Afrika: Im Angesicht der Katastrophe

Im Einsatz: Zinggl war in Sri Lanka, in Burma und in Pakistan. Nun reiste er für 14 Tage ans Horn von Afrika.
Foto: KURIER/Boroviczeny

Der Wiener Andreas Zinggl ist immer dort, wo die Welt aus den Fugen gerät. Für die Caritas war er nun am Horn von Afrika.

Das sind Dinge, die unter die Haut gehen", sagt Andreas Zinggl. Vor knapp zwei Stunden landete der Wiener am Flughafen Schwechat. Er kam zurück von einer 14-tägigen Reise, die ihn in Länder führten, die dieser Tage von einer "Katastrophe biblischen Ausmaßes" heimgesucht werden. So sieht es Wiens Caritas-Chef Michael Landau, wenn er von Äthiopien, Somalia und Kenia spricht.

Das Horn von Afrika leidet seit Jahren unter Dürre und sengender Hitze. In den vergangenen Monaten spitzte sich die Lage zu. Zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. 400.000 Kinder sind stark unterernährt. "Wo vor Monaten ertragreiche Felder waren, wo Seen Leben ermöglichten, ist heute nur ausgedorrtes Erdreich", sagt Zinggl. Die Strapazen der vergangenen Tage sind ihm anzusehen - eine Mischung aus wenig Schlaf und viel Arbeit zeichnete tiefe Ringe um seine Augen.

Weltweit im Einsatz

Im Einsatz: Zinggl war in Sri Lanka, in Burma und in Pakistan. Nun reiste er für 14 Tage ans Horn von Afrika. Foto: KURIER/Boroviczeny Im Einsatz: Zinggl war in Sri Lanka, in Burma und in Pakistan. Nun reiste er für 14 Tage ans Horn von Afrika.

Zinggl ist immer dort, wo die Welt droht, aus den Fugen zu geraten. Für die Caritas war er in Sri Lanka, als 2004 zwei Tage nach Weihnachten ein Tsunami das ganze Land unter Wasser setzte. Er war in Burma, als 2008 ein Zyklon 15.000 Menschen in den Tod und Hunderttausende in die Armut trieb. Und er war in Pakistan, als die Flut im Vorjahr plötzlich über das südasiatische Land hereinbrach und Millionen Menschen um ihr Hab und Gut brachte.

"Doch die Katastrophe am Horn von Afrika ist anders", sagt der Raumplaner. "Es ist eine schleichende Katastrophe." Das Schlimmste sei, dass die Krise den Höhepunkt noch nicht erreicht habe. "Die kleine Regenzeit wird frühestens Ende Oktober erwartet", sagt Zinggl während er von Gesprächen mit verzagten Bischöfen, armen Bauern und machtlosen Politikern berichtet. Er reiste durch kleine Orte abseits großer Flüchtlingslager. Es sind Orte wie Turbi oder Meki, an denen wie unter dem Brennglas offensichtlich wird, wie sehr die internationale Staatengemeinschaft, wie sehr jeder Einzelne nun gefordert ist. "Die Hilfe kommt an", versichert der Wiener.

50.000 Menschen sollen von der Caritas in den nächsten Monaten mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgt werden. Darunter 3100 Kinder in der nordkenianischen Region Marsabit, die nun sechs Monate lang täglich eine warme Mahlzeit erhalten. Außerdem können fünf große Wasserspeicher 11.200 Menschen drei Monate lang mit frischem Wasser versorgen. "Stillende Mütter und ältere Menschen werden mit Spezialnahrung auf den Beinen gehalten", erklärt Zinggl.

Was bewegt einen Vater von zwei Kindern, das sichere Wien immer wieder hinter sich zu lassen? "Es mag pathetisch klingen", sagt er nach kurzem Zögern, "aber man hat das Gefühl, dass man auch in kurzer Zeit sehr vielen Menschen helfen kann."

Am Mittwoch werden zwei weitere Kollegen der Caritas dem Beispiel Zinggls folgen und ein Flugzeug nach Somalia besteigen. "Wie gesagt", wiederholt Zinggl, "der Höhepunkt der Krise ist noch nicht erreicht."

Miliz greift wieder die Friedenstruppe an

Im Einsatz: Zinggl war in Sri Lanka, in Burma und in Pakistan. Nun reiste er für 14 Tage ans Horn von Afrika. Foto: KURIER/Boroviczeny Im Einsatz: Zinggl war in Sri Lanka, in Burma und in Pakistan. Nun reiste er für 14 Tage ans Horn von Afrika.

Sie trugen somalische Militäruniformen, wollten in ein Militärcamp vordringen und dort ihre Bomben zünden. Dabei wurden sie aufgehalten und getötet, bevor sie ihr Ziel erreichen konnten. Die Al Shabaab-Milizen, die auch zur El Kaida Verbindungen haben sollen, sorgen weiterhin für schwere Unruhen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Montag Abend wurden zwei Soldaten der Afrikanischen Union, die die Flüchtlingscamps absichern sollen, von ihnen getötet. Die Miliz will einen islamischen Gottesstaat errichten.
Die hungernden Flüchtlinge ziehen weiter durch das zerstörte Somalia, das großteils unter Kontrolle der Milizen ist. Viele wollen in die Nachbarländer. Im größten Flüchtlingslager der Welt, in Dadaab in Kenia, kommen jetzt täglich an die 1500 Menschen an. Die Hilfsgüter, die per Luftbrücke angeliefert werden, werden dringend benötigt.

(kurier) Erstellt am
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