Politik
02.01.2012

Russen-Wochen: „Partys, herzliche Menschen“

Großkampftag auf den Airports Salzburg und Innsbruck. Russen entdecken Österreich zum Skifahren und Feiern.

Wenn nicht in großen Buchstaben „Airport W. A. Mozart“ auf dem Gebäude stünde – man könnte glauben, sich nach Moskau verirrt zu haben. Über der Ankunftshalle des Flughafens lag am Montag ein russischer Sprachteppich, Zettel mit kyrillischen Buchstaben wurden hochgehalten, Blondinen im Pelz bewachten Kofferberge.

Am Montag war auf dem Salzburger Flughafen „Russen-Großkampftag“. Von insgesamt 64 ankommenden Flugzeugen, kamen 31 Maschinen aus Russland, drei aus der Ukraine. Die meisten Ankünfte waren bereits zwischen 6 und 9.30 Uhr. Die Flugzeuge landeten im 20-Minuten-Takt.

„Wir erwarten heute in Salzburg mehr als 2500 Russen und in den nächsten Tagen werden noch weitere kommen. Sie feiern hier orthodoxe Weihnachten und kommen zum Skifahren. Und wir erwarten jedes Jahr mehr Gäste aus Osteuropa“, sagt Andrei Ihnatsenka vom Veranstalter TEZ-Tour.

In der Ankunftshalle ist alles straff organisiert. Von Russisch sprechenden Reiseleitern in gelben Jacken werden die Ankommenden auf Busse nach Mayrhofen im Zillertal, Sölden, Bad Gastein oder Zell am See aufgeteilt.

Einzelne Hotels haben Chauffeure geschickt. „Die Russen haben eine eigene Mentalität. Aber sie sind gern gesehene Gäste bei uns, weil sie viel Geld ausgeben. Englisch sprechen die meisten noch nicht so gut. Aber wir verständigen uns mit Händen und Füßen“, erzählt ein Mitarbeiter vom „Grünen Baum“ in Bad Gastein.

Ski-Hochburg Svetlana, Zlata und Sasha verbringen in Sölden einen reinen Damen-Urlaub. „Man hat uns erzählt, dass Österreich die Wiege des Skifahrens ist. Hier liegt immer Schnee und wir wollen besser Ski fahren lernen. Außerdem stimmt die Kombination von Preis und Qualität. Die Schweiz ist zu teuer“, meint Svetlana. Ihr Ziel? „Sölden. Dort sollen die Partys gut sein!“

Auch Boris, Tamara und Andrei haben sich für Sölden entschieden. „Die Leute sind herzlich und sportlich. Wir waren schon in Italien oder Frankreich zum Skifahren, aber Österreich ist besser. Ich liebe Glühwein und Schnitzel“, sagt Boris und lacht.

Auffallend viele Kinder sausen durch die Ankunftshalle. „Die Klientel hat sich verändert“, bestätigt Flughafensprecher Alexander Klaus. Reisten vor 15 Jahren reiche Russen vor allem zum Shoppen an, so sind heute immer mehr mittelständische Familien zu Gast.

„Wir sind drei Stunden aus St. Petersburg hergeflogen“, erzählt Alexander Pzepjalov, der von einer Kinderschar umgeben ist. Ziel ist ein Vier-Stern-Superior-Hotel am Fuschlsee. „Man hat uns erzählt, dass man in Österreich gut mit Kindern Urlaub machen kann. Es soll hier gemütlich und ruhig sein.“

Die meisten Russen kommen in der Zeit um den 7. Jänner, dem orthodoxen Weihnachtsfest. „Der stärkste Abreisetag ist am 9. Jänner. Von 45 Maschinen haben 21 als Reiseziel Russland“, sagt Flughafensprecher Klaus. In Innsbruck landeten am Montag zusätzliche 15 Chartermaschinen mit mehr als 3000 Gästen.

 

Jumbo-Jets

Damit wachsende Gästezahlen nicht gleichzeitig mehr Lärmbelästigung bedeuten, werden – zur Freude der heimischen Flugzeug-Spotter – größere Maschinen eingesetzt. In den Russen-Wochen landen dann auch regelmäßig Jumbo-Jets (Boeing 747), was am gemütlich kleinen Regionalflughafen Salzburg noch eine Seltenheit ist.

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