Zwangsprosti­tu­tion im „Sachsensumpf“

dpa/Boris RoesslerARCHIV - Eine Prostituierte wartet am Mittwoch (20.12.2006) in einem Bordell in der Innenstadt von Frankfurt am Main auf Kunden. Ausgerechnet die besten Mitarbeiter haben dem Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) einen schlüpf
Foto: dpa/Boris Roessler

Zwei Frauen, die zur Kinderprostitution gezwungen worden waren, sind wegen Verleumdung angeklagt, weil sie ihre Freier erkannt haben wollen.

Der Prozess begann am Dienstag in Dresden und wurde auf Oktober vertagt: fast 20 Jahre, nachdem die damals 16-jährige Mandy Kopp in ein Leipziger Kinderbordell namens Jasmin verschleppt worden war, das 1993 von der Polizei geschlossen wurde. Keines der acht Mädchen war älter als 18, das jüngste erst 13.

Mandy Kopp ist heute nicht mehr Opfer, sondern wird in der Anklageschrift wie ihre damalige Leidensgefährtin als „Prostituierte“ geführt. Die beiden Frauen stehen wegen Verleumdung vor Gericht, weil sie zwei hochrangige Juristen als frühere Freier wiedererkannt haben wollen.

Das wird als Skandal in einer skandalösen Affäre gewertet, die als „Sachsensumpf“ bezeichnet wird. Dabei ist nie herausgekommen, ob es sich um bösartige Verleumdungen gegen hochrangige Justizbeamte und Polizisten handelt oder um ein mafiöses Netzwerk aus Leipziger Immobilienhaien, die ihre Komplizen und Handlanger in den Behörden hatten und diesen dafür ausgiebige Bordellbesuche ermöglichten. Aufgeflogen ist die Affäre vor fünf Jahren durch an die Öffentlichkeit gespieltes Datenmaterial des Verfassungsschutzes.

„Heiße Luft“

Während die Frankfurter Allgemeine Zeitung im sogenannten Sachsensumpf „mehr heiße Luft“ verspürt, „je länger man gräbt“, fragt sich Die Zeit , warum der damals festgenommene Zuhälter zu „nur vier Jahren Haft“ verurteilt wurde und Jahre später sagen konnte, er habe im Prozess aus gutem Grund „keine dreckige Wäsche waschen“ wollen. Der Jurist, den die Mädchen im Bordell erkannt haben wollen, war Richter im Prozess gegen den Zuhälter.

Vom Land Sachen bekam der honorige Herr bereits 2010 12.500 Euro Schmerzensgeld, weil er sich zu Unrecht als korrupt und als Freier eines früheren Leipziger Kinderbordells namens Jasmin verdächtigt sah. Zwei Journalisten wurden dafür nach 13 Verhandlungstagen in Dresden wegen Verleumdung und übler Nachrede zu einer Geldstrafe von je 6000 Euro verurteilt. Sie fühlten sich „kaltgestellt“.

 

Zeuginnen

Mandy Kopp und die anderen Frauen, die damals im Bordell arbeiten mussten, weil sie von zu Hause ausgerissen waren und sich in den viel älteren Zuhälter verliebten, der sie dann einsperrte, vergewaltigte, schlug und verkuppelte, fürchten sich. 2008 wurden sie noch einmal als Zeuginnen vernommen.

Dabei wurden ihnen Fotos vorgelegt – Mandy und die andere Zeugin glaubten den ehemaligen Vizepräsidenten des Leipziger Landgerichts und den jetzigen Präsidenten des Landgerichts Chemnitz als damalige Freier zu erkennen. Sie sitzen fest in einem Dickicht aus gegenseitigen Anzeigen und Anklagen.

(kurier / Susanne Bobek, Alexandra Uccusic) Erstellt am
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