Politik
16.01.2012

Störsender gegen Handy-Schummler

Ein Direktor stellte während der schriftlichen Matura einen Störsender auf und entkam nur knapp einer Verurteilung.

Ein Salzburger Schuldirektor stellte bei der schriftlichen Matura einen Störsender auf, um Schummeln mit dem Smartphone im Internet zu verhindern. Obwohl die Reichweite des Senders nur 15 Meter beträgt, bekam Gerhard Klampfer vom Wirtschaftskundlichen Realgymnasium große Probleme mit der Fernmeldebehörde des Verkehrsministeriums und wäre fast vor Gericht gelandet.

Ein Schulmittelausstatter aus St. Pölten hatte dem Direktor das Gerät um 200 Euro verkauft. Angeblich würde der Störsender öfter bei Hörsälen oder Konferenzen verwendet. "Man hat mir gesagt, dass das Gerät erlaubt ist. Wir haben es zwei Tage während der schriftlichen Matura zwischen 8.30 und 13 Uhr bei den Toiletten aufgestellt. Am dritten Tag kamen Mitarbeiter des Fernmeldebüros", so Klampfer.

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Mit Scannern durchforsteten die Beamten die Schule. "Es war demütigend. Die offizielle Aussage war, dass eine Störung im Netz festgestellt worden war. Ich glaube eher, dass wer beim Handynetzbetreiber angerufen hat", erzählt Klampfer. Gegen den Schulleiter wurde ein Verfahren eingeleitet und er musste bei der Behörde vorsprechen, weil er gegen Paragraf 74 des Telekommunikationsgesetzes verstoßen hatte. Demnach dürfen nur Behörden, die für die Verteidigung und Sicherheit des Staates sorgen, derartige Geräte betreiben. "Ich bin froh, mit einer Abmahnung davongekommen zu sein", so Klampfer. Gedroht hätten 4000 € Strafe und ein Disziplinarverfahren.

"Ich werde nachdenken, was man alternativ gegen das Schummeln noch tun kann. Die Schüler sind ja recht kreativ. Wenn man Handys absammelt, geben sie das von der Oma her und schummeln mit einem anderen auf der Toilette."

An der Uni Salzburg ist bei Aufnahmeprüfungen streng reglementiert, was am Platz erlaubt ist. "Außerdem ist die Zeit für die Aufgaben sehr knapp bemessen – und Schummeln braucht Zeit", meint Test-Koordinator Paul Lengenfelder.

Detektoren

In Wien werden große Aufnahmeprüfungen im Vienna Austria Center durchgeführt. Studenten passieren beim Eingang Metalldetektoren. "Sie müssen bei der Schleuse elektronische Geräte abgeben. Ein Störsender ist gar nicht nötig", sagt Johannes Angerer, Sprecher der MedUni Wien.

Im Wiener Stadtschulratsbüro hält man von der Hightech-Offensive gegen Schummler nichts: "So etwas haben wir noch nicht gehört." Jede Schule lege autonom den Umgang mit Handys in der Schule fest. Nachsatz: "Den Lehrern und Lehrerinnen gelingt es auch, das gut zu handhaben."