Politik
05.12.2011

Verlorene Gepäckstücke

Eine Lagerhalle als Ort der Hoffnung für Reisende.

Mit der Urlaubszeit steigt auch die Zahl der vergessenen Gepäckstücke. In den Lost-&-Found-Stellen der ÖBB tauchen viele wieder auf.

Stofftiere, Jacken, Handys: Die Schilder verraten, was auf den langen Regalen dahinter gelagert ist. Doch was aussieht wie eine Gemischtwarenhandlung, ist in Wirklichkeit eine vollgeräumte Lagerhalle im Wiener Franz-Josefs-Bahnhof - und für nicht wenige Menschen ist es ein Ort der Hoffnung.

Urlaubszeit

Denn wer Gegenstände in den Zügen der ÖBB vergisst, hat gute Chancen, sie hier wiederzufinden. Insgesamt sechs dieser Lost-&-Found-Stellen gibt es österreichweit. 20.325 vergessene Gegenstände lagerten dort alleine im vergangenen Jahr. "Und in der Urlaubszeit füllen sich die Regale immer besonders schnell", sagt Manuela Kilian, die die ÖBB-Lost-&-Found-Stellen leitet.
Jacken, Schuhe, Handys, Bücher und Taschen füllen die Halle. Was nicht auf die Regale passt, steht daneben: Fahrräder sind es schon derart viele, dass man einem Radhändler Konkurrenz machen könnte.
"Sie glauben ja gar nicht, was alles vergessen wird", sagt Manuela Kilian, während sie durch die Regale führt. "Hier ist etwa ein Gebiss, aber wir haben auch schon einmal ein Glasauge gehabt", sagt Kilian.
Den merkwürdigsten Fund kann Kilian nicht mehr herzeigen: "Das war eine Schachtel mit zwei Meerschweinchen. Die wurden dann von der Tierrettung ins Tierschutzhaus gebracht", sagt sie.

Radsuche

Unterdessen klingelt ein Kunde an der Empfangspforte: Ein französischer Urlauber sucht nach seinem Fahrrad. "Ich bin mit dem Zug von Budapest nach Zürich gefahren, das Rad habe ich aber am Bahnhof in Wien stehen lassen", sagt der Tourist und beschreibt der Dame am Empfang Farbe und Ausstattung des Rades.

Nach wenigen Minuten ist sein Rad identifiziert. Für einige Euro, die die ÖBB wegen der Lagerkosten verrechnen, kann er es wieder in Empfang nehmen und davonradeln.

Rund die Hälfte der Fundgegenstände geht so wieder zurück an die Eigentümer.
Vernichtet werden aber auch von den nicht abgeholten Sachen nur die wenigsten: Nach 12 Monaten werden die Fundgegenstände an karitative Einrichtungen gespendet.

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