Politik 05.12.2011

Trendwende: Zulauf in Frühpension gebremst

Gute Nachricht von der Budgetfront: Bei der Hackler- und der Invaliditätspension gehen die Anträge und die Zuerkennungen stark zurück.

Endlich eine gute Nachricht von der Pensionsfront: Bei den für den Staat so teuren Formen der vorzeitigen Pension gibt es eine Trendwende. Erstmals seit vielen Jahren ist sowohl bei den Hacklerpensionen als auch bei den Invaliditätspensionen die Zahl der Anträge und der Zuerkennungen im ersten Halbjahr 2011 rückläufig (im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010). Das zeigen neueste Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die dem KURIER vorliegen.

Kostentreiber

Strengere Regeln bremsen den Zulauf bei Pensionen.
© Bild: Deutsch Gerhard

Besonders interessant ist die Entwicklung bei den Invaliditätspensionen (Arbeiter und Angestellte zusammengerechnet). Sie sind ja der große Kostentreiber im Pensionssystem. Ohne Invaliditätspensionen läge das tatsächliche Pensionsantrittsalter in Österreich im Schnitt nicht bei 58, sondern bei 61 Jahren.

Im ersten Halbjahr 2011 gibt es zum ersten Mal seit zehn Jahren bei der Zahl der Anträge einen Rückgang. Bis Ende Juni meldeten 35.208 Personen, dass sie in I-Pension wollen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 36.151. Das ist ein Minus von 2,6 Prozent (siehe oberer Grafikteil) .

Die PVA-Zahlen betreffen den ASVG-Bereich. Zu diesem zählen neun von zehn Pensionen in Österreich.

Wie kam es zur Trendwende bei den I-Pensions-Anträgen? Die PVA sagt, dass sie strenger geworden ist. "Die Maßnahmen der sogenannten Gesundheitsstraße haben sich indirekt auf die Zahl der Antragssteller ausgewirkt", erklärt PVA-Chef Manfred Felix dem KURIER.
Auf der "Gesundheitsstraße" untersuchen PVA und AMS gemeinsam I-Pensions-Kandidaten. Durch vermehrte Rehabilitation und Umschulung ist die Zahl der Unvermittelbaren gesunken.

Noch stärker als bei den Anträgen ist der Rückgang bei den Zuerkennungen von I-Pensionen. Das Minus von 2010 auf 2011 beträgt 6,84 Prozent (siehe hellblaue Linie unten in der Grafik) . Bei den Zuerkennungen gab es schon in den vergangenen Jahren einen Rückgang, aber nicht so stark wie jetzt. Auch hier gilt: Die PVA ist strenger geworden; die Zuerkennungsquote (genehmigte Anträge) bei den I-Pensionen sei gesunken, sagt PVA-Chef Felix.

Boom

Ähnlich sind die Entwicklungen bei der Hacklerpension. Im ersten Halbjahr 2011 gab es um 7,08 Prozent weniger Anträge als im ersten Halbjahr 2010. Bei den Zuerkennungen beträgt das Minus gar 9,56 Prozent (rote Linien unten in der Grafik) .

Eine Ursache für den Rückgang bei den "Hacklern" ist die gute Wirtschaftslage. In der jetzigen Boomphase nach der Krise werden deutlich weniger ältere Menschen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt (bzw. gehen freiwillig) als vorher.

Wie werden sich I-Pension und Hacklerpension in den kommenden Jahren entwickeln? Die Regierung hofft auf einen noch stärkeren Rückgang. Im Herbst wurde der Zugang zur Hacklerpension erschwert. Und I-Pension beantragen darf künftig nur noch, wer vorher eine Rehab gemacht hat.

Bedenklich war in den vergangenen Jahren vor allem die Entwicklung bei den I-Pensionen. Mittlerweile sind es sowohl bei Angestellten als auch bei Arbeitern vor allem psychische Gründe, die zum frühzeitigen Pensionsantritt führten. Im vergangenen Jahr waren bei den Arbeitern psychische Probleme für ein Drittel der I-Pensionierungen verantwortlich.
Probleme mit dem Bewegungsapparat waren seltener. Bei den Angestellten war 2010 sogar fast die Hälfte der I-Pensionierungen psychisch bedingt. Zehn Jahre vorher war dieser Anteil deutlich geringer.

Was ist passiert? "Es gibt viele Ursachen für die Zunahme psychiatrischer Erkrankungen", weiß PVA-Sprecher Johannes Pundy. "Die gestiegene berufliche Belastung ist nur ein Grund. Das ganze Leben hat sich verändert, die Menschen müssen ständig erreichbar sein."
Immerhin ist die Zahl der I-Pensions-Anträge jetzt erstmals seit Jahren rückläufig.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011