Politik
12.04.2012

Sumatra-Beben: Bisher fünf Todesopfer

Zwei schwere Erdbeben haben innerhalb kurzer Zeit die Küste vor Sumatra erschüttert. Die Tsunamiwarnung wurde aufgehoben. KURIER-Journalistin Isabella Klausnitzer berichtet live aus Sri Lanka.

Aufatmen in Südasien: Nach den zwei der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre, die am Mittwoch innerhalb kurzer Zeit die Küste vor Sumatra erschüttert haben, hat das Pazifische Tsunami-Warnzentrum der USA die Warnung für den Indischen Ozean aufgehoben. Es bestehe keine Gefahr mehr, hieß es am Mittwochnachmittag. "Jetzt registrierte Ausschläge weisen darauf hin, dass die Gefahr fast oder ganz für fast alle Regionen gebannt sei", teilte die Behörde mit. Auch Sri Lanka hob die Tsunami-Warnung auf und rief die Bevölkerung zur Rückkehr in ihre Wohnorte auf. Bisher wurden fünf Todesopfer gezählt. Zwei der Opfer erlitten einen Herzinfarkt, ein weiteres einen tödlichen Schock. Es werden aber noch weitere Opfer befürchtet.

Millionen Menschen rund um den Indischen Ozean wurden am Mittwoch in Alarmbereitschaft versetzt. Während das erste Beben nach indonesischen Angaben wohl keinen größeren Tsunami auslöste, blieb die Lage nach dem zweiten Erdstoß gut zwei Stunden später zunächst unübersichtlich. Die indonesische Erdbebenwarte gab die Stärke des ersten Bebens mit 8,5 an, die US-Erdbebenwarte mit 8,6. Das zweite Erdbeben hatte nach indonesischen Angaben eine Stärke von 8,1, nach US-Angaben 8,2.

Das erste Beben passierte rund 435 Kilometer südwestlich von der Provinzhauptstadt Banda Aceh in etwa 22 Kilometern Tiefe, das zweite rund 620 Kilometer von Banda Aceh entfernt, in 16 Kilometern Tiefe. Über Schäden oder Opfer gab es zunächst keine Berichte.

Panik und Vorsichtsmaßnahmen

In der Provinzhauptstadt Banda Aceh auf Sumatra rannten Menschen in Panik auf die Straßen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Sirenen heulten, Tausende flohen in Autos und auf Mopeds. Den Behörden lagen aber zunächst keine Angaben über Tote oder Schäden vor, wie der Sprecher der Meteorologiebehörde Prihyadi sagte, der wie viele Indonesier nur einen Namen trägt. "Wir danken dem Herrgott", sagte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, bevor das Nachbeben passierte. Die Indonesier verhängten eine Tsunamiwarnung für Sumatra. Das Tsunamiwarnzentrum auf Hawaii rief aber alle Länder rund um den Indischen Ozean zu erhöhter Alarmbereitschaft auf.

Die österreichische Botschaft in Jakarta sei mit den rund zehn auf Sumatra lebenden Österreichern in Kontakt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal. Bisher gebe es keine Informationen, dass Österreicher zu Schaden gekommen seien.

An der thailändischen Westküste mit der beliebten Ferieninsel Phuket wurden die Touristen dazu aufgerufen, die Strände zu räumen. Auch der Flughafen von Phuket wurde geschlossen. Am Flughafen von Banda Aceh lief der Betrieb zunächst weiter, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte. Auch aus dem Bezirk Pesisir in Westsumatra meldeten die Behörden zunächst keine Schäden.

Nach Auskunft des indonesischen Präsidenten soll es nach ersten Berichten keine Toten und vorerst auch keinen Tsunami gegeben haben. "Wir danken dem Herrgott, bisher gibt es keine Berichte über Tote oder Schäden", sagte Susilo Bambang Yudhoyono. "Wir sind mit den Behörden in der Provinz Aceh in Kontakt, und alles ist unter Kontrolle."

 

3,80 Meter hohe Welle befürchtet

Das erste Beben hatte kleinere Tsunamis vor der Küste Indonesiens ausgelöst. Das indische Tsunami-Frühwarnzentrums hatte für den schlimmsten Fall eine 3,80 Meter hohe Welle auf der Inselkette der Nikobaren befürchtet. Beim Tsunami Ende 2004 hatten meterhohe Wellen verheerende Zerstörungen angerichtet.

Anders als bei dem Beben 2004 habe sich der Meeresboden bei dem ersten Beben horizontal bewegt, nicht vertikal, sagte der Geophysiker Bruce Pressgrave von der US-Erdbebenwarte USGS dem Sender BBC. Dadurch sei die Tsunamigefahr weitaus geringer als bei einem Beben, bei dem der Meeresboden an einer Stelle absackt.

Bereits nach dem ersten Erdbeben gab das indische Tsunami-Frühwarnzentrum eine Warnung für die Nikobaren aus. Die Erdstöße waren jedoch auch auf dem indischen Festland zu spüren. Der Nachrichtensender NDTV meldete, in der ostindischen Metropole Kolkata (früher Kalkutta) seien Züge der Metro vorsorglich angehalten und evakuiert worden. Vor Anker liegende Schiffe seien aufgefordert worden, auf die See hinauszufahren.

 

KURIER-Journalistin Isabella Klausnitzer live aus Sri Lanka

Wenn die Familie Klausnitzer irgendwo auf der Welt Urlaub macht, müssen ihre Freunde damit rechnen, dass irgendwas passieren könnte. 2004 überlebten sie den Tsunami im thailandischen Kao Lak. Auch als die schweren Unruhen 2008 in Kenia ausbrachen, waren Rudi, Isabella und Raphael hautnah dabei und kamen mit dem Schrecken davon. Kein Wunder, wenn die KURIER-Journalistin Isabella Klausnitzer am Mittwoch am Telefon aufstöhnte: „Stell dir vor, eine Tsunami-Warnung und wir sind wieder einmal mitten drin.“ Sie urlaubt zurzeit mit ihrem Mann Rudi Klausnitzer, einer Freundin und ihrem Sohn Raphael im Lanka Princess Hotel in Sri Lanka, einem der schönsten Hotels für Ayurveda-Kuren. Mittwoch war ihr letzter Ferientag, in der Nacht sollte der Rückflug nach Wien angetreten werden.

„Wir wurden zwar gebeten, die nächsten zwei bis drei Stunden in den Zimmern zu bleiben, aber man sieht und hört die Wellen am Strand und kein Rückgang des Wassers, wie für Tsunami typisch, ist in Sicht. Schätze mal, dass es in ein bis zwei Stunden Entwarnung geben wird“, berichtet Klausnitzer. Und weiter: „Ich war mit einer Freundin am Pool und habe nichts bemerkt. Mein Mann hat ein Rütteln gespürt, Gläser sind umgefallen. Dank Internet wussten wir, das waren die Ausläufer eines Erdbebens vor Sumatra“!

Ungefähr zwanzig Minuten später sei dann die Tsunami-Warnung gekommen. „Wir sind hier im Lanka Princess sicher und gut aufgehoben, und auch 2004 konnte der Tsunami dem Hotel nicht wirklich was antun. Sicherheitshalber wurden aber der Strand und der strandnahe Teil des Gartens geräumt und die Hotelgäste ins Innere des Hotels verfrachtet.“

„Aller Voraussicht nach wird es nicht einmal eine Welle geben, aber die Behörden sind natürlich nach den Erfahrungen des Mega-Tsunamis 2004 vorsichtig geworden. In zirka einer halben Stunde dürfe auch die kritische Zeit für eine erste Welle schon vorüber sein. Wir werden sehen!“Als am Nachmittag ein etwa vier Meter hoher Tsunami Richtung Indien angekündigt wurde, war die „gelassene Stimmung“ im Hotelzimmer dann doch ein wenig verflogen. Aber Klausnitzers überzeugten ihre Lieben daheim telefonisch, dass das hier wie ein großes Rettungs-Training abläuft und „überhaupt keine Panik“ zu verspüren sei. „Wir haben schon viel überlebt.“

Verheerender Tsunami Weihnachten 2004

Die Insel Sumatra wurde schon mehrfach von schweren Beben heimgesucht. Im März 2005 forderten Stöße der Stärke 8,6 mehr als 1.300 Tote. Ende 2004 kamen durch einen Tsunami im Indischen Ozean mehr als 230.000 Menschen ums Leben, darunter 86 Österreicher. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 9,1 vor der Küste Sumatras. Der Tsunami am zweiten Weihnachtstag hinterließ in zwölf Ländern schwerste Schäden. Außer Indonesien wurden Sri Lanka, Indien und Thailand besonders schwer getroffen. Mindestens 1,7 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause.

Die zu Indonesien gehörende Insel Sumatra ist mit einer Fläche von 425.000 Quadratkilometern ungefähr fünfmal so groß wie Österreich und liegt am Pazifischen Feuerring. Auf der Insel gibt es mehrere aktive Vulkane. Die Gesamtfläche - Sumatra plus vorgelagerte Inseln, die verwaltungsmäßig dazugehören - beträgt 473.000 Quadratkilometer. Die 1.750 Kilometer lange und bis zu 400 Meter breite Insel ist damit die sechstgrößte der Erde.

Sumatra wird vom Äquator durchquert, das Klima ist tropisch heiß, Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Die Insel hat mehr als 40 Millionen Einwohner, die größten Städte sind Medan, Palembang und Padang an der Südwestküste mit rund 900.000 Bewohnern.