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Politik
12/05/2011

Seilschaft stürzte 200 Meter in den Tod

Drei Alpintote innerhalb weniger Stunden: Am Dachstein starben zwei Kletterer. Im Rax-Gebiet kam eine Frau um.

von Simone Stecher

Ich will noch gar nicht wahrhaben, dass das wirklich passiert sein soll. Die beiden waren technisch und konditionell in den höchsten Schwierigkeitsgraden nahezu perfekt unterwegs. So ein eingespieltes Team gibt es im Alpenraum selten", meint Michael Miggitsch, Chef der Bergrettung Graz, betroffen.

Sein langjähriger Freund und Bergrettungskollege Gottfried R., 57, brach am Freitag mit dem 41-jährigen Robert P. aus Thal zu einer Klettertour auf den Dachstein (2995 Meter) auf. Doch die beiden Steirer kehrten nicht mehr zurück. Samstagfrüh entdeckte der Suchtrupp des Rettungshubschraubers C14 die Leichen am Fuß der Südwand.

"Der Vorsteiger ist abgestürzt und hat den anderen samt Standplatz und Zwischensicherungen mit in die Tiefe gerissen. Die Wand dürfte an dieser Stelle rund 200 Meter hoch sein", informiert ein Polizist.

Suche

Die Männer kletterten die Route "Extrem Klassiker" mit dem Schwierigkeitsgrad 6+. Als sie sich bis zum Abend nicht meldeten, schlugen die Angehörigen Alarm. "Wir haben die Wand, den Rückweg und die Steige zu den Hütten mit Jagdgläsern abgesucht. Der Polizeihubschrauber mit Nachtsichtgerät hat uns dabei unterstützt", berichtet Heribert Eisl, Flugretter und Leiter der Bergrettung Ramsau. Eine Seilschaft konnten die Retter ausmachen. "Aber dieser Lichtblick währte nur kurz. Es waren nicht die Vermissten", bedauert Eisl.

Der Wirt der Südwandhütte beobachtete die Kletterer gegen Mittag in der Wand. "Sie sind ihm aufgefallen, weil sie so schnell unterwegs waren", sagt der Bergretter. Danach verlor sich ihre Spur. Um 22.30 Uhr musste die Suche ergebnislos eingestellt werden. "Beim ersten Sichtungsflug am Morgen haben wir sie dann gefunden."

Bei der Bergrettung und der Grazer Kletterszene sitzt der Schock tief. "Es herrscht Katastrophenstimmung. Wir fragen uns alle: warum? Die beiden haben Erstbegehungen in höheren Schwierigkeitsgraden gemacht", sagt Miggitsch, der seinen Kollegen die traurige Nachricht überbringen musste. "Ich hab' die Freundin vom Gottfried angerufen, um ihr meine Hilfe anzubieten. Sie war nicht fähig zu sprechen, brach sofort in Tränen aus." Erhebungen zur genauen Absturzursache laufen.

Unachtsam

Auch im steirischen Rax-Gebiet stürzte am Samstag eine Wanderin 250 Meter über eine senkrechte Felswand und eine steile Rinne in den Tod. Helga E., 48, aus Niederösterreich war mit ihrer Mutter am "Bismarcksteig" in rund 1700 Metern Höhe unterwegs. "Der Weg hat Klettersteigpassagen, die mit Seilen gesichert sind. Passiert ist es an einer etwas ausgesetzten, schwierigen Stelle. Vermutlich war die Frau kurz unachtsam, ist ausgerutscht, oder hat das Gleichgewicht verloren", sagt ein Polizist.

Der Deutsche, 45, der am Freitag in Vandans in Vorarlberg verunglückt war, starb am Samstag im Spital. Er wollte den "Wilden Mann" besteigen, als sich ein Felsbrocken gelöst hatte. Der Mann stürzte 120 Meter ab.

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