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Politik
09/18/2012

US-Muslime kritisieren andere Islam-Führer

Sie "erfüllen nicht ihre Aufgabe" aufzuklären, sagt ein hoher Vertreter der US-Muslime zum KURIER. Zugleich erließ ein ägyptischer Imam eine tödliche Fatwa gegen die Urheber des Islam-Hetzfilmes.

Es ist ein ganz und gar unmissverständlicher Aufruf, den ein ägyptischer Imam auf dschihadistischen Internet-Foren lancierte. Eine Fatwa zu jenem Film, der seit einer Woche gewalttätige Proteste in der gesamten islamischen Welt provoziert. Ein religiöses Gutachten. In diesem Fall ein Todesurteil. Der Salafist Ahmed Fuad Ashush ruft darin die "jungen Muslime in den USA und Europa" dazu auf, die Macher und die Schauspieler des Films zu töten. Und all jene, die bei dessen Verbreitung geholfen haben. Die El Kaida im Maghreb veröffentlichte am Dienstag ein ähnliches Schreiben. Die US-Regierung wird darin beschuldigt, die Urheber des Streifens zu schützen. Die Tötung des US-Botschafters in Libyen wird als "Geschenk" bezeichnet.

In Thailand und Indonesien gingen am Dienstag erneut Muslime auf die Straße.

Doch während diese Proteste in die zweite Woche gehen, kritisieren Vertreter der Muslime in den USA die religiösen Anführer in den islamischen Ländern. "Sie erfüllen nicht ihre Aufgabe, den Menschen beizubringen, dass nicht die Christen, nicht die USA und nicht der Westen, sondern Einzelpersonen dieses Video produziert haben", sagte Mohamed Elsanousi vom Islamischen Verein Nordamerikas gegenüber dem KURIER.

Der auf YouTube verbreitete Billigfilm versetzte viele Muslime von Nordafrika bis Südostasien in Zorn. Vier US-Diplomaten starben in der Vorwoche bei anti-amerikanischen Demonstrationen in Libyen. In anderen Ländern gab es Opfer unter den Protestierenden.

Nicht nur die US-Regierung, auch die religiöse Gemeinschaft im Land müsse weltweit die Botschaft verbreiten, dass dieses Video nicht die Meinung aller Amerikaner vertrete, so Elsanousi. "Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Mehrheit der Muslime keine Botschaften attackiert", sagt er.

Zugang gesperrt

Mittlerweile hat YouTube-Betreiber Google den Zugang zu dem Video in einigen muslimischen Ländern blockiert. In den USA hat das zu einer öffentlichen Debatte über die Redefreiheit geführt. "Wir haben YouTube kontaktiert, um sie auf das Video aufmerksam zu machen, und haben sie gebeten, zu untersuchen, ob es nicht gegen die Nutzungsbedingungen verstößt", so der Sprecher des nationalen US-Sicherheitsrats Tommy Vietor.

In einer schriftlichen Erklärung dementierte Google, den Zugang zum Video in Ägypten und Libyen unter Druck des Weißen Hauses gesperrt zu haben. Das Video, das weiter abrufbar ist, sei innerhalb der Google-Richtlinien und werde deswegen im Netz bleiben. "Auf Grund der sehr schwierigen Lage in Ägypten und Libyen haben wir aber entschieden, den Zugang in beiden Ländern vorübergehend zu beschränken", so Google.

Doch scheint es, dass Google doch auf eine Anfrage des Weißen Hauses reagiert habe, meinen Rechtsexperten. "Das ist eine schwierige Situation für eine Privatfirma", sagte Jeffrey Hermes vom Berkman Center for Internet and Society, einem Forschungszentrum der Harvard University. Das Problem sei, dass ein Staat sich über die eigenen Nationalgrenzen hinausbewege, um den Zugang zu Daten in einem anderen Staat zu verbieten, so Hermes. Es gehe hier auch um die Frage der Beschränkung amerikanischer Grundwerte wie Redefreiheit und Eigenverantwortung.

Afghanistan: NATO zieht Konsequenzen

Die NATO zieht Konsequenzen aus der Serie von Angriffen durch afghanische Polizisten oder Armee-Angehörige. Die Kooperation mit den afghanischen Sicherheitskräften wird vorerst eingeschränkt. Konkret geht es um gemeinsame Einsätze mit der afghanischen Polizei und Armee. Zuletzt hatte es vermehrt Attacken bei solchen Einsätzen durch beteiligte Soldaten oder Polizisten gegeben. 51 NATO-Soldaten starben dieses Jahr bei solchen Angriffen. Laut NATO sei die Gefahr auch durch die Verbreitung des in den USA produzierten Islam-Filmes gestiegen.

Am Dienstag folgte die Bestätigung: In Kabul zündete eine Selbstmordattentäterin eine Bombe neben einem Bus mit Ausländern. Zwölf Menschen starben. Die Gruppe Hizb-e-Islami des ehemaligen Premiers und Warlords Gulbuddin Hekmatjar bekannte sich zu der Tat. Es handle sich um einen Vergeltungsschlag für den Mohammed-Schmähfilm.

Die Ausbildung der Polizei und der Armee ist Kernelement der NATO-Strategie. Betont wird, dass die Ausbildung nicht beendet werde. Gemeinsame Einsätze würden künftig jedoch auf Bataillonsebene durchgeführt. Für gemeinsame Einsätze kleinerer Einheiten benötige es Sondergenehmigungen. Am Abzug 2014 hält die NATO fest.

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