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Politik
10/10/2012

Vollkornbrot statt Leberkässemmerl

Lokalaugenschein in der AHS Wenzgasse: Wie eine neue Initiative Schülern Appetit auf gesunde Snacks macht.

Ronald Herrmann ist Vater von zwei Töchtern und Betreiber des Schulbuffets an der AHS Wenzgasse, Wien 13. Er weiß, dass es nicht leicht ist, Kindern Gesundes schmackhaft zu machen. "Kuchen will ich auch niemandem verbieten", sagt er. "Schüler sollten aber überwiegend ernährungsbewusst essen. Es ist mein Job, ihnen das so verlockend wie möglich zu machen."

Wie er das macht? Ein Blick in seine Vitrine zeigt das: Kleine Salat­becher liegen ganz vorne, aufgeschnittene Ananas und mit Käse und Gemüse belegte Weckerln springen sofort ins Auge. "Die Schüler essen gerne Salat, wenn man ihn anbietet", sagt Herrmann. "Das Gleiche gilt für Obst: Jüngere Schüler wollen oft keinen ganzen Apfel, klein geschnitten lieben sie ihn." Kekse oder Gummibärli bietet Herrmann nach wie vor an – Süßes liegt aber nicht so offensichtlich in der Auslage.

Schülerin Verena Tiroch, 13, liebt besonders das griechische Weckerl, das mit Schafkäse und Oliven belegt ist. Ihre Mitschülerin Camilla Hannak, ebenfalls 13, schwärmt von der Ananas. Beide achten auf ihre Ernährung. "Meine Mutter will ganz auf gesunde Jause umstellen", erzählt Camilla.

Dass Schüler gerne zu Obst greifen, ist vielen Eltern und Lehrer der AHS ein Anliegen. "Gesunde Ernährung machen wir zum Thema", sagt Direktor Andreas Paseka. "Wir haben Elternvertreter, die da viel angeregt und finanziert haben – zum Beispiel einige Monitore. Über diese wird in der Schule Werbung für die gesunde Jause gemacht. Im Unterricht organisieren wir Projekte – etwa den Trink- und Essführerschein." In einem solchen Projekt wurde ein "Ampelsystem" entwickelt: Snacks mit grünem Punkt dürfen die Kinder guten Gewissens jeden Tag essen, etwa Vollkornweckerln mit Aufstrich und Gemüse. Was gelb gekennzeichnet ist, sollte nur alle paar Tage gekauft werden. Bei Kuchen und Donuts steht die Ampel auf "Rot" – auf ein Mal pro Woche sollte das beschränkt werden.

Essens-Coach

Guten Rat gibt es auch vom mobilen Coach für Schulbuffets – Karin Blagusz von der AGES. Ihre Aufgabe ist es, dass viele Schulen die "Leitlinie Schulbuffet" umsetzen, die vor einem Jahr von Gesundheitsminister Alois Stöger initiiert wurde. Bei Blagusz kann sich jeder Buffetbetreiber melden. Vor Ort macht die Ernährungswissenschaftlerin eine Bestandsaufnahme. "Ich schaue, welche Inhaltsstoffe in den angebotenen Speisen stecken. Dann erarbeite ich mit dem Buffetbetreiber einen Plan, mit dessen Hilfe das Angebot Schritt für Schritt umgestellt wird."

Manches geht ganz einfach: "In die beliebte Wurstsemmel kommt etwa eine Putenextra. Das merken die Kinder gar nicht. Süßigkeiten werden auf Portionsgrößen von maximal 30  Gramm beschränkt."

Wichtig für die Umstellung: "Sie muss so gestaltet sein, dass es für den Betreiber wirtschaftlich machbar ist. Auch die Schüler müssen sie akzeptieren und verstehen, warum zu viel Fett und Zucker ungesund sind."

Für Eltern hat Blagusz ebenso einen Tipp: "Zur Jause immer frisches Obst mitgeben sowie ein Brot mit Aufstrich, Wurst oder Käse und frischem Gemüse. Damit Tomaten- und Gurkenscheiben nicht durchweichen, kann man ein Salatblatt darüber und darunter legen." Wie wichtig ihre Arbeit ist, zeigt ein Blick auf die Statistik: Jedes fünfte Kind zwischen sieben und 14 Jahren ist übergewichtig.

www.unserschulbuffet.at

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