Politik 05.12.2011

Steuerzuckerl für Adoptiveltern

© Bild: GEORG GESELLMANN/georg gesellmann

Weil an Kindern ein öffentliches Interesse der Gesellschaft besteht, sind nun Adoptionskosten absetzbar.

Wenn das berühmteste Adoptionskinder-Sammlerpaar Angelina Jolie und Brad Pitt davon liest, wird es sich in Österreich ansiedeln wollen: Die geschmalzenen Adoptionskosten sind ab sofort als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzbar.

Das hat der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in einem Grundsatzerkenntnis entschieden. Dadurch wurde mit der künstlichen Befruchtung gleichgezogen, die Ausgaben dafür gelten schon seit Längerem als absetzbar.

Der Anwalt Christian Winternitz führte den erfolgreich gewonnenen Musterprozess für ein Wiener Ehepaar, das 2003 zwei Kinder aus Russland adoptiert hat. Ein inzwischen aufgelöster Verein zur Förderung der Entwicklung von Kindern aus benachteiligten Regionen wickelte die Adoption ab und kassierte 13.528 Euro. Diesen Betrag machten die Adoptiveltern bei ihrer Einkommenssteuererklärung geltend.

Freiwillig

Der unabhängige Finanzsenat erkannte den Posten jedoch nicht an, weil "die Ursache einer Adoption ein Verhalten" sei, "zu dem sich der Steuerpflichtige aus freien Stücken entschließt". Es bestehe keine "sittliche Verpflichtung".

Das Höchstgericht trug nun allerdings der gesellschaftspolitischen Entwicklung Rechnung und stellte fest, dass ein "öffentliches Interesse an Kindern" bestehe. Mehr noch: Es ist sogar eine "Zwangsläufigkeit" gegeben, also ein gewisser Druck, Kinder in die Welt zu setzen bzw. aufzuziehen.

1984 hatte sich der VwGH schon einmal mit der Absetzbarkeit von Adoptionskosten zu befassen. Damals erkannte er sie nicht an, weil die Adoptiveltern eines "unbekannten lateinamerikanischen Kleinstkindes" (aus der Entscheidung) bereits Eltern eines ehelichen Kindes im Alter von 11 Jahren waren, "dessen Erziehung sie einem Internat anvertraut hatten".

Im aktuellen Verfahren konzentrierte sich Anwalt Winternitz ausschließlich auf die Vermittlungskosten und ließ etwa die Reisekosten nach Moskau als Abzugsposten unter den Tisch fallen. Mit diesem Erkenntnis im Rücken müsse es künftig aber möglich sein, sämtliche Kosten einer Adoption abzuschreiben, meint er. An die Geltendmachung bei der Finanz sind allerdings Bedingungen geknüpft: So darf die Fortpflanzungsunfähigkeit nicht freiwillig herbeigeführt worden sein (Sterilisation).

Ewigkeit

Regina und Bernd Dallos aus Neufeld im Burgenland wollen heute nicht mehr an die Prügel denken, die ihnen vor die Füße geworfen wurden, als sie vor Jahren ein Kind adoptieren wollten: Es habe "eine Ewigkeit" gedauert, bis es so weit war.

Im Frühjahr 2010 hat es dann geklappt, und die Eltern einer bereits erwachsenen Tochter holten die kleine Meron aus Äthiopien. Mittlerweile besitzt die Eineinhalbjährige die österreichische Staatsbürgerschaft.

Alles in allem kostete die Adoption mit Flug, Aufenthalt in Äthiopien und Teilnahme an Kursen um die 12.000 Euro. Die Familie machte nur das Honorar von 3500 Euro für die Organisation "Brücke von Äthiopien", welche die Adoption ermöglichte, geltend und stieß bei ihrem Finanzamt erstaunlicherweise auf keinen Widerstand.

Aber auch wenn es gar keine steuerlichen Vorteile gegeben hätte - "wir würden jederzeit wieder ein Kind adoptieren", sagen Regina und Bernd Dallos.

Prozedur Eltern warten mehr als fünf Jahre

Erste Anlaufstelle für eine Adoption ist das Jugendamt bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat. Dort wird die Eignung der künftigen Adoptiveltern - die selbst 30 (Mann) bzw. 28 (Frau) und mindestens 18 Jahre älter als das Adoptivkind sein müssen - geprüft. Und das dauert.
Die Soziologin Theresa Weiglhofer hat für eine Diplomarbeit Adoptiveltern in ganz Österreich interviewt und dabei festgestellt, dass jedes fünfte Paar mehr als fünf Jahre warten musste. Im Schnitt dauerte es drei Jahre. Die Adoption von Kindern aus dem Ausland geht mitunter rascher über die Bühne.

Obwohl nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Adoptiveltern verheiratet sein müssen, werden Adoptivkinder vorzugsweise an Ehepaare vermittelt. Die künstliche Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF) gibt es in Österreich seit 29 Jahren. 2008 gab es knapp 6100 Versuche, daraus entstanden 1729 Schwangerschaften. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt zwischen 34 und 36 Jahren.

Der IVF-Fonds übernimmt derzeit 70 Prozent der Kosten einer künstlichen Befruchtung (die restlichen 30 Prozent kann man von der Steuer absetzen), aber nur für maximal vier Versuche und unter gewissen Voraussetzungen. So dürfen Frauen das 40. Lebensjahr und ihre Partner das 50. noch nicht vollendet haben. Pro Versuch in einer öffentlichen Krankenanstalt muss man mit 1400 Euro rechnen.

Erstellt am 05.12.2011