Politik
05.12.2011

WikiLeaks veröffentlicht unzensiert

Die Enthüllungsplattform hat die umstrittenen geheimen US-Depeschen nun selbst ungeschwärzt ins Netz gestellt.

Verspäteter Rettungsversuch? Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat nun selbst die jüngst in den Fokus geratenen geheimen US-Depeschen online gestellt. Der WikiLeaks-Gründer entschied sich demnach für die "Flucht nach vorne" und veröffentlichte die Dokumente ungeschwärzt.

Seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist ein kompletter Datensatz mit mehr als 250.000 Dokumenten abrufbar. Damit sind nun auch die Namen von Informanten der US-Botschaften öffentlich, die teilweise sensible Informationen lieferten und nun zum Ziel von Racheakten werden könnten.

Streifall

Ursprünglich hatten Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Medienpartner wie Der Spiegel sich darauf geeinigt, die Namen von Informanten, deren Sicherheit durch eine Veröffentlichung gefährdet werden könnte, zu schwärzen.

Allerdings geriet die verschlüsselte Datei mit den ungeschwärzten Namen in Umlauf. Außerdem veröffentliche der britische Journalist David Leigh in einem Buch über WikiLeaks das Passwort zur Entschlüsselung der Botschafts-Telegramme.

Der Guardian-Journalist hatte die sensible Daten von WikiLeaks erhalten, als die Enthüllungsplattform und die Zeitung noch in einer Medienpartnerschaft verbunden waren. Nach mehreren kritischen Artikeln im Guardian über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange brach diese Kooperation jedoch auseinander. Mittlerweile sind sich beide Männer spinnefeind. Leigh rechtfertigte am Donnerstag die Veröffentlichung des Passworts in seinem Buch mit dem Hinweis, er sei davon ausgegangen, dass es damals nur für wenige Stunden gültig gewesen sei.

Verbreitung

Die verschlüsselte Datei mit den 250.000 US-Depeschen kursiert schon seit geraumer Zeit im Netz. Ein Mitarbeiter von Assange soll sie am 7. Dezember 2010 über die Filesharing-Website Pirate Bay über das BitTorrent-Protokoll verbreitet haben.

An diesem Tag hatte sich Assange in London der Polizei gestellt, nachdem wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden mit einem Haftbefehl nach ihm gesucht wurde. Die über BitTorrent verteilte Datei konnte mit dem Passwort entschlüsselt werden, das Assange dem Guardian-Journalisten Leigh genannt und dieser später in seinem Buch veröffentlich hatte.

Österreich-Ermittlungen

Kurioses Detail: Wie aus einer der geheimen US-Depesche hervorgeht, ermittelten die US-Sicherheitsbehörden sogar auf der Packalpe an der steirischen-kärntnerischen Landesgrenze in der 217-Seelen-Gemeinde Modriach. Das Interesse galt einer Wärmebildkamera mit einem Sensor aus der Militärtechnologie.

Der Falter hatte den Einsatzbericht unter dem Titel "Post Shipment Verification Freiwillige Feuerwehr Modriach" im "sleepy litte alpine village" Modriach aufgegriffen, im Standard erinnerte sich der damals befragte "Secretary" Anton Movia: Die Beamtin habe sich das Gerät zeigen lassen und ihn darauf hingewiesen, dass es weder exportiert noch verkauft werden dürfe.

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