Politik
05.12.2011

Terrorsimulation made in Austria

Wie reagiert man auf Terroranschläge? Experten aus Österreich schicken Einsatzkräfte inden Simulator.

Man läuft nichts ahnend über den Ballhausplatz, plötzlich explodiert in der Nähe eine Bombe. Es kracht, verletzte Menschen schreien. Es riecht fürchterlich. Dass es sich um eine virtuelle Szene handelt, vergisst man. Auch, dass man sich in einem Simulator befindet. Mit dieser "Kuppel des Grauens" bereitet die EU-Kommission die Einsatzkräfte künftig auf einen großflächigen Terroranschlag vor.

Vor wenigen Tagen wurde das von einem österreichischen Konsortium entwickelte "Virtual Reality Security System" (VRST) im Hotel Sauerhof in Baden, NÖ, Vertretern österreichischer Einsatzorganisationen vorgestellt.

Explosion

Der KURIER mischte sich unter die Testpersonen. Mit einer Gesichtsmaske und einem Rucksack geht es auf einem Laufband durch die virtuelle Wiener City. Am Ballhausplatz explodiert ein Auto. Menschen werden verletzt. Es stinkt nach verbranntem Gummi. In der Ferne erklingen Folgetonhörner.

Das Auto wurde von Sprengstoffexperte Ingo Wieser gesprengt und die Szene virtuell auf den Ballhausplatz gesetzt. Die Gerüche kommen durch einen Schlauch aus dem Rucksack. Sie wurden vorher von Spezialisten gemixt und in Druckflaschen gefüllt. Auch die Beschallung ist künstlich. Ein Computer steuert diesen Terror-Mix.
Die Rolle der Versuchspersonen am Laufband ist nicht die des Betrachters. Es geht um mehr. Man soll sich in der Kuppel als Einsatzleiter bewähren und die richtigen Entscheidungen treffen.

Handelt es sich um eine herkömmliche Explosion? Ist es eine radioaktiv verseuchte Bombe? Darf man mit Wasser löschen? Wie weit dürfen die Hilfskräfte überhaupt herangehen?
Der Blutdruck geht hoch. Den misst wenige Meter daneben die Psychologin Eva Schrank. Sensoren registrieren die Muskelspannung, Atmung, Herzfrequenz und Hauttemperatur. Damit kann die Biofeedbackexpertin erkennen, ob die Versuchsperson mit der Situation zurechtkommt. Das Ziel sei es, so Schrank, posttraumatische Belastungssyndrome bei Helfern zu vermeiden.

Bedrohungsbild

Dahinter steht eine Datenbank, die vom Salzburger Universitätsprofessor Friedrich Steinhäusler erstellt wurde. Der hat weit über 100 Terrorattacken in Israel, den USA, Russland und Europa analysiert und zu einem Bedrohungsbild verarbeitet.

In Baden steht derzeit ein Prototyp, in dem aber schon in Kürze die ersten Grundkurse laufen. In die Kuppel dürfen nur fachlich gut ausgebildete Personen. In weiterer Folge werden solche Trainingsanlagen auch in Spanien und Schweden stehen.

Die "Versuchskaninchen" in Baden waren beeindruckt. Für St.Pöltens Polizeidirektor Johann Schadwasser ist es ein gewaltiger Schritt in Richtung einer professionelleren Ausbildung. Der Sprengstoffexperte des Innenministeriums, Willibald Berenda, der auch Schulungsleiter des Arbeitersamariterbundes ist: "Ein Meilenstein, denn jetzt können wir schon in der Ausbildung herausfinden, wer für den Ernstfall wirklich geeignet ist."

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