Politik
05.12.2011

Selbstverbrennung am Tiananmen-Platz

Erstmals seit über zehn Jahren hat sich am Pekinger Platz des Himmlischen Friedens ein Mann angezündet - angeblich aus Protest gegen ein Urteil.

Der Vorfall wurde in China verschwiegen - erst, als eine britische Zeitung Fotos von dem Vorfall zeigte, bestätigten Chinas Behörden die dramatischen Geschehnisse vom 21. Oktober. Die Bilder, von einem britischen Urlauber geschossen und auf der Website der Daily Telegraph veröffentlicht, zeigen einen Mann, der am Pekinger Platz des Himmlischen Friedens liegt, wenige Meter vom berühmten Porträt des Vorsitzenden Mao entfernt. Neben ihm stehen Polizisten mit Feuerlöschern. Der Mann am Boden ist vom Löschpulver ganz weiß.

Die Szene zeigt den ersten Versuch einer öffentlichen Selbstverbrennung seit über zehn Jahren auf dem symbolischen Platz - der 1989 Ausgangspunkt der blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung war. Zuletzt hatten sich laut Daily Telegraph 2001 fünf Menschen hier aus Protest gegen die Unterdrückung der Falun Gong-Bewegung angezündet, zwei davon starben, darunter ein zwölfjähriges Mädchen.

Angeblich aus Protest gegen Urteil

Der Mann, der sich nun vor den Augen des britischen Touristen anzündete, hat laut den chinesischen Behörden überlebt. Der 42-Jährige aus der Stadt Huanggang (Hubei-Provinz) habe mit seinem Vorgehen gegen den Ausgang eines Zivilverfahrens protestieren wollen, heißt es. Da die Polizei umgehend eingeschritten sei, habe er überlebt.

In China hatten sich im laufenden Jahr bereits zahlreiche unzufriedene Menschen aus unterschiedlichen Gründen selbst angezündet. Erst am Mittwoch wurde von einer 81-jährigen Frau berichtet, die sich wegen einer Enteignung selbst in Brand setzte. Für Schlagzeilen sorgen vor allem tibetische Mönche, die sich aus Protest gegen die chinesische Besatzung bzw. Tibet-Politik anzünden. Bisher starben auf diese Weise neun Mönche in der auch von Tibetern bewohnten Provinz Sichuan.

Der Platz des Himmlischen Friedens ist der zentrale Ort in der chinesischen Hauptstadt und Schauplatz vieler politischer Veranstaltungen. Auf dem Platz ließ die chinesische Regierung im Jahr 1989 Kundgebungen der Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Dabei kamen Hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen ums Leben.