Strasser: Was blieb ihm außer zwei Ferienwohnun­gen?

Strasser
Foto: apa

Dem gefallenen Ex- ÖVP-Minister fehlt es an Freunden und Auftraggebern. Am Mittwoch erwarten ihn im U-Ausschuss heikle Fragen zu Telekom und Hochegger.

Was für eine Aussicht, was für eine Terrasse: Vor dem Eisengeländer stehen – in geschmackvollen Terrakotta-Töpfen – Kakteen und Palmen; links, am Horizont, läuft die zerklüftete Küstenlinie Mallorcas; rechter Hand, endlos: das Mittelmeer. In einer Ferienanlage in Vallgornera Nou, eine Autostunde vom Flughafen Palma entfernt, gibt es diese Terrasse samt Apartment.

Ob sich Ernst Strasser hierher zurückzogen hat, um sich auf seinen Auftritt im Untersuchungsausschuss vorzubereiten?

Gut möglich, immerhin ist seine Lebensgefährtin gerade da. Und immerhin berichten Weggefährten, der Ex-Innenminister und seine Lebensgefährtin nutzten diese und eine zweite Immobilie in Bad Ischl, um Geld zu verdienen und der Wiener Gesellschaft zu entfliehen.

Faktum ist: Die Firma, die beide Wohnungen verwaltet und die auch die Homepage für die Vermietung hat einrichten lassen, ist die „GP Unternehmensberatung GmbH“, Strassers Firma in der Wiener Walfischgasse.

Weggefährten des gefallenen ÖVP-Politikers erzählen, die 150-Euro-Tagesmiete, die die mallorquinische Bleibe in der Hauptsaison abwirft, sei die einzige Geld-Quelle, auf die er derzeit verlässlich zählen kann. „Nach der Lobbying-Affäre hat der Ernstl bis auf einen einzigen Kunden alle Geschäfte verloren“, sagt ein ehemaliger Geschäftspartner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will – wie alle, mit denen man über den Ex-Politiker spricht.

Paria

Ernst Strasser ist ein Outlaw, ein Paria – nicht nur als Politiker, sondern als Person insgesamt. Und das liegt vornehmlich an der Lobbying-Affäre, die den damaligen ÖVP-Fraktionsführer im EU-Parlament und die Partei insgesamt in eine hochnotpeinliche Situation manövrierte: Enthüllungsjournalisten der Sunday Times hatten den 56-jährigen Strasser über Monate hinweg kontaktiert, getroffen und dabei gefilmt, wie er anbot, gegen enorme Bargeld-Summen Gesetzesanträge ins EU-Parlament zu hieven.

Strasser selbst verteidigte sich damit, er habe bloß die Hintermänner ausforschen wollen. Doch die im Internet veröffentlichten Videos ergeben für viele ein anderes Bild. Und zudem ist schwer zu glauben, dass der sonst als gewiefter Taktiker bekannte Ex-Innenminister bei einer derart sensiblen Angelegenheit keine Absicherung vornahm, die seine Version der Geschichte stützen würde.

Warum hat er sich bei der „Jagd“ auf die Hintermänner nicht rückversichert – etwa mit einem Brief an die Partei oder an einen Notar?

Strasser konnte dies nie schlüssig beantworten, im Gegenteil: Er gibt sich wortkarg. „Sie sind eingeladen, meinen Anwalt zu kontaktieren“, lautet der Stehsatz bei Interview-Anfragen. Mehr kann, mehr will er nicht sagen.

Kein Kontakt

Gegenüber ehemaligen Freunden gibt sich Strasser nicht anders. „Er ist zehn Jahre gealtert, aber bleibt selbst unter vier Augen bei seiner Version der Geschichte – auch wenn sie unsinnig klingt“, erzählt ein hochrangiger ÖVP-Mann.

Dieses für viele schwer nachvollziehbare Verhalten hat in seinem Umfeld zudem nachhaltig irritiert. Das tut es bis heute: Von den aktiven Ministern oder Spitzenfunktionären trifft ihn niemand. „Anfangs musste man ja aus Selbstschutz jedes Telefonat vermeiden – die Polizei hat das Handy vom Ernst abgehört. Wer will schon in Ermittlungen verwickelt werden?“, sagt ein Weggefährte. Der Kontakt riss ab – und das blieb.

Geht es Strasser gut? „Ich kann’s mir nicht vorstellen“, sagt ein Ex-Geschäftspartner. „Er muss Anwälte in drei Ländern bezahlen, wird in Österreich nie wieder als Berater arbeiten.“ Und dann ist da noch die drohende Verurteilung vor Gericht. Im schlimmsten Fall muss Strasser ins Gefängnis. Sein „best case“, so scheint es derzeit: eine Karriere als Quartiermacher für Balearen-Fans.

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(kurier / Christian Böhmer, Maria Kern, Philipp Hacker, Josef Votzi ) Erstellt am
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