Politik 23.03.2012

Schönborn auf Friedens-Kurs

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Erzbischof will mit wegen Homosexualität abgelehntem Pfarrgemeinderat reden. Bei Helmut Schüller ortet er "Bewegung".

Die katholische Kirche in Österreich hat schon wieder einen Skandal: Missbrauchsfälle, "ungehorsame" Pfarrer und jetzt ein abgewiesener homosexueller Pfarrgemeinderat. Der junge Mann, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, war am Sonntag in der kleinen Weinviertler Gemeinde Stützenhofen mit 80 Prozent der Stimmen zum Pfarrgemeinderat gewählt worden. Er wurde aber vom örtlichen Pfarrer abgelehnt. Der 26-Jährige könne "aufgrund seiner Lebensweise" nicht Pfarrgemeinderat sein.

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn trifft sich heute mit dem abgewiesenen Kandidaten. "Wir sehen uns die Sache genau an", betonte der Kardinal am Freitag. Ein Urteil will er vorerst nicht abgeben. Er verwies aber auf die "Rahmenbedingungen" für das Amt eines Pfarrgemeinderats.

Die kirchlichen Vorgaben machen eine Lösung nicht einfach: Laut Pfarrgemeinderatsordnung müssen sich Kandidaten zur Ordnung der Kirche bekennen. Und der Katechismus ruft homosexuelle Menschen zur Keuschheit auf. Im Zuge des "Dialogs für Österreich" wurden homosexuelle Menschen allerdings ausdrücklich zur Teilnahme am kirchlichen Leben eingeladen.

Wie die Presse berichtet, will der abgewiesene Pfarrgemeinderat seine Kandidatur jedenfalls nicht zurückziehen.

 

Ungehorsam

Ungelöst ist auch nach wie vor der Konflikt mit der Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller. Die österreichischen Bischöfe, die diese Woche ihre Frühjahrstagung abhielten, stehen geschlossen hinter dem geharnischten Hirtenbrief des Grazer Bischofs Egon Kapellari. Dieser hatte in der Vorwoche vor Kirchenspaltung gewarnt.

Schönborn betonte am Freitag, der "Aufruf zum Ungehorsam" bedürfe nach wie vor einer Klärung, aber er ortet bei der Pfarrerinitiative durchaus Bewegung. Die Gruppe habe ihre Thesen zuletzt "modifiziert". Der Vorsitzende der Bischofskonferenz setzt auch hier auf Gespräche, das sei auch mit Rom vereinbart.

Erstellt am 23.03.2012