Politik
05.12.2011

Überraschungsgast bei Sarrazin in Graz

Der umstrittene Autor kam auf Einladung von ÖVP-Bauernbundchef Grillitsch nach Graz – und wurde von FPÖ-Chef Strache gefeiert.

Mit den Protesten hatten die Veranstalter gerechnet. Ein Großaufgebot an Polizisten hielt die Gruppe in Zaum, die die Zufahrt zur Seifenfabrik in Graz blockierte. Trommelwirbel und laute Parolen begleiteten die Gäste, die zur Veranstaltung mit dem deutschen Autor Thilo Sarrazuin strömten. "Keiner vermisst dich, Sarrazin verpiss dich", skandierten die Demonstranten, die Sarrazin auch "einseifen" wollten.

Für weit mehr Aufsehen als die Demonstranten sorgte aber ein unerwarteter Gast aus Wien. FPÖ-Chef Strache kam mit Generalsekretär Kickl zur Veranstaltung des Forum Land , hinter dem der ÖVP-Bauernbund steht. Nur geladene Gäste hatten Zutritt. Steirische Freunde hätte ihm eine Karte zukommen lassen, erzählte Strache.

Bauernbund-Chef Fritz Grillitsch, der Sarrazin nach Graz eingeladen hatte, war schon im Vorfeld der Veranstaltung als Verbindungsmann zur FPÖ kritisiert worden. Nach dem Auftauchen des FPÖ-Chefs gab sich Grillitsch gelassen. Er freue sich über die vielen Gäste. Sarrazins Thesen zur muslimischen Zuwanderung polarisieren in Deutschland wie in Österreich, wo er erstmals nach dem Erscheinen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" öffentlich auftrat.

Eine Reise wert

Während die ÖVP-Funktionäre irritiert waren, genoss Strache seinen Überraschungs-Coup. "Sarrazin ist immer eine Reise wert", sagte er und hielt dessen Buch in die Kameras. Er empfehle jedem, das Buch zu lesen, so der FPÖ-Chef. Von dem im Vorjahr erschienenem Werk wurden 1,3 Millionen Exemplare verkauft. In Graz sprach der Autor zum Thema "Demografie und die europäische Zukunft". Und er blieb den Zuhörern nichts schuldig. Die niedrige Geburtenrate sei ein großes Problem. Ein noch größeres Problem sei, dass die wenigen Kinder vor allem in Familien mit niedrigem Bildungsniveau hineingeboren würden - sehr oft seien das muslimische Familien.

Anders als bei anderen Migrantengruppen gebe es hier ein Integrations- und Bildungsproblem. Bildung sei in muslimischen Kulturen nicht so wichtig. Das führe letztendlich zum Verlust von Intelligenz in einer Gesellschaft. Eines von Sarrazins Rezepten: Wo Eltern den Bildungsauftrag nicht erfüllen, das Kindergeld streichen. All diese Probleme, so meint Sarrazin, betreffen nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich.

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