Politik 26.12.2011

Schwere Vorwürfe gegen Fukushima-Betreiber

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Nicht auf Katastrophe vorbereitet: Eine Expertenkommission wirft dem Fukushima-Betreiber Tepco und Japans Regierung schwere Versäumnisse vor.

Deftige Schelte für die Betreiber des havarierten Atomkraftwerks: Eine von der japanischen Regierung eingesetzte Expertenkommission hat der Firma Tepco schwere Versäumnisse vor und während der Katastrophe von Fukushima vorgeworfen. In dem am Montag vorgelegten Zwischenbericht werfen die Experten Tepco vor, die Gefährdung des Atomkraftwerks falsch eingeschätzt und Mitarbeiter nicht ausreichend ausgebildet zu haben. Tepco sei nicht auf eine 14 Meter hohe Tsunami-Welle vorbereitet gewesen, obwohl die Gefahr real gewesen sei. "Tepco rechnete nicht mit einer Situation, in der alle Stromquellen in mehreren Reaktoren wegen einer Naturkatastrophe gleichzeitig unterbrochen würden, und hat die Mitarbeiter nicht ausgebildet, darauf zu reagieren", kritisierten die Fachleute.

Tepco habe zudem falsch auf die Katastrophe reagiert, hieß es in dem mehr als 500-seitigen Bericht, für den 456 Beteiligte befragt wurden. Die Kernschmelzen und das Entweichen radioaktiven Materials hätten begrenzt werden können, wenn in den Reaktoren 1 und 3 früher Druck abgelassen worden und schneller Wasser zur Kühlung zugeführt worden wäre. Auch sei die Kommunikation zwischen den Einsatzteams mangelhaft gewesen. So hätten kleine Gruppen immer wieder Entscheidungen getroffen, ohne die Vorgesetzten darüber zu informieren.

Menschen wurden in verseuchte Regionen evakuiert

April: Atomanlagen-Arbeiter versuchten das Ausmaß der Katastrophe einzudämmen. Sowohl Tepco als auch die Regierung reagierten falsch, heißt es in dem Bericht.
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Auch das Krisenmanagement der Regierung wird in dem Bericht kritisiert. Zwar hätten Wirtschaftsministerium und Atomsicherheitsbehörde beklagt, von Tepco nicht schnell genug Informationen über die Entwicklungen in Fukushima zu erhalten; zugleich seien aber keine Behördenvertreter in den Unternehmenssitz entsandt worden. Auch die Evakuierungsanweisungen der Regierung seien fehlerhaft gewesen: Die Bewohner einiger Gegenden, die ihre Häuser verlassen sollten, seien in Regionen gebracht worden, in denen die radioaktive Belastung nach der Katastrophe noch höher war.

Großteil der Atomreaktoren abgeschaltet

Neuneinhalb Monate nach der Atomkatastrophe laufen derzeit nur noch sechs der insgesamt 54 Atomreaktoren des Landes. Auch die jetzt noch laufenden sechs Reaktoren müssen bis Ende Mai 2012 für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Die mehrwöchigen Kontrollen sind alle 13 Monate vorgeschrieben. Vor dem Wiederanfahren müssen sie aufgrund der Atomkatastrophe von Fukushima sogenannte Stresstests bestehen.

Das Atomkraftwerk Fukushima war durch ein verheerendes Erdbeben und einen darauffolgenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden. Die Zerstörungen in der Anlage lösten den weltweit schwersten atomaren Unfall seit Tschernobyl 1986 aus. Zehntausende Menschen wurden obdachlos, da ganze Städte wegen der radioaktiven Strahlung unbewohnbar wurden.

Erstellt am 26.12.2011