06/2019

Amalfiküste: Mein erstes Mal mit einer Pauschalreisegruppe

Eine Gruppenreise in den Süden Italiens liefert viele Aha-Momente. Zum einen ist es die überwältigende Pracht der Landschaft und zum anderen die Überpünktlichkeit der Mitreisenden.

von Dorothe Rainer

Mamma mia – der so typische italienische Ausruf, der je nach Intonation zwei Bedeutungen haben kann: Hell und hoch für pure Verzückung, kurz und heftig ausgestoßen ist er Ausdruck für Respekt und Angst. Beide Ausrufungen kommen bei einem Besuch der Amalfiküste zum Einsatz, „wobei die Verzückung aber bei Weitem überwiegen wird“, verspricht Reiseleiterin Marilis, schon zu Beginn des fünftägigen Trips an die Amalfiküste. Für mich ist diese Reise eine doppelte Premiere, meine erste Gruppenreise und das erste Mal am Golf von Neapel. Ich werde nicht nur eine atemberaubende Küstenfahrt erleben, sondern auch lernen, dass bei Gruppenreisen pünktlich eigentlich schon zu spät ist.

Es ist Mai und zwischen Regen, Sonne, Gewitter und Wind zeigt das Wetter alles, was es kann, aber wen kümmert’s – es ist mediterran und die Bougainvillea und der wilde Jasmin stehen in voller Blüte. Der erste Mamma-mia-Moment nach der Ankunft in Neapel lässt auch nicht lange auf sich warten. Als wir auf der Fahrt nach Sorrent die Stadt erblicken, die wie ein riesiger Balkon über dem Meer schwebt. Es bleibt nur ein kurzer Stopp, um die bunte Stadt kennenzulernen, die berühmt für Intarsienarbeiten ist. Das „Museo Correale di Terranova“ bietet eine interessante Sammlung antiker und zeitgenössischer Kunstwerke der Holzeinlegetechnik. Ich erreiche als Letzte, aber fast pünktlich den Bus, der uns zum Hotel bringt.

Am nächsten Tag ist Treffpunkt 8.30 Uhr im Bus vor dem Hotel. Zugegebenermaßen bin ich wieder die Letzte, aber es ist gerade mal 8.33 Uhr. Damit handle ich mir aber eine strenge Rüge vom älteren Ehepaar in der ersten Reihe ein, dass man auf mich schon wieder warten müsse. Mein Achselzucken kommt nicht gut an, „man will wegen mir ja nichts verpassen.“ Die ernsten Mienen der anderen Mitreisenden geben dem Grazer Paar recht. Mit einem Hauch schlechten Gewissens verziehe ich mich in die hinteren Reihen. Der kleine Disput ist allerdings schnell vergessen, denn heute steht der erste Höhepunkt dieser Rundreise an, die Amalfitana. Das ist eine Fahrt entlang der Küstenstraße bis nach Ravello.

Die legendäre Route ist fast 50 km lang, hat mehr als 1.000 Kurven und Kehren. Links der Fels, rechts steile Klippen, die Straße gerade breit genug, dass zwei Autos haarscharf aneinander vorbeikommen – da braucht man gute Nerven und einen erfahrenen Chauffeur. „Wir fahren hier nur nach Gefühl und Gehör“, betont Marilis mit Blick auf Liberato, den Buschauffeur. Angst machen ihm nur die Touristen, die selber fahren. „Wir erkennen sie an den vor Panik aufgerissenen Augen“, scherzt Marilis. Mir ist nicht so zum Lachen, sondern ein wenig mulmig. Nur durch ein kurzes Hupen vor großen Kehren warnt Liberato den entgegenkommenden Verkehr: „Mamma mia!“, kreischen die Fensterplätze.

Doch der Anblick von Positano mit seinen bunten Häusern an den Berghängen sorgt für Entspannung. Das ehemalige Fischerdorf ist heute ein mondäner Ferienort. Nach einem kurzen Stopp geht es weiter über Antrani – ein kleiner und ruhiger Ort, der noch als Geheimtipp gilt – bis nach Amalfi, die Namensgeberin der Region. Die ehemalige Seerepublik hat ihren orientalischen Flair nicht verloren. Sehenswert der Duomo di Amalfi mit seinem Campanile aus dem 13. Jahrhundert. Die Tagestour endet am Nachmittag in Ravello, das schon durch seine Lage geadelt ist, denn das Hochplateau scheint über der Küste zu schweben – eine weiterer Wow-Moment! Im Sommer dient der Ort als Kulisse für ein hochkarätiges Wagner-Festival.

Bilder: Vier Mal Genuss im Süden Italiens

Amalfi Zitronen: Sie sind viel geschmacksintensiver  und größer als herkömmliche Zitronen. Und auch die dicke weiße Schale ist essbar, weil sie nur sehr wenig Bitterstoffe enthält.

Schneller Espresso: Vor allem in Neapel wird der kleine Schwarze oft schon vom Barista vorgezuckert. Wer das nicht möchte, muss den Kaffee „amaro“, also bitter, bestellen. 

Pizza Margarita: Die klassische Pizza mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum hat in Neapel ihren Ursprung. Sie schmeckt nirgends so gut wie auf einer Piazza mitten in quirligen Hafenstadt.

Lacryma Christi del Vesuvio: Seine Trauben werden an den südlich gelegenen Weinhängen am Fuß des Vulkans angebaut. Im rubinroten Rosso finden sich Noten von Veilchen, Lakritz und Edelholz.

Luxusinsel und Pulverfass

An Tag drei bin ich gruppenpünktlich, also 5 Minuten vor 9 Uhr, beim Bus. Heute geht es nach Capri. Auch wenn der Süden die ärmere Region als der Norden Italiens ist, so sind „die Menschen auf Capri alle reich“, erzählt der Matrose auf der Fähre zur Insel. Und das spürt man. Es sieht exakt so aus, wie auf den Postkarten: farbenfroh, lebendig und mondän. Vom Hafen aus geht es mit Bus oder Capri-Taxi hinauf in die Stadt, deren Zentrum die Piazzetta ist, wo sich Touristen aus aller Welt tummeln. Wer exquisite Parfums schätzt, der sollte einen Abstecher zu Carthusia in Anacapri machen, denn dort werden feinste Düfte noch nach jahrhundertealten Klosterrezepturen hergestellt. Um die Insel allerdings wirklich kennenzulernen, sollte man über Nacht bleiben, denn erst dann entwickelt sie ihren wahren Charme.

Am vierten Tag stehen der Vesuv und Pompeji auf dem Programm. Es ist der anstrengendste Teil der gesamten Reise. Langsam wächst die Gruppe zusammen, man hilft den älteren Teilnehmern beim Aufstieg auf den Vesuv und wartet zusammen. Der Vulkan raucht ein wenig und schwefelt, aber er verhält sich ruhig, was ich erst so richtig zu schätzen weiß, nachdem ich Pompeji gesehen habe, das durch den Vulkanausbruch im Jahr 79 in Schutt und Asche gelegt wurde. Zur Freude aller legen wir danach einen Stopp bei einem urigen Weingut ein. Wir bekommen eine genauso einfache, wie köstliche Pasta und verkosten dazu die Weine des Hauses. Die Vulkanerde lässt hier beste Trauben gedeihen, unter anderem für den schweren Lacryma Christi. Die Stimmung wird ausgelassener, einige Mitreisende schaffen es deshalb nicht pünktlich zum Bus, aber es ist gut, denn nun ist die steirische Gruppe auch mit dem Herzen im Dolcefarniente – im süßen Nichtstun – angekommen.

Am letzten Tag der Golf-Impressionen steht noch Neapel auf dem Programm, eine wahrlich turbulente Metropole mit typisch italienischem Flair. Zwischen alten Palästen, Kunsthandwerksläden, Souvenirkitsch, flatternder Wäsche und hupenden Vespas kann man sich leicht verlieren. Einzigartig ist die hohe Dichte an Kirchen und Kathedralen, 500 sind über die ganze Stadt verteilt. Eine der berühmtesten ist der Duomo San Gennaro, dessen ältester Teil von 320 n. Chr. stammt und der dem Stadtpatron gewidmet ist. Hier werden seine Reliquien aufbewahrt und kultisch verehrt. Der Dom ist bezeichnend für die ganze Stadt, wie Marilis betont, denn hier trifft tiefer Glaube auf Aberglaube und hohe Kunst auf viel Kitsch – ein gebührender Abschluss der Reise. Mein Fazit: die Region ist genauso hinreißend schön, wie alle sagen, und in der Gruppe zu reisen macht richtig Spaß, wenn man ein Teil von ihr wird.

Anreise
Der Flughafen Neapel (NAP) wird von Wien und Graz aus angeflogen. Vom Flughafen kommt man mit Taxis und dem Alibus in die Stadt, Linienbusse fahren auch nach Salerno und Sorrent

Klimafreundliche Anreise
Wer den  Nightjet 40233 von Wien Hauptbahnhof  um 19:23 Uhr nimmt, kommt am Roma Termini (ohne Umsteigen) am nächsten Morgen um 9:22 Uhr an. Weiter geht es  entweder mit dem Hochgeschwindigkeitszug „frecciarossa“ um 9:33 Uhr (wer’s sehr eilig hat) oder nach einer kurzen Pause (Capuccino und Cornetto!) mit dem „Roten Pfeil“ um 9:58 Uhr (Fahrzeit auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke für gut 200 km: 1 Stunde 10 Minuten). Ankunft „Napoli Centrale“ entweder um 10:43 Uhr oder um 11:08 Uhr. oebb.at

Reisezeit
Von März bis Mitte Juli und von Ende September bis Anfang November sind ideal für Besichtigungstouren und zum Wandern. Im Sommer ist es heiß, überfüllt und auch die Preise gehen in die Höhe

Reiseangebot
Gruber-Reisen bietet im kommenden Jahr zwei Mal die Gelegenheit, die Region in sechs Tagen kennenzulernen. Vom 23. bis 28. 4. 2020 und vom 30. 4. bis 5. 5. 2020 ab/bis Wien ab 859 € p. P.  
im Doppelzimmer. Info: Gruber-Reisen, Walfischgasse 10, 1010 Wien, Tel. 01/ 90215

Auskunft
Italienische Zentrale für Tourismus enit.at