Politik 05.12.2011

Stöger rügt Ärzte: "Gezielte Verunsicherung"

© Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Der Minister wehrt sich gegen Kritik an seinem eMedikationsplan: "Das bringt mehr Transparenz - dagegen kann man schwerlich sein."

Droht Gesundheitsminister Alois Stöger ein politischer Bauchfleck? Ist die von ihm vorangetriebene Vernetzung von Patienten-Daten (ELGA) und Rezept-Verschreibungen (eMedikation) unrealistisch? Und macht sich der Ressortchef damit europaweit zur "Lachnummer", wie ihn kürzlich ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger warnte?

Im KURIER-Interview will der SPÖ-Minister die Anwürfe von ÖVP-Politikern nicht weiter kommentieren ("Dazu ist inhaltlich nichts zu sagen"); er übt aber indirekt harsche Kritik an den Ärzten: "Es gibt hier offenbar Vertreter, die ihre Patienten nicht über die Möglichkeiten und Chancen der eMedikation aufklären. Und zusätzlich wird gezielt verunsichert", sagt Stöger.

Faktum sei, dass alle "großen und relevanten Institutionen" auf diesen technischen Fortschritt warten. "Gerade die Seniorenvertreter fordern das ganz massiv. Warum? Weil die eMedikation dazu führt, dass Ärzte in Zukunft wissen, welche Präparate andere Spitals- oder Fachärzte verschrieben haben. Das bringt mehr Transparenz - und dagegen kann man schwerlich sein."

Sonder-Interessen

Stöger fordert die Kritiker innerhalb der Medizinerschaft auf, ihre "Sonder-Interessen" hintanzustellen - zumal er davon überzeugt ist, "dass die Mehrheit der Ärzte hinter der eMedikation und ELGA steht".

Seinen umstrittenen Vorstoß, wonach auch öffentliche Spitäler in Tirol, Vorarlberg und dem Burgenland Abtreibungen durchführen sollen, verteidigt der SPÖ-Ressortchef: "Man muss das pragmatisch sehen. Wenn es einen Bedarf gibt, dann ist es meine Aufgabe, den zu benennen - jenseits aller ideologischen Konfrontationen, die es vor 40 Jahren gab. Die Vertreter der Bundesländer sind nach wie vor und ernsthaft gefordert, den Menschen diese Versorgung anzubieten."

Erstellt am 05.12.2011