© dapd

Politik
09/24/2012

Späte Kandidaten-Kür stresst die SPD

Deutschland: Das weiter offene Rennen der drei Anwärter auf den Kanzlerkandidaten lähmt die Partei – und beschädigt alle drei.

von Reinhard Frauscher

Als SPD-Chef Sigmar Gabriel vor einem Jahr die "Troika" der drei Kanzlerkandidaten ausrief, wollte er die heikle Entscheidung elegant auf den Jänner des Wahljahres 2013 verschieben. Zugleich sollte es für Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel mit einem Herausforderer in voller Deckung schwerer haben.

Inzwischen ist es aber umgekehrt: Der Frust in der SPD über die ungeklärte Führung im Wahlkampf steigt wie der Druck von außen auf alle drei Kandidaten-Kandidaten. Besonders auf den von manchen Medien in der Vorwoche schon als Sieger ausgerufenen Peer Steinbrück, 65, – und auf Gabriel selbst.

Steinbrück, angesehener Finanzminister in der Großen Koalition Merkels von 2005 bis 2009, ließ am Montag die dritte Biografie über sich in nur vier Monaten vorlegen. Die enthält aber auch Fragwürdiges: 2006 hat er auf offiziellem Ministerpapier Sponsoring von Post und Telekom eingefordert, deren Hauptaktionär der Bund und damit er selbst war. Sie sollten eine Million Euro für ein Schachturnier in Steinbrücks Heimat Bonn lockermachen, an dem ein Freund von ihm verdienen wollte. Die beiden Ex-Staatsbetriebe verweigerten die Spende, das Turnier wurde abgesagt.

Steinbrück tat die Meldung, die Parallelen zum Fall des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff aufweist, als harmlos ab: Er habe nur Schachfreunden einen Gefallen erweisen wollen. Doch der könnte nun reichen, seinen Zwei-Prozentpunkte-Vorsprung in den Umfragen vor Hauptkonkurrenten Frank-Walter Steinmeier zu verlieren.

Favorit

Der war unter Merkel anerkannter Außenminister und ist seit der historischen Wahlniederlage der SPD unter seiner Führung 2009 SPD-Fraktionschef im Bundestag. Steinmeier, der ebenso pragmatisch ist wie Steinbrück, aber weniger um den linken Flügel der Partei buhlen muss, gilt vielen in Berlin nun noch mehr als Favorit im Rennen der drei SPD-Granden. Auch weil Schnell- und Vielredner Steinbrück 2009 alle Parteiämter niedergelegt hatte und seither über die Landesliste nur einfacher Bundestagsabgeordneter ist – er hatte nicht einmal seinen Wahlkreis gewonnen.

Gabriels Hoffnung, seinen stärksten Konkurrenten Steinmeier mit Steinbrück zu neutralisieren, geht ohnehin nicht mehr auf: Sein rüder Stil macht Gabriel bei Wechselwählern zum aussichtslosesten Herausforderer Merkels. Nun gilt er auch noch als Zögerer.

Das ist offenbar aber auch Steinmeier: Er will nur dann noch einmal Kanzlerkandidat sein, wenn die SPD in der Rentenreform nicht noch weiter nach links rückt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.