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Politik
05/07/2012

Serbien: Tadic und Nikolic in Stichwahl

Am Sonntag wählten die Serben Präsident und Parlament. Doch die Menschen auf dem Land fühlen sich im Stich gelassen.

Der große Wahltag für Serbien brachte das erwartete knappe Rennen zwischen dem im April zurückgetretenen Präsidenten Boris Tadić und seinem ehemals ultranationalistischen Herausforderer Tomislav Nikolić. Wer die Staatsführung übernimmt, wird erst nach der Stichwahl am 20. Mai feststehen.

Neben dem Präsidenten wurden am Sonntag auch das Parlament, die Lokalverwaltungen und das Regionalparlament der Provinz Vojvodina bestimmt. Im Nordkosovo organisierte die OSZE die Stimmabgabe der 109.000 serbischen Wähler.

Der bisher regierenden Demokratischen Partei (DS) von Boris Tadic ist es offenbar doch nicht gelungen, die meisten Stimmen im serbischen Parlament zu sammeln. Entsprechend letzter Hochrechnungen Sonntag Mitternacht, führt die oppositionelle Serbische Fortschrittliche Partei (SNS) von Tomislav Nikolic mit 24,7 Prozent, gefolgt von den Demokraten mit 23,2 Prozent.

Die DS will Serbien in die EU führen, mittlerweile ist aber auch die SNS, von Thomislav Nikolić auf den Europa-Zug aufgesprungen. "Wir sagen den Menschen, dass der Weg nach Europa noch ein schwerer wird", erklärt der DS Abgeordnete Mihailo Purić dem KURIER. Bekämpfung der Korruption und Lösung der Kosovo-Frage nennt er als vordringlichste Aufgaben. "In Serbien haben sich bereits 50 bis 60 Prozent für den Weg in die EU entschieden. Wir müssen aber auch die restlichen 40 Prozent erreichen, die sich vor allem aus der Landbevölkerung rekrutieren."

Diese wurde von den radikalen Parteien heftig umworben. Allen voran Vojislav Šešelj, der sich vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal verantworten muss, mit seiner nationalistischen Serbisch Radikalen Partei. Am Land blicken Šešelj und seine Mitstreiter von zerfallenen Hausmauern, Bäumen, und allem, was ein Wahlplakat tragen kann.

Schweres Landleben

Radovan T., 50, Landwirt aus der Region Šabac versteht die Politikverdrossenheit der Landbevölkerung nur zu gut. Er lässt kein gutes Haar an allen Parteien: "Niemand interessiert sich für uns, alles konzentriert sich auf die Stadt. Wir sind genügsam , unser einziger Anspruch ist, dass wir von unserer Arbeit leben können." Radovan sympathisierte einst mit Vuk Drašković, "aber der Weg muss nach Europa führen, darum werde ich Tadič meine Stimme geben".

"Viel wurde versprochen, nichts gehalten", meint Olivera M., 54, verheiratet und Mutter von zwei Kindern aus der Region Podrinje. "Die Menschen sind gleichgültig geworden, sie glauben an nichts mehr." Mit Blick nach Europa engagiert sich Olivera seit neun Jahren in einer Frauengruppe der DS.

Bildung und Nationalismus

"Absolut unerklärlich für mich, wieso viele unserer jungen Menschen in eine unglaubliche Apathie gefallen sind. Sie zeigen keinerlei Interesse für die Entwicklung Serbiens", sorgt sich Nina Živanović, 25, seit 2010 Vizepräsidentin der SDU, einer proeuropäischen Partei, die mit der österreichischen SPÖ gute Kontakte pflegt: "Zu diesen Menschen vorzudringen, ist mein erklärtes Ziel."

In dieser Generation, so Živanovič, steckt Serbiens Zukunft: "Es ist viel schwieriger, junge Menschen auszubilden, als sie für nationalistische Zwecke zu mobilisieren. Zur EU-Reife fehlt noch vieles, unser Weg ist jedoch der Richtige."

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