Politik 05.12.2011

Welche Gefahren den Österreichern drohen

Gangs und Milizen: Bei terroristischen Auseinandersetzungen gelten Nachschubkonvois als leichtes oder "weiches Ziel".

Die Österreicher erledigen den Nachschub für die 12.000 Mann starke UNIFIL-Truppe. Damit sind sie aber wesentlich exponierter als die eigentlichen Kampftruppen. Denn bei terroristischen Auseinandersetzungen gelten Nachschubkonvois als leichtes oder "weiches Ziel".

Das mussten zuletzt Ende Mai die Italiener erfahren, als ein gepanzerter Konvoi in der Stadt Sidon Ziel einer ferngesteuerten Bombe wurde. Sechs Soldaten wurden schwer verletzt, was Italien dazu bewog, 700 seiner bisher 1800 Soldaten aus dem Libanon abzuziehen.

Die Hintergründe des Angriffes sind noch unklar. War es die Fatah al-Islam, eine radikal-sunnitische Organisation, die von Tripolis aus um die Führung in allen Palästinenserlagern kämpft? Oder waren es die berüchtigten Ain al-Hilweh-Milizen? Jene schwer bewaffneten Gangs, die direkt von Sidon aus operieren und nicht nur der UNIFIL, sondern auch der libanesischen Hisbollah in die Quere kommen? Jedenfalls müssen die österreichischen Nachschubkonvois bei Fahrten zum Hafen oder Flughafen Beirut durch ihr Gebiet.

Anschlag auf Hotel

Gefahr geht auch von islamischen Fundamentalisten aus. Ihnen wird der jüngste Bombenanschlag vom 15. November auf das Queen Elissa Hotel und einen nahe gelegenen Verkaufsladen zugeschrieben. Mutmaßliches Motiv: Dort verkehren mit Vorliebe UN-Soldaten, und es gibt Alkohol. Glück im Unglück: Es wurden nur zwei UNO-Fahrzeuge beschädigt.

Das ist nur ein Kurzauszug dessen, was sich auf der libanesischen Seite abspielt. Die israelische Seite ist nicht minder zurückhaltend. Im Libanon-Krieg 2006 starben durch israelischen Direktbeschuss sieben UNIFIL-Mitarbeiter, zwölf wurden schwer verletzt. Seither kommt es immer wieder zu israelischen Scheinangriffen, meistens aus der Luft, wo UNIFIL-Stellungen von israelischen Waffenradars erfasst werden. Ein Ansuchen der UNIFIL-Führung um Luftabwehrwaffen wurde nicht genehmigt.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011