Politik
16.12.2011

Wulff in neuer Erklärungsnot

Deutschlands Präsident Wulff gerät wegen seines Kredits beim Ehepaar Geerkens in immer größere Bedrängnis.

Das deutsche Staatsoberhaupt verstrickt sich tiefer in die Affäre um einen früheren Kredit von einer befreundeten Familie und den Aussagen dazu vor dem niedersächsischen Landtag. Spiegel Online veröffentlichte nun ein ausführliches Gespräch mit dem mutmaßlichen Darlehensgeber, dem mit Wulff befreundeten Geschäftsmann Egon Geerkens. Darin outet sich dieser ziemlich glaubwürdig als der wahre Kreditgeber für das 2008 an Wulff gewährte 500.000-Euro-Darlehen mit marktunüblich niedrigen Zinsen: Er habe eine Vollmacht für das Konto seiner Frau. Geerkens sagte, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff geführt und sich „auch überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte“. Man habe nicht gewollt, dass der Geldfluss zum Ministerpräsidenten in einer Bank sichtbar wird und daher einen anonymen Scheck der Bundesbank verwendet.

"Keine Geschäftsbeziehung"

Laut Spiegel spricht auch der restliche Anschein dafür, dass Geerkens selbst und nicht seine Ehefrau Edith der wahre Kreditgeber war: Sie hatte ohne eigenes Vermögen 1995 den wohlhabenden Geschäftsmann geheiratet, seither besteht Gütertrennung. Auch zum Kauf jener Florida-Villa, in der Wulff 2008 gratis Urlaub machte, hatte Geerkens seine Frau vorgeschoben.

Brisant sind all diese Details deshalb, weil Wulff vor dem Landtag Niedersachsens auf eine Anfrage der Grünen erklärt hatte, er habe „keine Geschäftsbeziehung“ zu Geerkens, den er als CDU-Ministerpräsident auf drei Auslandsdienstreisen mitgenommen hatte. Das Darlehen hatte er vor dem Landtag überhaupt verschwiegen, es aber umgehend danach durch einen Bankkredit ersetzt. Das war erst Anfang dieser Woche von Bild aufgedeckt worden.

Verbotene Annahme

In einer als zu spät empfundenen Erklärung hatte Wulff am Donnerstag geschrieben, das Darlehen sei von Geerkens Frau gekommen. Er habe „die fehlende Erwähnung des Darlehens vor dem Landtag unterschätzt“, das tue ihm „leid“. Schon seine Darlehens-Annahme wäre aber verboten gewesen: Ein niedersächsisches Gesetz verbietet Regierungsmitgliedern „die Annahme von Darlehen zu marktunüblich tiefen Zinssätzen“. Die neuen Widersprüche verschlechtern nun Wulffs Position. Pikant dabei ist, dass laut Focus das Gespräch des Spiegel mit Geerkens schon vor Wulffs Erklärung am Donnerstag stattfand. Damit wirkt es noch authentischer , die Veröffentlichung allerdings auch gezielter. Wulff ließ am Freitag umgehend die Version von seinen Anwälten dementieren: Das Geld sei klar vom Konto von Edith Geerkens gekommen, dorthin seien auch die Zinszahlungen geflossen.

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