Roosevelt, Putin & Co: Politiker auf der Jagd

Wladimir Putin
Foto: AP Wladimir Putin hält die Jagd für eine menschliche Ur-Tradition.

Eine Vielzahl internationaler Politiker jedweder Couleur frönte der Leidenschaft der Jagd.

Auf Tiere könnte ich nie schießen, die müssten schon Selbstmord machen." Eine Vielzahl internationaler Politiker jedweder Couleur waren und sind anderer Meinung als der ehemalige deutsche Außenminister, Hans Dietrich Genscher, wie ein Blick in die Vergangenheit beweist.

US-Präsident Theodor Roosevelt (1858–1919) hatte seinen Spitznamen "Teddy" nicht zuletzt der Jagd zu verdanken. Als er 1902 in Mississippi keine Chance zum Bären-Abschuss hat, setzt ihm die Jagdgesellschaft einen Teddybären vor die Flinte. Da Roosevelt sich weigert, das Stofftier zu "erschießen", nimmt sich Partei-Kamerad und Jagd-Partner John M. Parker dessen "Erlegung" an, indem er ein Messer zur Hand nimmt. Der legendäre Vorfall wurde zur Karikatur und so zum Synonym des 26. US-Präsidenten. Mehr Glück als Freude hatte Roosevelt in Ostafrika, wie aus seinen Tagebuchaufzeichnungen hervorgeht. Nachdem er einen Elefanten, "den großen Lord der Wildnis", mit zwei Schuss niedergestreckt hatte, heißt es darin: "Das sind die Wonnen in einem freien kühnen Leben."

Auch der 42. Präsident der USA, Bill Clinton, ging zu Amtszeiten medienwirksam auf Entenjagd, auch, um von der Affäre mit Monica Lewinsky abzulenken. Seine Frau, die nunmehrige US-Außenministerin Hillary Clinton, versuchte während des Wahlkampfs 2008 die jagd- und waffenaffine Bevölkerung mit einer Kindheitserinnerung für sich zu gewinnen. "Mein Dad nahm mich manchmal mit in den Wald hinter der Hütte, die mein Großvater an dem kleinen See Winola gebaut hat. Dort hat er mir beigebracht, auf Enten zu schießen, als ich ein kleines Mädchen war." Auf weit Größeres hatte es der große Franz-Josef Strauß (1915–1988) abgesehen. Bayerns legendärer Ministerpräsident, der u. a. Verteidigungsminister war, frönte seiner Leidenschaft für Bären oder Hirsche gerne mit anderen Machthabern seiner Zeit wie Rumäniens Nicolae Ĉeauşescu oder Ungarns János Kádár ebendort.

"Bum-Bum"

Dass der Bayer Strauß seine Jagdschein­prüfung 1963 nicht, wie es Recht und Pflicht ist, an seinem Hauptwohnsitz ablegte, sondern in Niedersachsen, brachte ihn anno dazumal in die Schlagzeilen und in Verruf. Den Vorwurf, er wäre in heimatlichen Gefilden durchgefallen und/oder habe sich dank enger Kontakte mit den niedersächsischen Jägern ihm gesonnene Prüfer ausgesucht, wurde er zeitlebens nie los. "Die sind da doch bloß zum Schießstand gegangen, haben einmal Bum-Bum gemacht, und dann hat der Strauß sein Zeugnis bekommen," zitierte Der Spiegelden damaligen Forstmeister i. R. Schroeder vom Landesjagdverband Niedersachsen. Ungeachtet dieser Kritik bleibt die Jagd untrennbar mit dem Namen Franz Josef Strauß verbunden. Beim Verlassen eines Hubschraubers, um an einer von Johannes von Thurn und Taxis ausgerichteten Hirschjagd teilzunehmen, brach Strauß am 1. Oktober 1988 zusammen. Drei Tage später erlag er einem Herz-Kreislaufversagen. Papst Benedikt XVI, damals Kardinal Ratzinger, hielt in der Totenpredigt fest: "Er hat wie eine Eiche gelebt. Und er wurde wie eine Eiche gefällt."

Archaisch anmutende Worte. Für ebenso anmutende Bilder sorgt regelmäßig Russlands Präsident Wladimir Putin, wenn er sich, egal, ob beim Fischen, Reiten oder Jagen, mit nacktem Oberkörper zeigt. "Es gibt auch Bilder von US-Präsident Theodor Roosevelt mit einem eigenhändig getöteten Löwen ... ich sehe darin nichts Anstößiges", ließ Putin 2011 das US-Magazin Outdoor Life wissen. Der Staatsmann ist, wie in einem Interview mit Russki Pionier nachzulesen, überzeugt: "Eine maßvolle Jagd gehört zu den menschlichen Ur-Traditionen."

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(kurier) Erstellt am
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