Politik
05.12.2011

Säureopfer bereut Verzicht auf Rache

Im Juli überraschte die Iranerin Ameneh Bahrami, weil sie auf Vergeltung für eine Säureattacke verzichtete. Jetzt bereut sie es.

Die Geschichte der Iranerin Ameneh Bahrami ging um die Welt: 2004 hatte ihr ein verschmähter Verehrer namens Majid Mowahedi Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, weil sie seine Heiratsanträge ablehnte. Bahrami erlitt schwere Verätzungen und ist seitdem blind.

Nach dem Prinzip "Auge um Auge" erlaubt das islamische Recht Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen. Bahrami erstritt 2008 vor Gericht das Recht, dem Täter unter Betäubung Säure in die Augen zu träufeln. Kurz vor dieser Vergeltung hatte Bahrami im Juli aber überraschend darauf verzichtet.

Jetzt bereut Ameneh Bahrami dies. Der Grund: An den Verzicht auf Rache war auch der Verzicht auf vollen Schadenersatz gekoppelt.

"Hatte keinen Anwalt"

"Da ich damals keinen Anwalt hatte, habe ich das Verzichtsschreiben einfach unterschrieben", sagte die 33-Jährige jetzt der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. "Ich habe auf die Vergeltung verzichtet, nicht aber auf den vollen Schadenersatz, der mir sowohl vom Gericht als auch meinem Peiniger versprochen worden war."

Ihrem Anwalt Mohammad-Hadi Najafi zufolge hatte Bahrami mit dem Verzichtschreiben unwissend auch die volle Schadenersatzsumme - samt der Kosten für mehrere Operationen im Ausland - aufgegeben. Einen Rechtsbeistand hatte sie damals nicht. "Da sie keine juristischen Kenntnisse hatte, hat sie ein Schreiben unterschrieben, womit sie quasi keinen Anspruch mehr auf Schadenersatz hat", sagte ihr Anwalt.

Wollte kein Geld

Nach ihrem Verzicht auf Rache im Sommer waren von Bahrami ganz andere Töne zu hören gewesen. Damals sagte sie: "Ich habe dies aus diversen Gründen nicht getan: wegen Gott, für mein Land und für mich selbst." Sie fühle sich durch den Verzicht "befreit", auch ihre Familie werde nun in Frieden leben können. Und: Sie sei nicht mit Geld umgestimmt worden, es habe von keiner Seite einen Cent Schadenersatz gegeben.

Zuvor hatte die Iranerin zwei Millionen Euro für den Verzicht auf die Bestrafung gefordert. Beim Verzicht sagte sie dann aber, sie habe damit nur die Menschenrechtsorganisationen bloßstellen und den Beweis antreten wollen, dass diese im konkreten Fall keine Hilfe leisten.

Nun bereut Ameneh Bahrami dies wieder. Anwalt Najfi will nun erneut vor Gericht das Recht seiner Mandantin auf Vergeltung erzwingen, falls ihr Peiniger - der in Haft ist und zu zehn Jahren Haft verurteilt werden könnte - keinen adäquaten Schadenersatz bezahle.

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