Unis droht Ansturm aus Deutschland

Ausweichquartier Messehalle: Der Aufnahmetest für das Medizin-Studium findet aus Platzgründen längst nicht mehr in Hörsälen statt – das könnte bald auch bei normalen Vorlesungen der Fall sein.
Foto: APA

Anmeldeschluss an Hochschulen: Deutschland fehlen 50.000 Uni-Plätze. Allein in Innsbruck könnte jeder dritte Anfänger im Herbst ein Deutscher sein.

Wie viele Deutsche diesen Herbst tatsächlich an die österreichischen Universitäten strömen werden, weiß derzeit niemand. Die neuesten Prognosen sind aber ein klares Warnsignal für die heimische Uni-Politik: Eine Hochrechnung des deutschen Hochschul-Informations-Systems (HIS) geht von bis zu 500.000 Erstsemestrigen in Deutschland aus. Im Studienjahr 2010/'11 waren es 443.000, die deutsche Regierung hat (wegen geburtenstarker Jahrgänge, doppelter Maturajahrgänge und der Aussetzung der Wehrpflicht) mit einem Anstieg auf 455.000 gerechnet.

Die HIS-Hochrechung deckt sich mit den Bewerberzahlen; hier verzeichnen viele Unis einen Anstieg zwischen 20 und 50 Prozent (inklusive Mehrfach-Anmeldungen). Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) rechnet damit, dass allein diesen Herbst 50.000 Anfängerplätze fehlen - und, dass der Anteil der Deutschen an österreichischen Unis um bis zu 50 Prozent steigen wird.

Beschränkung

Anders als hierzulande wird in Deutschland bereits auf den zu erwartenden Andrang reagiert: In mehreren Bundesländern werden ab Herbst mehr Fächer als bisher mit Numerus clausus beschränkt. In Tübingen etwa, wo die Bewerberzahl im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte gestiegen ist, gilt mittlerweile in fast allen Bachelor-Studien der Numerus clausus.

Uni-Gebühren

Ausweichquartier Messehalle: Der Aufnahmetest für das Medizin-Studium findet aus Platzgründen längst nicht mehr in Hörsälen statt – das könnte bald auch bei normalen Vorlesungen der Fall sein. Foto: APA Ausweichquartier Messehalle: Der Aufnahmetest für das Medizin-Studium findet aus Platzgründen längst nicht mehr in Hörsälen statt – das könnte bald auch bei normalen Vorlesungen der Fall sein.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle will für Österreich zwar explizit keinen Numerus clausus, er fordert angesichts der neuen Prognosen jedoch erneut Zugangsregeln: "Die Universitäten brauchen Instrumente, damit sie ihre Kapazitäten leben können. Ansonsten leidet die Qualität für Studierende und Lehrende." Töchterle erneuert in Bezug auf den möglichen Deutschen-Ansturm auch sein Plädoyer für Studiengebühren: "Mit Studienbeiträgen wäre auch sichergestellt, dass ausländische Studierende einen Beitrag zur Finanzierung unserer Unis leisten."

Besonders stark ist der Deutschen-Ansturm traditionell in Salzburg und Innsbruck. An der Uni Innsbruck gibt es - eineinhalb Wochen vor Ende der neu eingeführten Voranmeldung - aktuell 5436 Interessenten, im Vergleich zu 4230 Erstsemestrigen im Vorjahr. Der Anteil der Deutschen hat sich signifikant erhöht: Von 20 Prozent (875 Anfänger) auf 35 Prozent (1917 Voranmeldungen).

Anstieg

Die Uni Wien verzeichnet eineinhalb Wochen vor Ende der neu eingeführten Voranmeldung ein Plus von rund 50 Prozent im Vergleich zu den Anfängern aus dem Vorjahr. Den knapp 15.000 Erstsemestrigen 2010/'11 stehen schon 22.000 Interessenten gegenüber. Der Deutschen-Anteil ist dabei vorläufig immerhin von 14 auf 20 Prozent gestiegen.
In Klagenfurt ist die Zahl der Voranmeldungen (1984) gar schon beinahe doppelt so hoch wie jene der Erstsemestrigen aus dem Vorjahr (1147).
Und an der TU Graz ist mit 1735 vorangemeldeten Studenten die Zahl der Vorjahres-Anfänger (1848) immerhin fast schon erreicht.

Was die deutschen Studenten angeht, gibt man sich an den meisten Unis zurückhaltend - man will erst die endgültigen Zahlen abwarten. Wer weiß, heißt es, wie viele dann tatsächlich kommen - und ob der Deutschen-Anteil am Ende nicht doch noch sinkt. Dann nämlich, wenn die Deutschen einfach früher dran waren mit ihrer Voranmeldung - und die Österreicher last minute noch nachziehen.

(kurier / Philipp Hacker und Julia Hödl) Erstellt am
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