Politik 13.01.2012

Wulff in neuen Turbulenzen

© Bild: REUTERS

Deutschlands Präsident gerät nun auch wegen eines Upgrades auf einem Flug aus den USA in Bedrängnis. Die "Bild" wittert Widersprüche.

Christian Wulff kommt nicht aus der Schusslinie. Dem seit Wochen wegen eines Hauskredits und Urlauben bei reichen Unternehmerfreunden kritisierten deutschen Bundespräsidenten wird nun auch eine Upgrade-Affäre angelastet.
Laut Bild-Zeitung fordert die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag Aufklärung zu einer Urlaubsreise in die USA im April 2007. Dabei geht es um ein Upgrade in die Business-Class, das der damalige niedersächsische Ministerpräsident, seine heutige Ehefrau Bettina und deren Sohn während des Fluges von Miami nach Frankfurt erhalten haben sollen.

Auf Anfrage der Bild hatte Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr dies zunächst bestritten. "Die Flugtickets waren von Anfang an in der Business-Class gebucht", sagt Lehr. Der Aufpreis im Vergleich zur Economy-Class sei durch privat gesammelte Bonusmeilen beglichen worden. Laut Lufthansa müssten für ein solches Upgrade von drei Personen auf einem solchen Langstreckenflug 210.000 Bonusmeilen eingesetzt werden. Das entspreche den gesammelten Bonusmeilen von 420 Flügen zwischen Hannover und München.

Widersprüche

Später ergänzte Wulffs Anwalt die ursprüngliche Stellungnahme um den Hinweis: "Das Meilenkonto besteht seit Ende der 80er Jahre. Herr Wulff nutzt für alle privaten Ausgaben ausschließlich die Kreditkarte der Lufthansa." Der Lufthansa zufolge gebe es das Bonusmeilen-Programm "Miles & More" jedoch erst seit 1993, berichtete Bild. Eine "Miles & More"-Kreditkarte gebe es demnach erst seit 1999. Um mit einer solchen Kreditkarte 210.000 Bonusmeilen zu sammeln, müssen 210.000 Euro mit der Karte umgesetzt werden.

Auf weitere Nachfragen habe Lehr dann seine ursprüngliche Auskunft korrigiert, die Flugtickets seien "von Anfang an" in der Business-Class gebucht gewesen. Vielmehr teilte Lehr nun mit, "für ein Upgrade von der Economy Class zur Business Class während eines Fluges in die USA mit der Lufthansa setzte Herr Wulff seine privat erworbenen Bonusmeilen ein". Nach Auskunft der Lufthansa sind Upgrades während eines Fluges an Bord von Lufthansa-Maschinen aber nicht möglich. Zudem könnten dienstlich und privat erworbene Bonusmeilen nicht getrennt voneinander auf einem Konto gesammelt werden.

Dauerhaft beschädigt

Fast drei Viertel der Deutschen halten Wulff durch seine Kredit- und Medienaffäre für dauerhaft beschädigt. Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sind 72 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Nur 24 Prozent glauben nicht, dass Wulff im Amt auf Dauer beschädigt bleiben wird. 61 Prozent halten ihn nicht für glaubwürdig. Dennoch sprechen sich in der repräsentativen Umfrage 50 Prozent für seinen Verbleib im Amt aus, 44 Prozent sind für seinen Rücktritt.
Auf der Beliebtheitsskala von plus 5 bis minus 5 erhält Wulff nur noch einen Durchschnittswert von minus 0,5. Vor Beginn der Affäre kam er noch auf einen Wert von plus 1,9.

Erstellt am 13.01.2012