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Politik
12/05/2011

Test: Wenig Zivilcourage am Unfallort

Der ÖAMTC testete, wie Autofahrer bei einem schweren Verkehrsunfall reagieren. 85 Prozent fuhren einfach weiter.

Eine Landstraße bei strahlendem Sonnenschein: Am Straßenrand liegt ein rauchendes Unfallwrack, ein Mann daneben regungslos in der Wiese. Ein Auto nähert sich, der Lenker sieht den Unfall. Doch anstatt anzuhalten, fährt er einfach weiter.

"Es hat unfassbare sechs Minuten gedauert, bevor der erste Lenker stehen geblieben ist", sagt ÖAMTC-Expertin Marion Seidenberger. Minuten, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.

Alarmierend

Seidenberger und ihr Team testeten die Zivilcourage von Österreichs Autofahrern für zwei Stunden auf der B 50 im Burgenland. Das alarmierende Ergebnis: Österreich ist ein Land von Drückebergern. Von gezählten 246 Fahrzeugen stoppten nur 38 Lenker. Mehr als 85 Prozent der Fahrzeuglenker fuhren einfach an einem Unfall vorbei, ohne Erste Hilfe zu leisten. Sie wurden daraufhin von der Polizei und dem ÖAMTC angehalten und befragt. Die Ausreden waren beschämend. "Ich habe gleich gesehen, dass das gestellt war." "Ich hab' gedacht, wenn was wäre, wäre schon wer vor Ort." "Ich habe nichts gesehen, mir ist nichts aufgefallen."

"Zu sagen, ich hab' nichts gesehen, kann man so nicht gelten lassen", widerspricht Seidenberger. Denn ein Großteil der Lenker, nämlich 84 Prozent, hatten den Unfallwagen sehr wohl gesehen. Das beweisen Videoaufzeichnungen. Der Rest war abgelenkt, meist durch Handy-Telefonate oder den Beifahrer.

Was aber viele Autolenker vergessen: Wer bei einem Unfall weiterfährt, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. "Dafür droht bis zu einem halben Jahr Gefängnis", sagt ÖAMTC-Jurist Andreas Achrainer, "bei Todesfolge sogar bis zu einem Jahr". Wer noch dazu Unfallverursacher ist und Fahrerflucht begeht, muss mit bis zu zwei Jahren rechnen. Es gibt aber auch positive Beispiele. So hat etwa ein Lkw-Fahrer angehalten und so die nach ihm fahrenden Autos ebenfalls zum Stehenbleiben gezwungen. "Nachschauen gegangen ist allerdings nur der Lkw-Fahrer", erzählt Seidenberger. Eine Lenkerin, die ebenfalls geholfen hat, war Karin H.: "Ich habe mir gedacht, um Gottes Willen, da ist ein Unfall passiert", sagt die 44-jährige Mutter, "ich muss hingehen. Ich bin jetzt sehr aufgeregt."

Seidenberger: "Ein Großteil der Helfer erlebte so eine Situation zum ersten Mal." Die meisten waren daher extrem aufgeregt und erschrocken. "Helfen ist ein emotionaler Kraftakt. Umso wichtiger ist es, Nerven zu bewahren. Es hilft, die Erste-Hilfe-Regeln immer wieder zu lernen." Aber auch wenn man sich unsicher ist, sollte man unbedingt helfen. Seidenberger: "Denn jede Hilfe ist besser als keine Hilfe."

Goldene Regeln für Versorgung von Verletzten

Egal, was passiert ist, das oberste Gebot für Ersthelfer lautet: "Ruhe bewahren!" Nur so können Verletzte optimal versorgt werden.
Notruf unter der Nummer 144 wählen und Hilfe anfordern. Ort und Art des Unfalls, Anzahl der Opfer und Anrufer-Daten, wie Name und Telefonnummer, sind für die Einsatzkräfte unerlässlich. Darüber hinaus informiert die Leitstelle Ersthelfer über weitere Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettung.
Kontrollieren des Bewusstseins mittels Ansprechen, Berührungen oder Schmerzreizen. Zeigt der Patient Reaktionen, fährt man mit Wundversorgung und Schockbekämpfung fort. Bewusstlose, die normal atmen, müssen in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit die Atemwege frei bleiben.
Bei Atemstillstand des Verletzten werden sofort Wiederbelebungsmaßnahmen gestartet: Dazu den Patienten auf den Rücken legen, von engen Kleidungsstücken befreien und 30-mal schnell und kräftig in die Mitte des Brustkorbes drücken - im Wechsel mit jeweils zwei Beatmungen.

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