Reise
17.03.2012

Ägypten lockt wieder

Eine Woche Urlaub unter 400 Euro – Das Land der Pharaonen kämpft derzeit mit Schnäppchen um jeden Gast.

So günstig wird Ägypten nie mehr sein!" Erwin Huber, Sprecher des Ägypten-Spezialisten ETI, bringt es auf den Punkt: Mit rigorosen Preisnachlässen kämpft die Reisebranche darum, doch noch etliche Österreicher ins Land der Pharaonen zu locken. Eine Woche im Luxushotel unter 400 Euro ist derzeit kein Einzelfall. Wer sich von der instabilen politischen Lage, die sich jedoch ausschließlich in Kairo und anderen Großstädten vor allem mit Streiks und Demonstrationen bemerkbar macht, nicht abschrecken lässt, kann derzeit so günstig Urlaub in Ägypten verbringen wie noch nie, und vermutlich auch so bald nicht wieder.

"Von den politischen Umwälzungen seit dem Sturz von Diktator Mubarak sind und waren Touristen jedenfalls zu keiner Zeit betroffen", sagte der bekannte Ägypten-Korrespondent Karim El-Gawhary bei einem Mediengespräch der Rewe Austria Touristik in Wien. "Ich würde jedenfalls jederzeit mit meiner Frau und meinen drei Kindern einen Heimaturlaub am Roten Meer oder in der Wüste machen." Nicht die Demonstrationen, die bisweilen zu blutigen Ausschreitungen geführt haben, seien das Problem für Touristen, sondern die erhöhte Kriminalität. "Das hängt mit dem derzeitigen Fehlen eines funktionierenden Polizeiapparates zusammen", so El-Gawhary. Es komme vereinzelt etwa in Wüstengebieten zu Überfällen, auch in Touristenorten am Roten Meer seien nach Einbruch der Dunkelheit schon Überfälle passiert, berichtet El-Gawhary. Veranstalter wie Gulet Touristik haben deswegen auch abendliche Ausflüge gecancelt. "Uns ist nur ein einziger derartiger Übergriff bekannt", betont Okay Metiner, Ägypten-Produktverantwortlicher bei Gulet Touristik. "Wir gehen aber auf Nummer sicher, und unsere Gäste können sich darauf verlassen, dass sie derzeit einen angenehmen Ägypten-Urlaub verbringen können."

Kein Risiko

Die Agenturen vor Ort würden die Lage sehr genau verfolgen und Ausflüge nur dann durchführen, wenn kein Sicherheitsrisiko besteht.

Martin Fast, Chef der Rewe Touristik Austria, verantwortlich für die Marken ITS Billa und Jahn Reisen: "Mir sind solche Vorfälle nicht bekannt, unsere Partner vor Ort würden derartige Vorkommnisse auch sofort melden. In den Urlaubsresorts am Roten Meer besteht grundsätzlich keine erhöhte Gefahr für Touristen."

TUI-Konzernsprecher Josef Peterleithner: "Unsere Kunden erhalten in den Hotels genaue Informationen des österreichischen Außenministeriums über die aktuelle Sicherheitslage in Ägypten."

Leere Nilschiffe

Sicherheit ist auch bei den Kreuzfahrten gegeben, betont Erwin Huber von ETI: "Die Gäste kommen noch vor Einbruch der Dunkelheit von den Landausflügen zurück an Bord, und unsere Schiffe sind alle gesichert." Nachsatz: "Wer jetzt eine Nilkreuzfahrt unternimmt, kann das nicht nur sehr günstig tun, er kann auch Highlights wie den Karnaktempel in Luxor oder das Tal der Könige ohne Menschenmassen genießen wie selten zuvor." Von 256 Schiffen sind derzeit gerade einmal 100 im Einsatz, die anderen ankern im Hafen – mangels Nachfrage.

Die Reisebranche gibt sich trotz katastrophaler Buchungszahlen betont zuversichtlich: Alle Veranstalter rechnen spätestens für den nächsten Winter mit einem Ägypten-Revival, vorausgesetzt die politische Lage sorgt nicht erneut für Schlagzeilen.

Neue Resorts

Trotz Krise wurde und wird in einige neue Hotels investiert: FTI zum Beispiel hat in Soma Bay ein neues "2sam"-Resort nur für Paare eröffnet. Auch das Stella Makadi Gardens, ein Fünf-Sterne-Hotel für Familien mit KidsClub und sechs All-inclusive-Restaurants, ist neu bei FTI.

Ägypten-Spezialist ETI hat zwei neue Luxusresorts in Betrieb – das Makadi Spa Hotel und gleich daneben das Sunwing Waterworld Makadi, ein Top-Familienresort im orientalischen Stil mit einem riesigen Wasser-Funpark mit zahlreichen Rutschen, von der 10-Meter-Rutsche mit zwei Loops bis zur Wildwasser- und Tunnelrutsche. Noch heuer will ETI das 4*-Hotel The Grand Marina in Betrieb nehmen, und in der Bucht von Sahl Hasheesh, 20 Kilomter südlich von Hurghada, entstehen gerade elf 5-Sterne-Resorts mit Golfplätzen, eigener Marina und Shoppingcenter.

Kein Bikini-Verbot

Karim El-Gawhary warnt vor allzu hohen Erwartungen: "Es wird noch einige Jahre dauern, bis Ägypten wieder stabil sein wird, das wird auch von den Entwicklungen im gesamten arabischen Raum abhängen." Dennoch stünden die Chancen sehr hoch, dass sich der Tourismus bald erholen wird. "Alle politischen Gruppierungen sind sich einig, dass die Haupteinnahmequelle gefördert werden muss. Immerhin ist jeder zehnte Ägypter im Tourismus beschäftigt." Der Politik-Experte glaubt auch nicht, dass islamistische Kräfte – anders als etwa im Iran oder in manchen arabischen Emiraten – mit rigorosen religiösen Vorschriften, etwa einem Bikini- oder Alkoholverbot in den Ferienregionen, die Reiselust dämpfen könnten: "Auch radikale Gruppierungen würden abgewählt, wenn sie der Wirtschaft schaden."