Politik
05.12.2011

Wachablöse in den Wachzimmern

Bis zum Jahr 2013 bekommt Wien 2550 neue Polizisten. Wie die Jungen ticken und wie ihnen die erfahrenen Kollegen helfen.

Es war der erste Tag des Junginspektors Thomas Haselbacher am Polizeiwachzimmer Stephansplatz. Da erschien ein Mann mit der Erklärung: "Herr Inspektor, jetzt hab' ich es gemacht, ich hab' sie erschlagen." Was, wen? "Meine Frau, ich glaub', die ist hin."

Haselbacher hatte zwar schon die Polizeischule hinter sich, war auch einige Monate auf einem Schulwachzimmer - doch jetzt war er heilfroh, dass der alte Chef in der Nähe war und ihn sofort unterstützte. Denn der Polizeiberuf besteht nicht nur aus Rechtskenntnis, sondern vor allem aus Erfahrung.

Haselbacher hat vom Erfahrungsschatz der älteren Kollegen gelernt, ist jetzt 20 Jahre älter und hat den Dienstgrad Abteilungsinspektor. Er ist einer jener erfahrenen Beamten, denen es nun zufällt, den größten Erfahrungsaustausch der Wiener Polizei durchzuführen. Denn bis zum Jahr 2013 werden 2550 neue Polizisten in Wien in den Dienst gestellt. Das ist immerhin ein Drittel des uniformierten Wachkörpers und somit der größte Personalaustausch in der Geschichte der Wiener Polizei.

Hubschraubereinsatz

Im Polizeiwachzimmer Donaufelder Straße erzählt Haselbacher, wie man Jungpolizisten für den Einsatz fit macht und sie motiviert: "Am besten mit Rat, nicht mit Kritik." So hielt er es auch bei einer Routinekontrolle, die eskalierte: Haselbacher und der Jungkollege wollten einen seltsamen Zeitgenossen kontrollieren. Daraus wurde eine Verfolgungsjagd mit Schusswechsel und Hubschraubereinsatz. Der Neuling war so gut wie keine Unterstützung - aber er hat wenigstens nichts falsch gemacht. Deshalb gab's nachher ein paar aufmunternde Worte.

Die Jungen müssen erst lernen, mit psychologischem Druck umzugehen. Wenn sich etwa nach einer Wegweisung der Weggewiesene umbringt. Sie müssen auch lernen, Niederlagen zu verkraften. Haselbacher: "Es gibt Situationen, wo du nur zwei Wahlmöglichkeiten hast - und beide sind falsch." Weil man einerseits vielleicht eine Vorschrift verletzt - oder andererseits wegen "übertriebener Vorschriftentreue" mangelnde Courage unterstellt bekommt.

Jeden Tag kommen nun mehr Jungkollegen auf die Polizeiinspektionen, auch in die von Thomas Haselbacher. Die Jungen sind mit den verschiedensten Motiven zur Polizei gekommen. Das Hauptmotiv für die 23-jährige Jungpolizistin Denise war es, Menschen zu helfen. Denise: "In der Praxis bekommt man aber wenig Dank dafür."

Der 22-jährige Andreas ist familiär vorbelastet. Vater, Onkel, Zwillingsbruder und der ältere Bruder tragen Uniform. Andreas interessiert sich vor allem für die Spezialeinheiten. Die Abwechslung ist es, die den 25-jährigen Sebastian zur Polizei gelockt hat. "Da erlebst du jeden Tag etwas anderes, und du siehst Sachen, die der Normalbürger nie zu Gesicht bekommt."

Neue Fähigkeiten

Für Abteilungsinspektor Haselbacher und seine Kollegen auf allen anderen Polizeiinspektionen bedeutet die Integration der Jungen natürlich einen Mehraufwand. Aber er macht es gern, und die Jungen bringen ja auch ganz neue Fähigkeiten mit.

"Zum Beispiel die ganzen Internetgeschichten wie Facebook und so weiter. Da kennen sich die Jungen wesentlich besser aus als wir, da kann man sie sofort einsetzen." Und so kann der Idealfall eintreten, dass ein Jungpolizist bereits am ersten Tag einen Erfolg verbuchen kann und Anerkennung bekommt. Dann geht er am Abend nach Hause in dem Bewusstsein: "Ich wurde gebraucht, ich gehöre dazu."

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