Im ORF treten die Spitzenkandidaten zum Duell „jeder gegen jeden“ an.

© APA/Milenko Badzic

Duell der TV-Duelle
09/17/2013

Duell der TV-Duelle

Welche Sendung hat mehr Relevanz, welche mehr Pfiff? Die Konfrontationen im ORF oder die Wahl-Arena auf Puls4?

von Christian Böhmer, Maria Kern

Als sich Michael Spindelegger vor Kurzem im TV-Duell mit Heinz-Christian Strache matchte, da war eines offensichtlich: die gegenseitige Abneigung. Der ÖVP-Chef hätte erst gar nicht sagen müssen, dass eine Koalition mit der FPÖ für ihn nicht infrage kommt – man sah es, man konnte es spüren.

Mimik und Gestik verraten mitunter mehr als Worte, und das erklärt, warum der aktuelle Wahlkampf maßgeblich von den TV-Duellen im ORF und der Wahlarena auf Puls4 geprägt wird. Im Schnitt ist fast eine Dreiviertel Million Menschen dabei, wenn die TV-Konfrontationen („Wahl13“) im ORF über die Bühne gehen; die Debatte zwischen Michael Spindelegger und Heinz-Christian Strache sahen sogar 841.000 Wähler.

Doch auch Puls4 erzielt mit der Wahlarena beachtliche Reichweiten für einen kleinen Privatsender; allein das Kanzlerduell Faymann/ Spindelegger sahen 284.000 Bürger.

Was aber unterscheidet die beiden Polit-Formate? Welche Sendung ist informativer? Und wie relevant sind die Diskussionen generell? Der KURIER bat Experten um ihr Urteil.

„Der Informationswert ist vermutlich bei den TV-Duellen höher“, sagt Hans Mahr zum KURIER. Der Ex-Journalist und frühere Chefredakteur von RTL-Deutschland ist überzeugt, dass bei den ORF-Wahlduellen knapper und näher an der Sache diskutiert wird.

Demgegenüber komme die „emotionale Ebene“ bei der TV-Arena des Privatsenders stärker zum Tragen. „Und die ist“, so Mahr, „mindestens ebenso wichtig. Wen ich wähle, ist auch eine Frage des Vertrauens. Und Vertrauen ist eine Sache der Emotion, des Bauches.“

Diametral anders sieht Peter Vitouch die Sache: „Der Informationswert ist bei der Wahlarena höher“, sagt der Kommunikationsforscher und Medienpsychologe.

Warum? „In der Wahlarena sind die Kandidaten meistens völlig auf sich allein gestellt und sie haben neben dem Publikum, das Fragen stellt, zwei Journalisten als Gegenüber, die bei Themen gezielt in die Tiefe gehen können. Da muss man inhaltlich sattelfest sein – oder man blamiert sich.“

Im Unterschied dazu biete das TV-Duell im ORF mehr Show und Unterhaltung, „weil man erlebt, wie sich die Politiker in einer Konfrontation verhalten“.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wo auch Puls4 zu Duellen geladen hat, ist in der Wahlarena der einzige, wirkliche „Kontrahent“ das Moderatoren-Duo.

Doch genau das behagt Medien-Trainer und Ex-ORF-Moderator Gerald Groß nicht wirklich: „Moderator Peter Rabl spielt den Bad Guy und wird damit fast zum Polit-Gegner. Ich finde das schade, weil es sein Image als unabhängiger Moderator ein bisschen beschädigt.“

Störende Claqueure

Unterschiedlich gut gelöst ist aus Sicht der Fachmänner die Frage der Studio-Gäste: Zwar sei es positiv, dass sowohl im ORF als auch bei Puls4 Zuschauer zugelassen sind (Groß: „Das erhöht vor Ort die Spannung“). Groß wie auch Vitouch sind aber überzeugt, dass der staatliche Rundfunk die Zuschauer zu Hause eher „nervt“. Der Grund: Im ORF dürfen die Parteien „Fans“ mitbringen.

Und diese „Claqueure“ empfinden der Medien-Coach und der Psychologe als eher kontraproduktiv. „Im Unterschied zu Puls4, wo die Zuschauer auch konkrete Fragen stellen können, ist das Live-Publikum im ORF nur zum Jubeln eingeladen“, sagt Vitouch. „Das wirkt ein wenig wie die vom Band eingespielten Lacher, die man aus amerikanischen Comedy-Sitcoms kennt.“

Bleibt die Frage nach der Relevanz. Mahr meint: „Beide Formate haben ihre Stärken, in Wahrheit sollte man beide sehen und bewerten. Die TV-Duelle für den Informationsgehalt, die Arena für das emotionale Element.“

Ex-ORF-Mann Groß sieht den ORF leicht im Vorteil: Die Reichweite sei höher, außerdem sei die Berichterstattung nach den Duellen umfangreicher. Groß: „Ein wirklich neues Thema, das im TV lanciert wurde, fand im ORF statt: die von Eva Glawischnig thematisierte Finanzierung der SPÖ-Plakate.“

Vergleichsweise einig sind sich die Experten in einem Punkt. Hans Mahr: „Die Quoten und damit das Interesse an den Sendungen zeigen deutlich: Die Österreicher sind alles andere als Politik-müde.“ Also werden Dienstagabend wieder Hunderttausende vor den TV-Schirmen verfolgen, wenn VP-Vizekanzler Spindelegger gegen Grünen-Frontfrau Glawischnig antritt – und danach SP-Kanzler Faymann gegen FPÖ-Chef Strache.

Alles rund um die Nationalratswahl gibt es hier.

Wahlkampftermine im Fernsehen

Übersicht

Termin Uhrzeit Sender Wer
16.9.2013 20.15 Uhr Puls 4 Wahlarena mit Strache (FPÖ)
17.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Spindelegger (ÖVP) - Glawischnig (Grüne)
17.9.2013 21.05 Uhr ORF2 Faymann (SPÖ) - Strache (FPÖ)
18.9.2013 21.55 Uhr ATV Gäste: t.b.a.
19.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Strache (FPÖ) - Bucher (BZÖ)
19.9.2013 21.05 Uhr ORF2 Glawischnig (Grüne) - Stronach (TS)
22.9.2013 11.05 Uhr ORF2 Diskussionsrunde mit den Kleinparteien (NEOS, Piraten, KPÖ)
22.9.2013 20.15 Uhr ATV Kanzlerduell, danach Oppositionsrunde
23.9.2013 20.15 Uhr Puls 4 Wahlarena mit Faymann (SPÖ)
24.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Kanzlerduell Faymann (SPÖ) - Spindelegger (ÖVP)
25.9.2013 21.55 Uhr ATV Gäste: t.b.a.
26.9.2013 20.15 Uhr ORF2 Oppositionsrunde

Das tagesaktuelle TV-Programm finden Sie unter kurier.at/tv

Wie die Experten die TV-Formate bewerten

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