Silvio schimpft über sein "Scheißland"

Berlusconi: Erneut unter Beschuss
Foto: apa/ROBERT GHEMENT

Ausfällig: Er könnte beim Gedanken an Italien kotzen, so Premier Berlusconi bei einem abgehörten Telefonat.

Die Italiener und die ganze Welt sind einiges gewöhnt von Silvio Berlusconis Mundwerk. US-Präsident Obama bezeichnete er etwa als "gut gebräunt", zur Politikerin Rosy Bindi sagte er: "Wie ich sehe, Signora, sind Sie noch immer schöner als intelligent", nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien verglich er die Notunterkünfte mit einem Camping-Urlaub.

Aber was nun an die Öffentlichkeit gelangte, stellt die Geduld der Bürger endgültig auf die Probe: Der Regierungschef soll Italien nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa in einem abgehörten Telefonat nämlich als "Scheißland" bezeichnet haben. Die italienische Agentur meldete am Donnerstag, Berlusconi habe in dem Telefonat am 13. Juli mit Valter Lavitola, dem Herausgeber einer Online-Zeitung, wörtlich gesagt: "Ich bin völlig transparent, sauber in allem was ich tue. Man kann mir nichts vorwerfen. Die Leute können sagen, dass ich vögele. Das ist das Einzige. In ein paar Monaten werde ich fortgehen, um mich um meinen eigenen Kram zu kümmern. Ich verlasse dieses Scheißland, bei dem ich kotzen könnte."

Erpressung im Spiel

Berlusconi: Erneut unter Beschuss Foto: apa/ROBERT GHEMENT Berlusconi: Erneut unter Beschuss

Lavitola befindet sich derzeit im Ausland. Die italienische Justiz ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts, Berlusconi gemeinsam mit dem Unternehmer Giampaolo Tarantini erpresst zu haben. Lavitola soll dabei als Mittler das Geld übergeben haben. Tarantini und seine Frau Angela Devenuto wurden am Donnerstag von der Polizei verhaftet.

Tarantini erklärte 2009, er habe rund 30 Frauen bezahlt, die an zügellosen Partys des Ministerpräsidenten teilgenommen und Sexdienste angeboten hätten. Darunter sei auch die Prostituierte Patrizia d'Addario gewesen, sie habe zwischen 2009 und 2010 an 18 dieser Partys teilgenommen. Der Unternehmer soll laut der Wochenzeitung Panorama hohe Summen von Berlusconi erhalten haben, damit er den Ermittlern erzählte, der Ministerpräsident habe nicht gewusst, dass die Frauen bezahlt würden. Berlusconi, der ein Macho-Image kultiviert, hat wiederholt beteuert, niemals für Sex bezahlt zu haben.

Berlusconi dementiert

Außerdem bestreitet Berlusconi, wegen seines Privatlebens erpresst worden zu sein. Er habe zwar Geld an Tarantini bezahlt, das sei jedoch nicht im Zuge einer Erpressung erfolgt. "Ich habe lediglich Tarantini und seiner Familie geholfen, die sich in großen finanziellen Schwierigkeiten befanden. Ich habe nichts Illegales getan", betonte der Milliardär.

(apa/afp / csm) Erstellt am
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