Tiercoach: Exotischer Einzelgänger

Foto: dpa/Jochen Luebke

Vogelspinnen lassen niemanden kalt. Wer sich für den reinlichen Einzelgänger entscheidet, braucht ein artgemäßes Terrarium und Lebendfutter.

Sie ist ein Wunder der Natur, die blaue Baumbewohnerin aus Indien mit ihrer spektakulären weißen Zeichnung auf acht Zentimeter Körperlänge: Poecilotheria Metallica wird gern als "Juwel" unter den Vogelspinnen bezeichnet - rar und bei Liebhabern exotischer Haustiere heiß begehrt.

"Spinnen lassen niemanden kalt", sagt Dagmar Schratter, KURIER-Tiercoach und Direktorin des Tiergarten Schönbrunn. Anton Weissenbacher, ebendort zuständig für Spinnentiere, weiß: "Je mehr man sich mit Spinnen beschäftigt, desto eher findet man sie spannend und schön. Sie funktionieren perfekt." Er kennt noch ein Argument, das für die haarigen Achtbeiner als Heimtier spricht: "Ihre Bedürfnisse lassen sich gut befriedigen." Der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team gibt Tipps für die artgemäße Haltung.

Knapp 900 Arten gehören zur Familie der Vogelspinnen, Mexikanische Rotknie-Vogelspinne und Rote Chile-Vogelspinne zu den häufigsten gepflegten Arten. "Man muss genau wissen, welche Art man daheim hat", erklärt Weissenbacher. Baum- oder Bodenbewohnerin?

Entsprechend wird das Terrarium für die Einzelgänger ausgestattet: Vogelspinnen mit dem natürlichen Lebensraum Baum brauchen robuste Pflanzen, Äste und Zweige, Blätter zum Verstecken, einen sandigen, weichen Boden und eine kleine Höhle. In einem Terrarium mit den Mindestmaßen 80 cm mal 40 cm und 60 cm in die Höhe lässt sich das alles gut
strukturiert unterbringen.

Am Boden lebende Vogelspinnen schätzen Kokosnussschalen-Granulat und Rindenhölzer zum Untergraben sowie kleine Vorsprünge und Steinhöhlen. Die Grundfläche ihres Glasbehälters sollte mindestens 80 cm mal 40 cm messen. "Mit einem Terrarium kann man einen Ausschnitt der Natur ins Wohnzimmer holen. Von den Ansprüchen her genügen der Spinne aber Versteck, Substrat und die richtige Luftfeuchtigkeit", sagt der Experte. Vogelspinnen können nur wachsen, wenn sie sich Häuten. Passt die Luftfeuchtigkeit nicht, bleiben sie in der Haut stecken und sterben qualvoll.

"Vogelspinnen versuchen möglichst wenig Energie zu verbrauchen, sie setzen sich nur bei triftigen Gründen in Bewegung. Füttern bedeutet Action", sagt Weissenbacher. Beutetiere wecken den Jagdinstinkt. Haustierhalter können den Räubern Heimchen mit der Pinzette anbieten oder die lebende Nahrung ins Terrarium setzen. Wichtig sei die Kontrolle, ob die Hungerkünstler auch tatsächlich fressen. Regelmäßiges Füttern - am besten abends - hält die dämmerungsaktiven Tiere gesund. Gut genährte Exemplare können aber auch längere Futterpausen einlegen. "Spinnen überleben ohne Wasser, aber ich sehe sie immer wieder trinken", sagt Weissenbacher und rät, stets frisches Wasser in kleinen Schälchen anzubieten.

Foto: dpa/Jochen Luebke

Das Verdauungssekret, mit dem Vogelspinnen ihre Beute zum Aufsaugen verflüssigen, ist ein sehr komplexes Gift. "Für den Menschen ist es aber relativ harmlos", sagt der Experte. Der Biss schmerzt mehr oder weniger wie ein Bienen- oder Wespenstich. Bei ein paar Arten kann es kurz zu neuronalen Ausfällen kommen, äußerst selten sind allergische Reaktionen. Anton Weissenbacher: "Am unangenehmsten ist eine Infektion der Bissstelle, da muss man ordentlich desinfizieren." Im Grunde aber besteht keine Gefahr. Wer sich für dieses Wunder der Natur entscheidet, übernimmt Verantwortung für ein genügsames Tier, das extrem reinlich ist und kein bisschen riecht.

Foto: dpa/Jochen Luebke

Vogelspinnen kommen in der Natur nur in der Paarungszeit zusammen", sagt Anton Weissenbacher, Spinnen-Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team: "Auch beim Züchten trennt man die Tiere gleich nach der Paarung wieder."

Die Entwicklungszeit vom Ei zur Spinne hängt von der Art und der Temperatur ab. Es findet keine Verwandlung statt, sondern Wachstum:
Kokon Das Muttertier spinnt einen Teppich aus Spinnseide, legt die Eier ab und formt einen Kokon. Dort schlüpfen aus den Eiern Larven, die sich später häuten und in ein zweites Larvenstadium treten. Als Larven nehmen die Tiere keine Nahrung an. Noch im Kokon häuten sich diese vollwertigen Spinnen zu Nymphen.
Nymphe Jetzt nehmen die Jungtiere Nahrung selbst zu sich. Sie wachsen mit jeder Häutung. Die Abstände zwischen den Häutungen betragen anfangs vier bis acht Wochen, dann vergeht mehr Zeit.
Imago Nach der Reifehäutung ist die Spinne erwachsen und geschlechtsreif. Für Männchen ist dies ihre letzte Häutung, Weibchen häuten sich weiter - ein Mal im Jahr, später etwas seltener.

(kurier) Erstellt am
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