Warum heute schon Frühling ist

Himmel
Foto: apa Astronom Pikhard weiß um die Tücken unseres Kalenders Bescheid.

Gemeinhin gilt der 21. März als Frühlingsbeginn. In den nächsten 90 Jahren geht er aber ein bis zwei Tage früher los.

Am 21. März ist Frühlingsbeginn. So haben es viele in der Schule gelernt. Doch wer darauf vertraut, wird dieses Jahr und auch die nächsten Jahrzehnte den Start der angenehmen Jahreszeit um einen Tag verschlafen.

Denn heuer geht der Frühling bereits am heutigen Dienstag, also am 20. März, los. Und so bleibt es auch die kommenden 35 Jahre. 2048 ist dann der Frühlingsbeginn sogar schon am 19. März. Der 21. ist dann erst wieder 2102 an der Reihe.

Schuld an diesem Zahlenwirrwarr ist die Bewegung der Gestirne, die sich nicht exakt an unseren Kalender hält. „Die Tag-und-Nachtgleiche, die den Frühlingsbeginn markiert, passiert im Schnitt alle 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 45,261 Sekunden“, erklärt Alexander Pikhard, Präsident der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.

Das passt aber nicht mit der Jahreslänge zusammen, die sich aus unserem Gregorianischen Kalender ergibt. Denn sie beträgt 365 Tage, fünf Stunden, 49 Minuten und zwölf Sekunden. Durch diese Abweichung kann der Beginn der Jahreszeiten im Lauf der Jahre schwanken.

Kalender geht vor

Bleibt die Frage, warum der Frühling in den nächsten Jahrzehnten so häufig bereits am 20. März oder sogar schon am 19. März beginnt. Das hat laut Pikhard damit zu tun, dass das Jahr 2000 ein Schaltjahr mit 366 Tagen war. Solche runden 100er-Jahre sind nur dann Schaltjahre, wenn sie durch 400 teilbar sind. Der zusätzliche Tag im Jahr 2000 führt dazu, dass das Kalenderjahr im 21. Jahrhundert wie eine schlecht gestellte Uhr ein wenig vorgeht. „Und das wirkt sich in einem früheren Beginn der astronomischen Jahreszeiten aus“, sagt der Astronom.

Der Kirche sind solche komplexen Zahlenspiele­reien übrigens egal. Für sie beginnt der Frühling immer am 21. März – und das voraussichtlich bis zum jüngsten Tag. Dieses Datum ist Ausgangspunkt für die Berechnung des Ostertermins. Das Fest findet immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Würde man den astrono­mischen Frühlingsbeginn zur Basis der Berechnung machen, kann es daher in manchen Jahren vorkommen, dass ein anderer Ostertermin herauskommt. Osterparadoxon nennen die Fachleute dieses Phänomen.

Und wann lassen die Lehrer in den Schulen den Frühling beginnen? „In den Volksschul-Büchern ist der 21. März der Frühlingsbeginn. Alles andere würde die Kinder überfordern“, heißt es im Bildungsministerium. Ob man auch in den kommenden 90 Jahren daran festhält, obwohl da alles anders ist, bleibt vorerst offen.

Flexibler sind da schon die Kalendermacher, die das Datum korrekt vermerken.

Für die Meteorologen ist jedenfalls – ganz unabhängig vom Wetter – schon am 1. März der Frühling eingekehrt. Das ist übrigens jedes Jahr so. Experte Alexander Pikhard: „Dabei handelt es sich aber um ein vollkommen willkürlich gewähltes Datum.“

(kurier) Erstellt am
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