Uni-Hauptgebäude nach Besetzung gesperrt

Im Bild: Blick in den besetzten Hörsaal der Universität Wien.
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Die Besetzung des Audimax war von kurzer Dauer.

Nach der Räumung des Audimax am Donnerstag bleibt das Hauptgebäude der Uni Wien geschlossen. Der Rektor verteidigt seine Vorgehensweise.

Nach der Räumung des durch Studenten der Internationalen Entwicklung (IE) besetzten Audimax an der Universität Wien am späten Donnerstagabend bleibt das Hauptgebäude am Freitag geschlossen. "Bis alle Beschädigungen behoben und Verunreinigungen beseitigt sind", sei der Zutritt nur für Mitarbeiter möglich, wie es auf der Webseite der Uni heißt. Sämtliche Lehrveranstaltungen und Prüfungen wurden abgesagt, "kurzfristige Ersatztermine an anderen Orten sind nicht möglich".

Rektor Heinz Engl betonte am Freitag bei einer Pressekonferenz, die Uni setze weiterhin auf einen Dialog mit den "unzufriedenen Studierenden". Es soll zwei offen zugängliche Info- und Diskussionsveranstaltungen zu den Forderungen der Studenten (keine Einführung von Studiengebühren, Abschaffung der als K.O.-Phase kritisierten Studieneingangs-und Orientierungsphase, Erhalt des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung) geben.

Eine für morgen, Samstag, im Audimax geplante Psychologie-Prüfung soll an einem Ersatzort stattfinden. "Wir hoffen, wenn die Situation es erlaubt, am Montag wieder normalen Betrieb aufzunehmen", so Engl.

Räumung verteidigt

Uni-Rekotr Heinz Engl Foto: Jürg Christandl Uni-Rektor Engl

Die Räumung des Audimax durch die Polizei - "durchaus aufgrund der analogen Erfahrungen vor drei Jahren", als der Hörsaal über viele Wochen hinweg besetzt war - verteidigte Engl. Nachdem am Donnerstagvormittag bereits rund hundert Studenten der IE einige Stunden lang das Rektorat der Universität Wien besetzt hatten, wurde bekanntlich am Nachmittag auch der größte Hörsaal der Uni, das Audimax, okkupiert. Die Polizei sperrte zunächst das Gebäude und begann etwa um 22 Uhr den Hörsaal zu räumen, was bis kurz nach 23 Uhr dauerte.

Immerhin würden durch die Besetzung viele andere Studenten gestört, so der Rektor. Konsequenzen werde es für jene 200 bis 300 Studenten, deren Personalien aufgenommen wurden, nicht geben. Ersatzräumlichkeiten anzumieten habe 2009 rund 1,8 Mio. Euro gekostet, das könne die Uni sich bei ihrem Defizit von 15 Mio. Euro nicht leisten.

Zum Thema IE soll es am 30. April ein Treffen geben, wobei ein Abgehen von den Plänen der Uni unwahrscheinlich ist. Angesichts der begrenzten Mittel soll man den IE-Bachelor mit seinen derzeit rund 2.000 Studenten künftig nicht mehr inskribieren können, er soll stattdessen durch ein "hochqualitatives" Masterstudium ersetzt werden, das über verschiedene andere Bachelorstudien zugänglich sein soll. "Wir wollen überhaupt nichts abschaffen, wir wollen etwas Neues schaffen", betonte der Uniratsvorsitzende Max Kothbauer. Der Unirat unterstützt diesen Plan, denn "wir können kein Geld herzaubern". Für Fuchs ist es "die unter den finanziellen Verhältnissen einzig mögliche Lösung".

Erste Besetzung schon 2009

Im Herbst 2009 hatten Studenten aus Protest gegen die Umstellung der Ausbildung auf die Bologna-Studienarchitektur (Bachelor/Master/PhD) und die Abschaffung von Studien wochenlang das Audimax besetzt. Zeitweise waren damals um die tausend Personen anwesend. Aus der Besetzung entstand die Protestbewegung "unibrennt", die auch auf andere Bundesländer übergriff.

Die VP-nahe Aktionsgemeinschaft (AG) der Uni Wien forderte unterdessen in einer Stellungnahme, die Demonstranten sollten "studienwillige Studierende studieren lassen" und bezeichnete die geplante Streichung der IE als Beleg dafür, dass es einen geregelten Uni-Zugang brauche. "Mit diesem wäre die Wegrationalisierung eines Studienganges nicht notwendig."


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Töchterle will sich nicht einmischen

VP-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sieht noch keinen Anlass, sich der Diskussion mit den protestierenden Studenten an der Universität Wien zu stellen. Es gehe um ein Problem, welche Studien in welcher Form geboten werden sollen. Darüber habe er schon mehrfach sowohl mit Studenten als auch mit Uni-Wien-Rektor Heinz Engl geredet. "Das ist eine Diskussion innerhalb der Uni und sollte nach Möglichkeit auch dort geführt werden", so Töchterle am Freitag. Er zeigte sich aber bereit, sich einer Diskussion mit den Studenten zu stellen, "sollte das Ganze größere Dimensionen annehmen".

Auch im Zusammenhang mit den Protesten der Studenten gegen die an einigen Unis geplante Wiedereinführung der Studiengebühren verwies der Minister darauf, dass dies eine Entscheidung der jeweiligen Universität sei. Es beginne nun die Diskussions- und Entscheidungsphase in den Uni-Senaten und man werde sehen, ob es dann an einzelnen Standorten zu massiven Aktionen vonseiten der Gegner kommen werde. Er wisse aber, dass es auch innerhalb der Studierenden eine Mehrheit für Studienbeiträge gebe, wenn diese sozial ausgewogen seien.

Befragt, was er vom Vorgehen des Rektorats der Uni Wien hält, sowohl das besetzte Rektorat als auch das Audimax am Donnerstag von der Polizei räumen zu lassen, sagte Töchterle, dass er keine Details kenne. Er könne nur sagen, wie er als Rektor der Uni Innsbruck reagiert hätte: "Wenn es sich um einen Wunsch nach Diskussion gehandelt hätte und die erzwungen werden sollte, würde ich mich einer solchen Diskussion stellen. Wenn das hingegen in Gewalt ausartet oder auch in massive Störungen des gesamten Betriebs durch eine ganz kleine Gruppe und sie sich nicht bewegen lässt, davon abzusehen, dann muss man auch zu härteren Maßnahmen greifen", so Töchterle.

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(apa / dk, ps, mn) Erstellt am
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