Übers Ziel hinaus

Ricardo Peyerl
Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny Ricardo Peyerl

Fünf Polizisten gegen eine Frau – sie wird von Kugeln durchsiebt. Deeskalation?

Polizisten müssen in Notwehrsituationen das gelindeste Mittel einsetzen. Zunächst: Körperkraft. Fünf Männer schaffen es nicht, eine vor vermeintlichen Einbrechern ins Badezimmer geflüchtete Frau mit Messern in der Hand zu überwältigen? Oder zumindest die Tür zuzuziehen, bis sie sich beruhigt hat? Dann: Gummiknüppel. Trägt jeder Polizist, man fragt sich, wozu. Dann: Pfefferspray. Hat die Panik der Frau offenbar noch verstärkt. Schließlich: Taser (Stromschlag). Dürfen nur Sondereinheiten wie die für solche Einsätze extra ausgebildete Wega anwenden. Die war zwar vor Ort, griff aber nicht ein. Als Letztes: Schusswaffe. Wie oft muss ein (zu wenig gut?) trainierter Beamter schießen, bis er eine Frau auf engstem Raum kampfunfähig macht? In dem Fall sollen es bis zu neun Schüsse gewesen sein!

Und über allem steht das Wort, auf das in der Ausbildung angeblich so viel Wert gelegt wird: Deeskalation. Diese Taktik aber war mit dem Eintreten der Wohnungstür bereits ad absurdum geführt.

Jedes Mal, wenn Polizisten sozusagen übers Ziel hinausschießen, heißt es hinterher: Diese Erfahrungen fließen in die Aus- und Fortbildung ein. Da müsste in den vergangenen Jahren (siehe nebenstehende Auflistung) aber schön langsam genug geflossen sein.

(kurier) Erstellt am
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