Politik 08.01.2012

Suche nach 15-jährigem Skifahrer

Das Schneechaos in Westösterreich dauert an. In Vorarlberg, Tirol und Salzburg waren mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten.

Dichter Schneefall, Sturm und die hohe Lawinengefahr erschweren die Suche, aber wir versuchen alles, um den Burschen zu finden. Da wird kein Meter ausgelassen“, betont Josef Gspan, Leiter der Bergrettung Axams. Seit Samstag durchkämmen 47 Mann der Bergrettung, fünf Lawinenhunde und 40 Soldaten des Bundesheeres das Hoadl-Gebiet in der Axamer Lizum. Doch auch am Sonntag konnten sie keine Spur von Patrick K. aus Wattens ausmachen. Die Suche wird am Montag fortgesetzt.

Der Jugendliche war alleine mit Skiern im freien Gelände unterwegs. Als er am vereinbarten Treffpunkt nicht auftauchte, schlugen die Eltern Alarm. Mit einer Handypeilung konnte das Gebiet zwar eingegrenzt werden, „doch man muss eine Streuung von zwei Kilometern Luftlinie einkalkulieren“, erklärt Alpinpolizist Jörg Randl. Auch Signale eines Lawinenpiepsgeräts, das er mitgehabt haben soll, konnten nicht empfangen werden. Um Mitternacht mussten die Helfer den Einsatz abbrechen. „Der Wind fegte mit 100 km/h“, berichtet Gspan.

Sonntagmorgen ging die Suche weiter. In Gruppen fuhren die Retter die Strecke von der Bergstation bis zum Tal ab und durchkämmten akribisch jeden Meter. „Viele Bereiche wurden mehrmals kontrolliert. Der dichte Wald im unteren Bereich erschwert die Suche“, sagt Randl. Am Nachmittag konnte erstmals ein Hubschrauber starten. „Die Schlechtwetterfront und die akute Lawinengefahr zwangen uns zum Abbruch“, sagt Randl.

Die Situation ist nach wie vor angespannt. In weiten Teilen Tirols und Vorarlbergs herrscht weiterhin Lawinengefahr der Stufe 4 auf einer fünfteiligen Skala.

Lawine

Infografik
© Bild: KURIER/Grafik: Breineder/ZAMG

Am Sonntag riss eine Lawine im Skigebiet Penken im Zillertal vier Skifahrer mit. Die Schneemassen waren im Bereich der sogenannten „Harakiri-Abfahrt“ abgegangen. Laut ersten Informationen konnten sich die Verunglückten aber selbst befreien und Alarm schlagen. Die Urlauber machten sich zu Fuß Richtung Horbergtal auf. Retter stiegen auf, um die Lage zu sondieren. „Nähere Details sind noch nicht bekannt“, berichtete ein Polizist.

Mehrere Orte – wie das hintere Paznauntal, das Kaunertal, St. Anton oder Seitentäler des Lechtals – waren am Sonntag von der Außenwelt abgeschnitten, zahlreiche Straßen gesperrt. Erstmals saßen auch die Wildschönauer fest.

„Die Stimmung ist gut. Die Urlauber gehen gemütlich ins Kaffeehaus oder fotografieren die Schneemassen“, schildert etwa Galtürs Bürgermeister Anton Mattle.

Starker Rückreiseverkehr und Unfälle führten zu Verzögerungen und Staus. Chaos herrschte auch auf der Schiene. Die Arlbergstrecke bleibt bis Montag zu. Unterbrechungen zwischen Wörgl und Saalfelden, im Raum Leongang ( Salzburg) und in Kirchberg in Tirol sorgten für Probleme.

Außer Betrieb war auch die Außerfernbahn zwischen Reutte und Garmisch.

Kein Strom

Zahlreiche umgestürzte Bäume hielten die Mitarbeiter des Stromversorgers TIWAG und die Feuerwehren in Atem. Sonntag waren noch Tausende Haushalte ohne Elektrizität. In Imst brannte wegen einer gerissenen Stromleitung eine Lagerhalle.

Die Hungerburg war nur noch mit der Bahn erreichbar und der Innsbrucker Alpenzoo musste erstmals in seiner 50-jährigen Geschichte einen Tag geschlossen halten. Zu groß war die Gefahr durch die beschädigten Bäume.

Am Montag rechnen die Meteorologen mit einer Wetterberuhigung im Westen – die Niederschläge sollen sich zum Unterland hin verschieben.

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( Kurier ) Erstellt am 08.01.2012